bedeckt München 24°
vgwortpixel

Typisch deutsch:Warum Münchner Eltern Flohmärkte lieben

Großflohmarkt auf der Münchner Theresienwiese, 2016

Kinderklamotten sind auf dem Flohmarkt oder Second Hand deutlich günstiger.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Nie hätte sich unsere Autorin aus Uganda vorstellen könne, ihre Tochter in gebrauchte Kleider zu stecken. Bis sie das erste Mal zum Shoppen ging.

Malstifte in der Schule, Spaghetti beim Abendessen oder Grasflecken auf dem Spielplatz - nichts ist schneller ruiniert als Kinderkleidung. Und fast nichts ist so teuer.

Die eigenen Kinder sollen schick aussehen, deswegen hätte ich mir nie vorstellen, meine kleine Tochter in gebrauchte Kleidungsstücke zu stecken. Bevor ich mein Kind bekam, fragte ich mich immer, warum die Einheimischen auf Flohmärkten sich so sehr für Babyaccessoires interessieren. Können sie sich nichts Ordentliches leisten? Dann kam meine Taliah zur Welt.

Typisch deutsch

Ihre Flucht hat drei Journalisten nach München geführt. In der wöchentlichen Kolumne "Typisch deutsch" schreiben sie, welche Eigenarten der neuen Heimat sie mittlerweile übernommen haben. Alle Kolumnen der Serie "Typisch deutsch" finden Sie hier.

Der erste Einkaufsbummel: Winterschuhe für 50 Euro, eine Mütze für 25 Euro, ein Kleidchen für 40 Euro. Um meine Tochter mit neuen Klamotten einzukleiden, hätte ich ein Monatsgehalt investieren müssen. Ich war regelrecht schockiert. Da aber mein Kind nicht frieren soll, brauchte es eine Alternative.

Mode hat mir Zeit meines Lebens etwas bedeutet, deswegen ist mir wichtig, dass auch meine Kleine davon profitiert. Die mich kennen, würden meine Outfits als auffällig beschreiben. Meine Kleider sind bunt, die Gürtel verschnörkelt, und der Schmuck funkelt und glitzert. Hier in München falle ich damit auf, wo ich herkomme, eher weniger. Wahrscheinlich entspreche ich in Sachen modischer Aufwand etwa einer afrikanischen Durchschnittsfrau. Und so ging es nun um die Frage, wie es sich bewerkstelligen lässt, dass auch mein Baby ein fesches Gewand bekommt.

In München liegt die Rettung quasi auf der Straße: Secondhand-Läden und Flohmarktstände. Jahrelang bin ich wie mit Tunnelblick an ihnen vorbeigezogen, als würden sie nicht existieren. Nun hat sich herausgestellt, dass ich einiges verpasst habe. Regenstiefel, Jacken, Pullover - es kostet weniger als halb so viel wie im Laden. Und wer genau hinschaut, findet durchaus modische Babysachen zu außergewöhnlich wenig Geld. Für den Preis einer neuen Jeans könnte ich drei oder vier gebrauchte kaufen.

Nun verstehe ich so langsam die Münchner und Münchnerinnen, warum sie wie wild auf die Flohmärkte dieser Stadt stürmen. Das Münchner Leben ist teuer, insbesondere mit Kindern. Da ist alles, was aus zweiter Hand kommt, eine willkommene Abwechslung. Wenn meine Taliah ihr Kleidchen beim ersten Tragen mit Grasflecken ruiniert, muss ich mich nun nicht mehr ärgern. Stattdessen freue ich mich auf die nächste Recycling-Recherche.

Leben und Gesellschaft Schau, wie du schaust

Typisch deutsch

Schau, wie du schaust

Als unser nigerianischer Autor nach München kam, wunderte er sich, dass die Menschen so selten lächeln. Mittlerweile hat sich auch seine Mimik verändert.   Kolumne von Olaleye Akintola