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Schwabing:Jennerwein-Fans fürchten um ihre Traditionskneipe

Kneipe München

Das "Jennerwein" in der Clemensstrasse.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bernhard Steinweg hört nach 20 Jahren als Betreiber des Jennerwein auf. Stammgäste sorgen sich, dass der Ort zur hippen Szenelocation wird.

Von Franz Kotteder

Das Jennerwein in der Clemensstraße, Ecke Belgradstraße, hat derzeit geschlossen, aber es ist noch immer ein Refugium für das etwas andere Schwabinger Publikum. Genaugenommen ist es mit seinen 46 Quadratmetern seit mittlerweile 58 Jahren eine Kultkneipe. Henry Heppel und Wolfgang Ettlich haben hier angefangen, bevor sie ihr legendäres Lokal Heppel & Ettlich in der Kaiserstraße aufmachten, ein Student namens Christian Ude zählte damals mit anderen Schwabinger Jusos zu den Stammgästen.

Es folgten dann andere Wirte, das Jennerwein aber blieb immer eine Kneipe, in der es viel Bier zu trinken gab und Rockmusik lief, niemals aber Mainstream oder Pop, sondern eher die härteren Sachen. An der Wand war ein lebensgroßes Foto von Senta Berger, und von der Decke hing ein Leuchter aus Hirschgeweih. Das war man dem Namensgeber, einem legendären bayerischen Wildschützen, einfach schuldig.

Bernhard Steinweg, 2011

Bernhard Steinweg, Noch-Betreiber der Kneipe "Jennerwein".

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Jetzt herrscht in der Jennerwein-Community helle Aufregung. Denn der Kultkneipe droht der Tod, heißt es, sie werde gewissermaßen hinterrücks erschossen, so wie einst der Namensgeber. Der bisherige Wirt Bernhard Steinweg hört nach 20 Jahren aus familiären Gründen auf, er betreibt ja auch noch das Lokal Santo Anger an der Blumenstraße. Deshalb hat er zum 30. September gekündigt, und die Löwenbrauerei ist jetzt auf der Suche nach einem neuen Pächter für die Traditionskneipe.

Da fällt immer wieder der Name Thomas Welcker. Der ist ein recht rühriger Szene-Gastronom, der mit mehreren Geschäftspartnern verschiedene Lokale und Restaurants betrieb und betreibt, von der 089-Bar und dem Call Me Drella bis zum Pop-up-Biergarten Maxgarten in der Max-Emanuel-Brauerei. Im Enter The Dragon der vietnamesischen Gastronomenfamilie Nguyen am Lenbachplatz ist er obendrein Prokurist.

Diese Vielfalt nährt natürlich die Gerüchte, dass aus dem Jennerwein nun eine allzu hippe Szenekneipe werden könnte. Welcker aber beteuert, dass er alles andere als das vorhabe, wenn er von der Brauerei den Zuschlag bekommen sollte. "Wir wollen den Jennerwein ein wenig aufhübschen, mit neuem Anstrich und so", sagt er, "aber ansonsten soll er so bleiben, wie er ist. Auch die Senta Berger bleibt natürlich da." Er sei selbst ein alter Schwabinger, aufgewachsen am Kaiserplatz, und kenne das Jennerwein seit seiner Jugend. Zusammen mit seinen Partnern wolle er die Kultkneipe nicht verändern, "sondern im Gegenteil wieder zu dem Klassiker machen, die sie mal war. Es soll wieder eine Kneipe von Schwabingern für Schwabinger werden."

Noch ist aber nichts entschieden, sagt Bernhard Klier, Vorstand der Löwenbrauerei. Man habe erstaunlich viele Anfragen bekommen auf die Pachtausschreibung, sagt er, "es waren sicher mehr als zehn Bewerber, die sich für das Jennerwein interessierten". Kommende Woche werde die Entscheidung wohl fallen. Man kann seinen Worten entnehmen, dass Welcker durchaus Chancen hat, bei der Max-Emanuel-Brauerei, die auch zu Löwenbräu gehört, ist man mit ihm recht zufrieden. Eins aber sei klar, sagt Klier: "Uns wäre es auch am liebsten, wenn das Jennerwein eine Kultkneipe bleiben würde, so wie sie es ist und immer schon war."

© SZ vom 04.09.2020/kafe
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