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TU München:Eine Frage der Ethik

Alles eine Frage der Ethik: Staatsministerin Dorothee Bär sitzt zwischen Institutsleiter Christoph Lütge, dem neuen TU-Präsidenten Thomas Hofmann und Gastredner Luciano Floridi (von rechts).

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Technische Universität München eröffnet das von Facebook finanzierte Institut für Ethik in der Künstlichen Intelligenz. Kritiker fürchten, der Sponsor könnte die Forschung beeinflussen.

Mit einem Symposium ist am Montag das Institut für Ethik in der Künstlichen Intelligenz an der Technischen Universität (TU) München eröffnet worden. In der digitalen und von der englischen Sprache geprägten Welt wird das Institut auch als Institute for Ethics in Artificial Intelligence, kurz: IEAI, firmieren. Es ist Teil des 2012 an der TU eingerichteten Munich Center for Technology in Society (MCTS). Erste Projekte werden sich unter anderem mit Problematiken des autonomen Fahrens und ethischen Fragen im Alltag von Klinikärzten beschäftigen.

Die offizielle Eröffnung fand nur knapp neun Monate nach Bekanntgabe der Institutsgründung statt. Mitte Januar war Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, dazu nach München gereist. Denn: Facebook sponsert das Institut mit 7,5 Millionen Dollar, was erst am Tag der Vertragsunterzeichnung veröffentlicht worden war. Das Geld fließe ohne irgendwelche Auflagen und Erwartungen vonseiten des amerikanischen Unternehmens, beteuert seitdem die TU, allen voran ihr neuer Präsident Thomas Hofmann, der maßgeblich an dem Coup beteiligt war.

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In seiner Eingangsrede verwies Hofmann auf die unaufhaltsamen Veränderungen in der Wissenschafts- und Wirtschaftswelt, in den Arbeitsmärkten, bei Gesundheit, Mobilität und Kommunikation. Diese eröffneten enorme Möglichkeiten für diejenigen, die in der Lage seien, darauf zu regieren. Hofmann machte klar, dass er die TU in diese Richtung führen wird - wofür er weitere Geldgeber suchen will.

Ob sich Facebook tatsächlich vollkommen aus der Institutspolitik und der Forschung heraushält, wird die Zukunft zeigen. Deutlich aber wurde am Montag bei der gut besuchten Veranstaltung: Die Verbindung mit diesem Geldgeber erhöht die Aufmerksamkeit, wovon womöglich beide Seiten profitieren. Die Universität mit dem neuen Institut und der Möglichkeit, Forscher nach München zu holen; Facebook wiederum profitiert vom Renommee der Universität.

Mit der Anwesenheit von Staatsministerin Dorothee Bär, Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, kam auch der Segen aus Berlin zum Institutsstart. Bär betonte, dass es ohne Künstliche Intelligenz (KI) in der Gesellschaft nicht mehr gehe, man sie schnell voranbringen möge und sich niemand davor fürchten sollte. Sie wünschte, dass Entscheidungsträger Vorlesungen am IEAI besuchten. Denn auch wenn wir das derzeit anders sehen mögen, warte die Welt nicht auf Deutschland. Besonders angetan ist Bär von den geplanten Tandem-Projekten, in denen jeweils Geistes- mit Naturwissenschaftlern Forscherteams bilden. Mit Blick auf die Bundesregierung sagte sie: "Ich finde, das Ressortprinzip tötet alles. Vielleicht können Sie hier beweisen, dass es wirklich nicht gut ist."

Der Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Christoph Lütge wird das neue Ethik-Institut leiten, für das die TU eine Startförderung von 2,3 Millionen Euro für die ersten Forschungsprojekte bereitstellt. Autonomes Fahren wird einer der Forschungsschwerpunkte sein. In seinem just am Montag erschienenen Buch "Ethik in KI und Robotik" (Hanser) setzt sich Lütge mit der Problematik bei Unfällen auseinander. Wer wird die Verantwortung tragen, wer am Ende dafür haften, wenn Menschen verletzt werden? Eine komplexe Frage, die in absehbarer Zeit Hersteller von selbstfahrenden Autos und Gerichte beschäftigen wird. Ähnlich gravierende Fragestellungen wird der Einsatz von Robotern in Krankenhäusern aufwerfen. Werden sie schon bald Ärzte ersetzen? Oder werden sie vielleicht bessere Diagnosen stellen als Menschen, sodass sich Patienten auf das Urteil von Personen nicht mehr verlassen mögen?

Ein anderes Projekt wird sich mit der Dynamik von sogenannten Fake News und Hasskommentaren in den Sozialen Medien beschäftigen. Dazu soll die Meinungsbildung nach mathematischen Gesichtspunkten untersucht werden. Ein anderes Forscherteam soll sich mit der Optimierung von vernetzten Fertigungsanlagen durch KI in der Industrie beschäftigen, die ethisch problematische Aspekte aufwerfen, wenn sich etwa der Mensch den technischen Gegebenheiten unterwerfen soll.

Am Ende der Forschung sollen Handlungsempfehlungen stehen, damit die Gesetze den gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst werden können. "Gesetze können falsch sein", sagte Gastredner Luciano Floridi, Philosoph und Direktor des Digital Ethics Lab der Uni Oxford, der vor allem dazu aufrief, sich in Bezug auf KI zu beruhigen: "Sie wird keine Zombies hervorbringen."

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