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Freizeit in München:München, Karibik, New York in zwei Stunden

Alles täuschend echt: Der Aerotask-Flugsimulator samt nachgebautem A320-Cockpit, auf den Scheiben eine projizierte Landebahn.

(Foto: Robert Haas)

In Obersendling steht ein A320-Flugsimulator, mit dem auch Laien abheben können. 24 000 Ziele auf der ganzen Welt stehen zur Wahl.

Von Ramona Dinauer

In der Ferne ist die Landebahn des Münchner Flughafens zu erkennen. Doch nicht durch ein kleines Guckloch mit Plastikblende. Nein, bei diesem Sinkflug Richtung Heimat zeigt sich die Landschaft in voller Breite - durch die Frontscheibe des Flugzeugs. Den Landeanflug aus dem Cockpit eines Airbus A320 bekommen normalerweise nur Piloten zu sehen, gelegentlich die Flugbegleitung. Doch in diesem Cockpit darf man nicht nur zusehen, sondern selbst fliegen. Auch, wenn der Flugsimulator der Firma Aerotask auf dem Boden bleibt.

Hinter den Türen eines Gebäudes in Obersendling hat Aerotask den siebten Airbus A320-Flugsimulator in Deutschland aufgebaut. Seit Juni kann darin ohne Vorkenntnisse geflogen werden. In einem vermeintlichen Büroraum liegt der Nachbau des Flugzeugs. Außer dem Cockpit simuliert ein Teil der Kabine sowie eine von einer Wolkentapete angeschnittene Tragfläche das Flugzeug-Gefühl. Über eine kleine Treppe gelangt der Test-Pilot in den Airbus. Vorbei an Original-Sitzreihen samt Gepäckfächern führen Leuchtstreifen ins Cockpit. Eine Tür mit Sicherheitscode steht nicht dazwischen.

"Als Passagier einfach so während des Fluges den Einblick in ein Cockpit zu bekommen, geht heutzutage nicht mehr," erklärt Pilot Julian Arzberger. Nur am Boden zeigt er Kindern gelegentlich das Cockpit. Arzberger ist einer der Piloten, die die Besucher am Münchner Flugsimulator einweisen. Ein echtes Flugzeug ist der Lufthansa-Pilot seit Monaten nicht mehr geflogen. Die durch Kurzarbeit gewonnene freie Zeit nutzt Arzberger, um seine Begeisterung fürs Fliegen weiterzugeben. "Im Simulator ist fast alles eins zu eins so wie im echten Airbus A320, alle Schalter gibt es auch hier," sagt der 28-Jährige, "nur statt Kunststoff sind unsere Sitze mit Fell bezogen."

Auf eine Leinwand rund um das Cockpit kann Arzberger beinahe jede Wetterlage und jeden Ort projizieren lassen. Das Rauschen der Triebwerke schallt aus Lautsprechern in der Kabine. Sie gehört zu dem sogenannten Fixed Base Flugsimulator, das heißt der falsche Flieger bewegt sich nicht. Trotzdem sei das Flugerlebnis so realitätsnah, dass so manchem Gast schon schlecht geworden sei, berichtet Arzberger.

Ein flaues Gefühl im Magen hatte auch Matthias Emde bei seinem ersten Flug. Gemeinsam mit seinem Freund Moritz Kleemann hat er sich akribisch auf die zwei Stunden im Flugsimulator vorbereitet. Kleemann bringt sich seit Jahren selbst das Steuern eines Flugzeuges bei. In Youtube-Videos hat der 32-Jährige jeden Knopf im Cockpit kennengelernt. Zuletzt hat er die Schaltflächen des A320 studiert. Im Flugsimulator von Aerotask hat Rollstuhlfahrer Kleemann erstmals die Möglichkeit, selbst zu schalten. Wo Kleemann von München aus hinfliegen wollte, wusste er bereits. Auf die Karibikinsel St. Martin. Direkt hinter dem Strand setzten dort die Flieger auf der Landebahn auf. Zur digitalen Auswahl stehen aber alle der weltweit 24 000 Flughäfen.

Wie es die einweisenden Piloten auch untereinander im Flugsimulator gerne machen, bekommen Emde und Kleemann Fehler eingebaut. Ausfallende Triebwerke oder dichter Nebel lassen sich simulieren. "Wir haben schnell gemerkt, dass man einen echten Airbus nicht nur anhand von Youtube-Videos fliegen kann," sagt Emde, der einen Sportpilotenschein besitzt. Von St. Martin flogen die Freunde weiter nach New York. Das Erlebnis ließen sich die beiden auf Video aufzeichnen. "Wir sind sehr feinfühlige Menschen und das Fliegen ist gewissermaßen die Entsprechung davon," sagt Emde, "psychisch wie physisch konnten wir beim Fliegen loslassen. Auch, wenn das Cockpit nachgebaut und der Flug simuliert ist."

© SZ vom 13.07.2020/vewo

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