Tram:Bau der Westtangente verzögert sich um ein Jahr

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Ratzingerplatz in München, 2019

Die Tram-Westtangente soll unter anderem über den Ratzingerplatz führen.

(Foto: Florian Peljak)

Die Tramstrecke vom Romanplatz über die Fürstenrieder Straße bis zur Aidenbachstraße wird nicht vor 2027 fertig. Neue Fahrzeugbreiten, Änderungen am Bahnhof Laim und die Vorgaben des Radentscheids erfordern Umplanungen.

Von Andreas Schubert

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bezeichnet die Tram-Westtangente als eines der wichtigsten Verkehrsprojekte Münchens. Schon in fünf Jahren hätte die neue Trasse fertig sein sollen. Nun verschiebt sich das Projekt erneut um ein Jahr nach hinten, wie aus einer Stadtratsvorlage des Mobilitätsreferats hervorgeht. Grund sind einige Umplanungen, derentwegen die Trasse voraussichtlich erst 2027 in Betrieb gehen kann.

Im März 2018 hat der Stadtrat nach längerem Hin und Her die Trasse beschlossen. Vergangenes Jahr startete das Planfeststellungsverfahren mit einer öffentlichen Auslegung der Unterlagen. Aktuell werden die 41 Einwendungen von Privatpersonen und privaten Vereinigungen noch bearbeitet. Nach Angaben des Mobilitätsreferats haben sich nun aber aber einige Grundanforderungen neu ergeben, weshalb der Trassierungsbeschluss - wie man es in der Verwaltungssprache nennt - fortgeschrieben werden muss.

Zum einen soll die Trasse so gebaut werden, dass breitere Trambahnfahrzeuge zum Einsatz kommen können. Das bedeutet, dass der bisher geplante sogenannte Achsabstand der Gleise von 2,90 Meter in der Geraden auf 3,05 Meter wachsen soll. Das führe zu "geringfügig geänderten Immissionspegeln bei den Anliegern", heißt es in der Vorlage. Eine Reihe weiterer Umplanungen gegenüber dem Trassierungsbeschluss ist nötig, weil die Ziele des Radentscheids umgesetzt werden müssen, die breitere Radwege vorsehen. Der Radentscheid kam erst, nachdem der Stadtrat den Tram-Beschluss gefasst hatte.

Weil die S-Bahn mehr Fahrgäste transportieren soll, werden die Zugänge am Laimer Bahnhof vergrößert

Der dritte Punkt ist eine Änderung beim Zugangsbauwerk am S-Bahnhof Laim. Weil es dort wegen der zweiten S-Bahn-Stammstrecke eine neue Prognose zu höheren Fahrgastzahlen gibt, sollen die Zugänge größer dimensioniert werden.

Die Änderungen bedeuten, dass die Planunterlagen teilweise neu ausgelegt werden müssen. Theoretisch können Anwohner wieder neue Einwendungen erheben. Das Mobilitätsreferat geht aber davon aus, dass alle Neuerungen genehmigungsfähig sind. Was die bereits erfolgten Einwände betrifft, so sind sich die Stadtwerke und das Referat in ihrer Einschätzung einig, dass diese die Genehmigungsfähigkeit der Westtangente insgesamt nicht in Frage stellen.

Die Tangente soll auf einer 8,25 Kilometer langen Strecke vom Romanplatz in Neuhausen über die Fürstenrieder Straße in Laim bis zur Aidenbachstraße in Obersendling den Verkehr entlasten. Sie ermöglicht das Umsteigen zu drei U-Bahn-Linien, vier Tramlinien sowie zu sechs S-Bahn-Linien am Haltepunkt Laim, die fast alle in Ost-West-Richtung verlaufen. "Dem gravierenden Mangel des Münchner Schienennetzes mit fehlenden leistungsfähigen Tangential- und Nord-Süd-Achsen wird hiermit für diesen Bereich des Stadtgebiets Abhilfe geschaffen", schreibt das Mobilitätsreferat.

Die CSU befürchtete zunächst zu starke Einschränkungen für den Autoverkehr

Der Westtangente geht eine schon ziemlich lange Geschichte voraus: Seit den Neunzigerjahren wurde sie bereits diskutiert. 2013 schließlich fasste die damalige rot-grüne Rathauskoalition einen Grundsatzbeschluss. Als dann von 2014 an CSU und SPD im Rathaus die Mehrheit hatten, wäre das Projekt beinahe noch an den Christsozialen gescheitert, da sie zu starke Einschränkungen für den Autoverkehr befürchteten. 2016 stimmte die CSU dennoch zu - unter der Auflage, die Pläne so zu gestalten, dass der Autoverkehr möglichst unangetastet bleibe.

Nach dem Trassierungsbeschluss 2018 verzögerte sich das Projekt erstmals um mehr als ein Jahr. Die Stadtwerke mussten erst ein Genehmigungsverfahren für die Laimer Unterführung abwarten, die eine zusätzliche Röhre bekommt. Weil die Deutsche Bahn zum Teil Bauherrin der neuen "Umweltverbundröhre" ist, durch die die Tram-Trasse führen wird, war für Genehmigungen das Eisenbahnbundesamt zuständig. Danach ging es mit den Planungen allerdings relativ flott. Baubeginn könnte nach neuem Stand 2024 sein. Die Stadtwerke gehen von einer dreijährigen Bauzeit aus.

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