Städtischer Wohnungsbau:"Wir stecken mitten in einem Sumpf von Problemen"

Städtischer Wohnungsbau: GWG und Gewofag sollen zum Jahreswechsel fusionieren.

GWG und Gewofag sollen zum Jahreswechsel fusionieren.

(Foto: Carsten Hoefer/dpa)

Mit den Stimmen der Rathauskoalition stellt sich der Stadtrat hinter die Fusion der Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag. Die Opposition erhebt etliche Vorwürfe.

Von Anna Hoben

Die geplante Fusion der beiden Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag zur Münchner Wohnen hat schon viele kontroverse Debatten im Stadtrat ausgelöst - in der Vollversammlung am Mittwoch beharkten sich Regierung und Teile der Opposition besonders heftig. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sprach Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) die Eignung für das gigantische Fusionsvorhaben ab. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verteidigte seine Stellvertreterin. Er habe ihr das Projekt "bis zum Schluss zugetraut, ich werde es weiterhin, und sie hat es auch gut gemacht".

Der Stadtrat stellte sich mit den Stimmen der Rathauskoalition hinter die Fusion. Der Zusammenführung am 1. Januar 2024 stehe "nichts im Weg", hatte Dietl eingangs gesagt. "Damit wächst endlich zusammen, was zusammen gehört." In der freien Wirtschaft hätten Fusionen den Zweck der Gewinnmaximierung; oftmals liefen sie im Geheimen ab, die Mitarbeiter würden vor vollendete Tatsachen gestellt. Im Gegensatz dazu sei das Projekt Münchner Wohnen "das Glanzstück einer Fusion", weil man die Mitarbeiter über Jahre in dem Prozess "mitgenommen" habe und weil sich das Unternehmen mit seinem Fokus auf bezahlbaren Wohnraum am Gemeinwohl orientiere.

Dietls Rede habe "vor Allgemeinplätzen nur so gestrotzt", kritisierte FDP-Fraktionschef Jörg Hoffmann. Keine ihrer Thesen, sei es zu erhofften Synergien oder zur Motivation der Mitarbeiter, sei konkret hinterlegt. Er verglich die Fusion der städtischen Wohnungsbaugesellschaften mit jener von Daimler und Chrysler im Jahr 1998; diese scheiterte neun Jahre später. Er sei gespannt, ob es bei der Münchner Wohnen "genauso lange dauert, ich glaube nicht". Seine Fraktion lehne die Fusion nach wie vor ab, die Stadt sei "von Anfang an falsch rangegangen".

Anna Hanusch (Grüne) versuchte, für das Projekt zu werben. Der hohe Druck auf dem Münchner Wohnungsmarkt mache es "umso dringender, dass wir eine stabile Münchner Wohnen haben". Gemeinsam könnten die Herausforderungen besser angepackt werden. Ja, anfangs habe es "große Beharrungskräfte" in den beiden Unternehmen gegeben. Nun aber sei sie "guter Dinge, dass wir einen ganz großen Teil der Belegschaft überzeugt haben, diesen Weg mitzugehen".

Daran hegte Pretzl (CSU) große Zweifel. Seine Fraktion höre aus den Unternehmen von "Panik, Frust und Arbeitsverweigerung", der Frust ziehe sich bis hinauf in die Führungsebene. "Wir stecken mitten in einem Sumpf von Problemen." Dietl feiere sich für einen Prozess, der noch nicht einmal begonnen habe, statt die Herausforderungen zu benennen, die nach dem 1. Januar auf die Münchner Wohnen zukämen. Mit ihrem Zitat, es wachse zusammen, was zusammen gehöre, habe sie sich keinen Gefallen getan. "Ich bete zu Gott, dass es nicht so lange dauert, wie es gedauert hat, Ost und West zusammenzuführen."

Das brachte SPD-Fraktionschef Christian Köning in Rage. Die größte Oppositionsfraktion werfe "kübelweise Schmutz" auf die städtischen Gesellschaften, anstatt konstruktive Oppositionsarbeit zu leisten. Die CSU torpediere den Prozess und stelle "an jeder Ecke haltlose Behauptungen in den Raum". Die Fusion anzupacken habe Mut erfordert, "und ich bin froh, wie weit wir heute gekommen sind".

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