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Typisch deutsch:Schau, wie du schaust

Smiley-Hecke

Bei dieser Hecke klappt es schon, manche Menschen sind beim Lächeln aber etwas aus der Übung gekommen.

(Foto: Günther Reger)

Als unser nigerianischer Autor nach München kam, wunderte er sich, dass die Menschen so selten lächeln. Mittlerweile hat sich auch seine Mimik verändert.

Es beginnt mit dem Lächeln eines Mannes, der die anderen allein durch das Strahlen seiner Zähne überzeugt. Ein Werbespot eines deutschen Zahnpastaherstellers, die Botschaft: "Lache, solange du noch kannst." Oder eben: Verwende deine Zähne nicht zum Knacken von Hendl-Knochen, sondern zum Lächeln. Damit, so der Anschein, knackt man so manch harte menschliche Nuss.

Typisch deutsch

Ihre Flucht hat drei Journalisten nach München geführt. In der wöchentlichen Kolumne "Typisch deutsch" schreiben sie, welche Eigenarten der neuen Heimat sie mittlerweile übernommen haben. Alle Kolumnen der Serie "Typisch deutsch" finden Sie hier.

Eine Straße in München, unweit des Sendlinger Tors. Hier stehe ich an einem ganz normalen Spätsommertag und lächle wie ein Engel. Vier Stunden lang soll das so gehen, und über all dem steht meine Forschungsfrage: Wie viele Lächler bekomme ich von den Münchnern zurück? Das Ergebnis ist enttäuschend. Acht positive Reaktionen in vier Stunden. Und jede Menge Passanten, die mich entweder irritiert oder mit einer Mischung aus Überraschung und Überheblichkeit anschauten. Habe ich es beim Lächeln übertrieben? Jedenfalls reichten die vier Stunden nicht aus, um meinen Bedarf an lachenden Gesichtern zu decken.

Meine Erhebung stammt aus dem Jahr 2016. Damals, kurz nach meiner Ankunft in Bayern, war ich im Studium der Münchner Gesichter noch ein Novize. Ich tat mich schwer damit: Jeden Morgen an der Bushaltestelle sieht man in diese versteinerten Mienen. Und abends ein sehr ähnliches Bild: Man grüßt, und als Antwort bekommt man eine Mimik, wie man sie von Boxern kennt, wenn sie gerade einen Kampf verloren haben. Vielleicht muss das so sein, in einer Gesellschaft, die früh aufsteht, acht oder mehr Stunden arbeitet - und dann danach wieder heimfährt. Vielleicht formt dieses Leben Grimassen, die an einen rachsüchtigen Löwen erinnern.

Natürlich kann es sein, dass die Leute so reagieren, weil ein dunkelhäutiger Mann vor ihnen steht. Klar, dass man sich auch selbst hinterfragt: Warum bin ich der einzige, der kichernd die Straße entlang geht? Also versuchte ich nur noch mitten auf der Straße loszulachen, wenn mir ein Kumpel wieder mal einen Witz aufs Handy geschickt hat. Nun aber hinterfrage ich auch das: Warum eigentlich? Und spätestens, seit mir Freunde hier gesagt haben, dass ich auf Fotos oft grantig schaue, mache ich mir Gedanken. Manchmal befürchte ich, dass mir mein Sinn für Humor verloren gegangen ist.

In Nigeria packt man Probleme an, indem man sie zur Komödie macht und darüber lacht. Man sagt, dass sich das Problem dann schämt und abgestraft fühlt. Wobei es sicherlich nicht schadet, Mythen und Emotionen von Fakten und Realitäten zu trennen - und im Problemfall auch entsprechend schaut. Aber existieren hier in Deutschland nur Probleme? Gibt es nicht genügend Gründe, weswegen man hier die Mundwinkel nach oben ziehen könnte? Ist nicht vieles in Bayern so, dass man vor lauter Dankbarkeit alle paar Minuten in die Luft springen müsste? Ein wetterfestes Dach über dem wohlfrisierten Kopf, sichere Arbeitsplätze, eine Krankenversicherung, die den Namen verdient. Und nicht zuletzt die Biergärten mit ihren Speisen und Getränken. "A hungry man is an angry man", sagt man in Nigeria. Warum also soll ich Wohlgenährter plötzlich drein schauen, als hätte mir die Bande aus dem Nachbardorf die Hütte angezündet?

Übersetzung aus dem Englischen: Korbinian Eisenberger

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