Bierzeltrede in Trudering:Angriffslustiger Klingbeil

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Bierzeltrede in Trudering: Politik in ernsten Zeiten: Nach der Begrüßungsrunde tritt der SPD-Bundesvorsitzende Lars Klingbeil im Truderinger Bierzelt kämpferisch auf.

Politik in ernsten Zeiten: Nach der Begrüßungsrunde tritt der SPD-Bundesvorsitzende Lars Klingbeil im Truderinger Bierzelt kämpferisch auf.

(Foto: Florian Peljak)

Mit Attacken ihres neuen Bundesvorsitzenden auf Ministerpräsident Söder läutet die Bayern-SPD ihren Landtagswahlkampf ein.

Von Anna Hoben

Draußen wummert die Musik vom Karussell, drinnen gibt es Currywurst, SPD-Fähnchen in Bierkrügen und stehenden Applaus für Lars Klingbeil. Der Bundesvorsitzende der SPD hat gegen acht Uhr abends im Bierzelt auf der Truderinger Festwoche gerade seine Rede beendet - und wenige Minuten später kommt dann auch der angekündigte Sturm im Münchner Osten an. Gut eine halbe Stunde hat Klingbeil über "Politik in ernsten Zeiten" gesprochen, der Landtagsabgeordnete Markus Rinderspacher hatte ihn zuvor angekündigt als jenen Mann, dem es als Generalsekretär gelungen sei, die SPD "zu einen und auf Kurs zu bringen", so dass sie seit der Bundestagswahl die stärkste Kraft stelle.

"Eigentlich kann ich es jetzt nur schlecht machen, nach so einer Einleitung", begann Klingbeil daraufhin. Er als Norddeutscher bei einer Bierzeltrede - ob das überhaupt gut gehen könne? Sein Team habe ihm versichert, er sei nicht lustig und gehöre hier nicht her. Das sehen die anwesenden Genossinnen und SPD-Sympathisanten dann doch ein bisschen anders, etwa als Klingbeil das Geheimnis des Bundestagswahlkampfs verrät. Er habe da mit Markus Söder ja einen tollen Helfer gehabt, sagt er, der habe "jeden Tag Armin Laschet vors Schienbein getreten".

Und damit zum nächsten Wahlkampf, dessen frühe Phase die Sozialdemokraten hier im Festzelt einläuten an diesem Abend. "Wir haben lange genug Opposition gemacht", hat Rinderspacher gesagt, der Anspruch im kommenden Jahr sei es, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Und Klingbeil startet nochmal zur Attacke auf Söder, der regelmäßig den Eindruck erwecke, es gehe in der Politik "nur um die große Überschrift", um Macht und Showdown. Politik sei aber "kein Dschungelcamp, kein Spielfilm". Nach den Maskendeals gehöre die CSU "abgewählt, es ist ein Skandal, das darf man nicht verzeihen und vergessen".

Beim Thema Ukraine-Krieg bekommt dann auch der grüne Ampelkoalitionspartner eine Stichelei ab. Die Grünen seien auf einmal "die größten Waffenexperten", es brauche aber neben Waffenlieferungen auch Gespräche über Frieden. Klingbeil nennt Putin einen "Kriegsverbrecher", er dürfe diesen Krieg nicht gewinnen. Es dürfe aber auch nicht der Eindruck erweckt werden, dass der Krieg auf dem Schlachtfeld entschieden werde statt am Verhandlungstisch.

Der Parteichef geht dann noch die anderen Krisen durch, die die "ernsten Zeiten" bestimmen - Pandemie, Inflation, Klimakrise -, bevor er von der Münchner Bundestagsabgeordneten Claudia Tausend zum Dank einen roten Fußball überreicht bekommt. Dass der Niedersachse Klingbeil FC-Bayern-Fan ist und seit März Mitglied im Verwaltungsbeirat des Vereins, das hat möglicherweise noch nicht jeder gewusst.

Später am Abend tanzt ein Dutzend junger Leute zu "Griechischer Wein" und "Dancing Queen" auf den Bierbänken. Es ist, den ernsten Zeiten zum Trotz, auch Zeit zum Feiern an diesem Abend.

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