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Sichuan Küche:Wo chinesische Küche kernig und unverkünstelt ist

Sichuan Küche

Die "Sichuan Küche" legt nicht viel Wert auf Ausstattung, dafür ist das Essen sehr authentisch und in aller Regel hervorragend.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das mitunter recht rustikale Restaurant Sichuan Küche am Hohenzollernplatz bietet authentische Speisen - und das zu sehr annehmbaren Preisen.

Städte, Gefilde, Landschaften haben ihren ganz eigenen Geruch, sogar Staaten, Gesellschaften, politische Systeme haben ihre besondere Brise, ihre Aura, in der Düfte eine besondere Rolle spielen. Zum Jubiläum, da die Berliner Mauer vor 30 Jahren fiel, erinnert sich gewiss jeder Grenzgänger noch daran, dass der zweitaktgetriebene Osten gänzlich anders roch als der viertaktgetriebene Westen. Und der Broiler ganz anders als das Grillhendl.

Die sinnliche Glocke, die jede regionale oder nationale Küche sozusagen ausdampft, ist für uns Europäer bei den Kochgepflogenheiten des Fernen Ostens besonders intensiv wahrnehmbar. Und dort hat die Sichuan-Küche, eine der großen Regionalküchen Chinas, ihren sehr eigenen, unverwechselbaren Geschmack, was sich in einem Lokal am Hohenzollernplatz in Schwabing markant studieren lässt. Die "Sichuan Küche" ist ein Ort kerniger Verköstigung, pflegt nichts Zeremonienhaftes, Verkünsteltes und fällt durch den Zuspruch sehr vieler Chinesen unter den Gästen auf, ein Hinweis auf Authentizität.

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Der schlichte Ort, an dem diverse andere Gastronomen trotz bester Lauflage gescheitert sind, ist entsprechend gut besucht. Ignoriert man das Gefuchtel eines Bataillons rotgoldener Winkekatzen in dem kargen Raum - den einzigen Firlefanz in diesem Hause - geht's gut gewürzt los, zumeist umflort von einem spezifischen Grundgeschmack, dem Sichuanpfeffer. Sichuanpfeffer, auch Anispfeffer, ist trotz des Namens kein Verwandter unserer gewohnten Pfeffersorten. Er untermalt, selbst kaum scharf, dennoch pikant und markant Fleisch und Fisch, Suppen und Vegetarisches. Sichuanpfeffer ist der Bekömmlichkeit äußerst förderlich. Er wirkt - vergleichbar mit Hopfen - leicht dämpfend auf die Geschmacksnerven, demzufolge die Sichuan-Küche zum Ausgleich sehr beherzt mit all dem anderen Gewürz hantiert, besonders mit der stets delikat bemessenen, auf Wunsch aber weit variablen, sichuantypischen Schärfe diverser Schoten.

Eröffnen wir mit der sauer-scharfen Reisnudelsuppe nach Chongqing-Art mit Rind (7,80 Euro), dem beinahe einzigen Gericht, mit dem wir Probleme hatten: Die Glasnudeln, dick und zäh, erweisen sich als beinahe unzerstörbar und auch für geübte Stäbchenesser kaum zu handhaben. Das Drumherum mundete. Dabei ist festzuhalten, dass alle Suppen hier die Mengenqualität von Hauptspeisen haben. Über die Wantan-Nudelsuppe und die Wantan-Suppe Sichuan (jeweils 7,80) arbeiteten wir uns an das grandiose Talent der Küche heran, die so beliebten Teigtaschen zuzubereiten. Dim Sum mit Garnelen und Dim Sum mit Schwein (jeweils 5,80) krönten diese verführerische Kunst.

Die Gurken mit Knoblauch und Chili (5,80) genossen wir als Vor- oder Zuspeise. Dass "knusprig gebratene Kartoffelscheiben mit buntem Pfeffer und scharfen Chilischoten" (13,80) als vegetarisches Hauptgericht ausgegeben werden, ist irreführend: ein Berg ganz frischer scharfer Chips, für Liebhaber gleichwohl paradiesisch. Wie fein die gebratenen breiten Bohnen und das gebratene Saisongemüse (je 12,80)!

Der frittierte ganze Wolfsbarsch auf frischem, mildem Kraut (18,80) überraschte durch seine durch und durch krosse Beschaffenheit. Die geschmorte Lammhaxe mit Kreuzkümmel (19,80) erwies sich als betörend saftig, butterzart das in Koriander gebratene Lammfleisch (18,80). Einiges zu kauen hatten wir an dem gleichwohl köstlichen Schweinedarm mit Gemüse (16,80). Igitt-Reaktionen der Teutonen auf dieses und diverse andere Innereiengerichte sind gänzlich unangebracht. Die Schweineleber mit Gemüse und reichlich Zwiebeln (13,80) ließ uns schmelzen. Bei der Ente im Wok "mit Konjac" in ihrem harmonischen Pilz-Gemüse-Rahmen (28,00) wurden wir gefragt, ob der Vogel mit oder ohne Knochen kommen solle. In China wird alles Geflügel mit Knochen serviert, bleibt so saftiger und delikater, wird hier für bequeme Europäer ausgelöst, "damit Sie es leichter haben". Mit Süßem danach hält man sich hier nicht weiter auf.

Sich an den europäischen Kanon eines Menüs halten zu wollen, ist hier sinnlos. Am besten, man bestellt sich zu mehreren alles, was man will, gemeinsam, jeder am Tisch verschiedenerlei, und schon hat man eine beinahe chinesische Tafel vor sich, die ja ursprünglich mit vielen kleineren Gerichten bestückt ist. Irgendwie ist die Karte mit ihren Kategorien verwirrend, pflegt eine etwas krause Benennung mancher Gerichte und gibt deren wahren Namen nur denen preis, die des Chinesischen kundig sind. Und von der bunten Bebilderung sollte sich niemand abschrecken lassen.

Bei der Sichuan Küche handelt es sich um eine resolut geführte, ihre Gäste reichlich und deftig verköstigende Lokalität, in der man von 6 bis 20 Euro einen breiten Reigen aus Sichuans Töpfen kosten kann; Zwei-Personen-Speisen zu 28 bis 38 Euro. Wen das robuste Regime, in diesem Hause, aus dem man auch mal beherzt für die Mittagspause hinauskomplimentiert werden kann, nicht weiter geniert, der ist hier an bester Stelle ungespreizten, deftigen Mahlzeitens.

Adresse: Hohenzollernplatz 4 | 80796 München | Telefon: 089/89063627 | Mittwoch bis Montag 11.30 Uhr bis 15 Uhr und 17.30 bis 22.30 Uhr | sichuankueche@hotmail.com