Theater:Wie im Märchen

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Theater: Theater als Peepshow: Das Teatro la Ribalta zeigt eine temporeiche Aschenputtel-Deutung im Stadtmuseum.

Theater als Peepshow: Das Teatro la Ribalta zeigt eine temporeiche Aschenputtel-Deutung im Stadtmuseum.

(Foto: Vasco Delloro)

Das Theaterfestival Grenzgänger zeigt mit bildstarken Produktionen sehr unterschiedliche Arbeiten inklusiven Theaters.

Von Yvonne Poppek, München

Gibt es ihn, den Märchenprinz? Und wer soll das sein? Aschenputtel immerhin hat ihn ja gefunden, mit Hilfe eines Schuhs. Den Schuh gibt es derzeit im Stadtmuseum auch. Ein riesiger, roter Pump, für den sich allerdings keine Frau einen Zeh abhacken müsste. Die Gruppe "Teatro la Ribalta" aus Bozen hat ihn zum zentralen Requisit erhoben in ihrer Arbeit "Peep Show per Cenerentola" (Aschenputtels Peep Show). Sie ist eine von zwölf Produktionen aus sieben Ländern, die dieses Jahr zum inklusiven Theaterfestival Grenzgänger eingeladen wurden. Noch bis Sonntag, 10. Juli, ist in München zu sehen, welche bildstarken Spielarten inklusiven Theaters es derzeit gibt.

Die zehnte Ausgabe des Festivals verteilt sich über die ganze Stadt. Gasteig, Volkstheater, Kammerspiele, sogar das Rathaus sind Spielorte. Das Teatro la Ribalta macht Station im Saal des Stadtmuseums. Dort hinein haben sie eine tolle Bühne gebaut. Mittelpunkt ist eine kleine, drehbare Plattform, eingefasst von 14 Einzelkabinen. In denen nehmen die Zuschauer Platz, sehr nah vor einer Plexiglasscheibe. Jeder hat so seinen persönlichen Blick auf die Show in der Mitte. Regisseur Antonio Viganò lässt vier Frauen um die Gunst des Publikums und eines sehr fiktiven Märchenprinzen wetteifern, erst im Brautkleid, dann in Unterwäsche. Schräge, zarte Choreografien hat er erfunden, die ironisch gebrochen werden von Dialogen und immer mal wieder über die Bühne streifenden Männergestalten, die wirken, als habe man sie gerade aus einem Märchenwald entführt. Lustvolles Theater ist das.

Einen gleichen lustvollen Zugriff zeigt auch das Kollektiv Per.Art aus Novi Sad. Dessen Produktion "Dance in the 21. Century" holten die Festivalleiter Anette Spola und Lorenz Seib in die Therese-Giehse-Halle der Kammerspiele. Natalija Vladisavljević, Choreografin, Tänzerin und Autorin mit Down-Syndrom, hat den Abend erdacht und mit einem Ensemble aus Schauspielern und Tänzern mit und ohne Behinderung auf die Bühne gebracht. Vladisavljević probiert verschiedene Geräusche, Musiken, Rhythmen, Körperhaltungen und dynamische Bewegungen im Raum aus, um schließlich beim märchenhaften Traum von "Schwanensee" zu enden.

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