Folge des Klimawandels:Wie sich die Tigermücke in München ausbreitet

Folge des Klimawandels: Die Asiatische Tigermücke kann Dengue-Fieber und andere Krankheiten auf den Menschen übertragen.

Die Asiatische Tigermücke kann Dengue-Fieber und andere Krankheiten auf den Menschen übertragen.

(Foto: Mauritius Images)

Vor fünf Jahren wurde die Stechmücke, die zahlreiche Krankheiten übertragen kann, zum ersten Mal in der Stadt nachgewiesen, 2023 gingen 25 Exemplare in die aufgestellten Fallen. Dabei gibt es einen auffälligen Hotspot.

Von Nicole Graner

Zum ersten Mal hat sich Aedes albopictus im Jahr 2019 in München gezeigt: die Asiatische Tigermücke, die aus Korea kommt. Sie ist zwar hübsch gestreift, aber ein fieser Plagegeist. Denn die tagaktive Mücke kann Erreger von Krankheiten wie das Dengue-, Zika- und Chikungunya-Virus auf den Menschen übertragen und auf feuchtem Untergrund sehr lange überleben. Voraussetzung: Es muss schön warm sein.

In Italien und Frankreich ist die Tigermücke deshalb weitverbreitet. Auch in Österreich sind Populationen zu finden, in Deutschland laut der Nationalen Expertenkommission "Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern" in Baden-Württemberg entlang des Rheins und auch in Berlin. In Bayern gibt es bereits in Fürth eine etablierte Population.

Durch den Klimawandel sind auch die Münchner Sommer wärmer geworden - und die Tigermücke findet es nun auch in der Landeshauptstadt durchaus angenehm. Ein Grund für das Münchner Gesundheitsreferat (GSR), das Tigermücken-Monitoring, das direkt nach dem ersten Fund in München etabliert worden ist, intensiv fortzuführen. Im Gesundheitsausschuss hat das GSR nun Resultate und weitere Maßnahmen vorgestellt.

"Das Stechmückenmonitoring mit besonderem Fokus auf die Asiatische Tigermücke wurde im vergangenen Jahr ausgeweitet, da aufgrund des Klimawandels eine Ausbreitung der Tigermücke erwartet wird", sagt die Dritte Bürgermeisterin, Verena Dietl (SPD).

An acht Standorten werden in München mithilfe von Tigermückenfallen, zum Beispiel an Bahnhöfen oder Kleingartenanlagen, Funde gezählt. So flatterten laut GSR rund um die Hackerbrücke 15 Exemplare in die Fallen.

Weil die Mücken, wie Insektenforscher wissen, hauptsächlich über Container-Routen ins Land kommen, sind Bahntrassen häufig Fundorte. An den anderen Münchner Standorten wurden bislang keine Tigermücken entdeckt.

Die Standorte können nicht ganz München abdecken. Daher hat das GSR Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, auffällige Mücken zu fangen und an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit oder an den sogenannten Mückenatlas zu senden, der die Insekten bestimmt und kartiert. Diese Daten hat das Gesundheitsreferat mit in die Zählung einbezogen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 25 Asiatische Tigermücken erfasst.

Alle Funde wurden analysiert und - wenn nötig - an privaten Fundorten auch Maßnahmen ergriffen. Weil die Stechmücken Wasser lieben, ist es wichtig, Regentonnen abzudecken, und regelmäßig die Auffangschalen für Pflanzen, Gießkannen oder Vogeltränken zu leeren.

"Jeder kann mithelfen, um die Ansiedlung der Tigermücken zu verhindern", sagt Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD). Bei Brutstätten, die im Bereich der Kanalisation oder an Abwassergullys gefunden wurden und nicht so leicht zugänglich waren, waren im Auftrag des GSR Fachfirmen im Einsatz, um Wirkstoffe auszubringen, welche die Tigermückenlarven an ihrer weiteren Entwicklung hindern.

Noch ist Aedes albopictus in München nicht gefährlich. Noch sind keine Übertragungen von Krankheitserregern bekannt. Panik sei, so Zurek, "absolut unnötig". München habe früh mit dem Monitoring angefangen und sei, so das Gesundheitsreferat, "gut aufgestellt".

Zwar hatten sich 52 Urlauber 2023 mit Denguefieber infiziert, aber nicht in München, sondern in den typischen Endemiegebieten wie Südostasien oder Afrika.

Das Gesundheitsreferat will das Monitoring auch 2024 fortführen und weiterentwickeln. Auch soll die Münchner Bevölkerung mit Flyern und im Internet noch besser über die schwarz-weiß gestreiften Mücken informiert werden, damit sie Brutstätten noch besser erkennt. Ziel ist es, die Ausbreitung der Tigermücke so zu verlangsamen - um Zeit zu gewinnen: für die Entwicklung möglicher Impfstoffe.

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