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Wirtshauswiesn:Heimatrausch und ein Comeback

Kaiserschmarrn gibt's jetzt auch mit Keksen und Likör.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Oktoberfest wird zwar am 19. September nicht eröffnet - aber es wird wohl eine Riesenanzapferei quer durch die ganze Stadt geben

Von Franz Kotteder

Ziemlich genau vier Wochen wären es jetzt noch gewesen, dann hätte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wieder die berühmten zwei Worte rufen können. Statt "Ozapft is!" genügt in diesem Jahr ein einziges Wort: Corona. Das sagt alles. Aber die Sehnsucht nach Volksfest und Wiesn bleibt. Jedenfalls bei den Oktoberfestfans. Und natürlich auch bei den Wiesnwirten. Einer von ihnen, Magnus Müller-Rischart, Chef der Münchner Bäckerei- und Konditorei-Kette Rischart, lässt sein oktoberfestliches Zuckerbäckerschloss Café Kaiserschmarrn nun an ungewohntem Ort ein bisschen aufleben - in seinem Café beim Alten Peter am Viktualienmarkt. "Wenigstens ein kleines bisschen Wiesnfeeling" wolle er seinen Gästen vermitteln, sagte er bei der offiziellen Eröffnung am Donnerstag. Und weil im Wiesnzelt jedes Jahr eine neue Abwandlung des klassischen Kaiserschmarrns auf der Karte steht, gibt es auch heuer wieder eine aufgemotzte Variante. "Heimatrauschen" nennt er sich, und er wird, nun ja: veredelt durch Oreo-Kekse und den Sahnelikör Baileys. Natürlich gibt es auch die ganz traditionellen Erscheinungsformen, mit Zwetschgen- oder Marillenröster und Apfelmus, aber auch mit Eierlikör und karamellisierten Walnüssen. Etwas Wiesndeko wurde behutsam integriert, und erstmals wird es im Exil-Café Kaiserschmarrn etwas geben, was es in dem auf dem Oktoberfest noch nie gegeben hat: Wiesnbier, das demnächst auf den Markt kommt (bis 3. Oktober, Viktualienmarkt 2, Mo.-Sa. 9-19 Uhr, So. 10-18 Uhr, Telefon 23 17 00 33 30).

Der Höhepunkt aller Wiesnveranstaltungen wird in diesem Jahr ziemlich sicher am 19. September Punkt zwölf Uhr sein. Da wäre nämlich normalerweise angezapft worden, in allen 16 großen Bierzelten. In diesem Jahr wird es wohl eine Riesenanzapferei quer durch die ganze Stadt geben. Gut 50 Wirtschaften beteiligen sich ja schon an der Aktion "Wirtshauswiesn". Natürlich gibt's dazu auch jede Menge Programm. Im Biergarten Hirschau im Englischen Garten bestreiten zum Beispiel die Damischen Ritter das Anzapfritual und verleihen dabei gleich der Kabarettistin Luise Kinseher ihren Bierorden (Hirschau, Gyslingstraße 15, Telefon 36 09 04 90). Auch die kleine Wirtshausbrauerei Schiller Bräu im Bahnhofsviertel punktet mit einem einschlägig bekannten prominenten Gast. Bei ihr zapft am ersten Wiesnsamstag einer an, der schon sehr oft bewiesen hat, dass er das Handwerk versteht: der ehemalige Oberbürgermeister Christian Ude (Schiller Bräu, Schillerstraße 23, Telefon 890 58 48 22).

© SZ vom 21.08.2020

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