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Zuzug:Ohne Niederbayern wäre München ein kulturloses, ödes, mieses Nest

Ein Landstrich mit großer Bedeutung für München: Aus Niederbayern stammt so manch prägende Persönlichkeit.

(Foto: Sebastian Beck)

Man sagt es nicht gerne als Bio-Münchner, aber es ist so. Trifft man in der Stadt kluge Leute, stellt sich bei ihnen oft eine Gemeinsamkeit heraus.

Neulich beim Spontanbier in einer Giesinger Kneipe saß da so ein Typ am Tresen, der in einer Sprache redete, die ihn unverkennbar als Bayerwäldler auswies. Das Gespräch ging, wie in Giesing üblich, anfangs über 1860 und mündete nahtlos in eine Erörterung der Kant'schen Transzendentalphilosophie, woran sich die Frage anschloss, wie prägend Nietzsches Denken für das Werk Thomas Manns war, und nach etwa neun Weißbier erklärte der Waldmensch einleuchtend die metaphysischen Komponenten der zeitgenössischen tibetischen Lyrik.

Es war niederschmetternd, was der Bayerwäldler alles wusste, und das alles erläuterte er in einem Ton, der so rau war wie der böhmische Wind und dennoch angenehm unaufdringlich klang, anders als das auftrumpfende Mia-san-Mia-Fortissimo der Oberbayern. Die Vermutung lag nahe, es handle sich um einen weisen Einsiedler, der in einer verlassenen Bärenhöhle am Arber ein kontemplatives Leben führt. Tatsächlich lebt er in einer Münchner Mietwohnung im Exil.

Man sagt es nicht gerne als Bio-Münchner, aber es ist so: Trifft man in der Stadt kluge Leute, dann stellt sich oft heraus, dass sie einen niederbayerischen Migrationshintergrund haben. Münchens Kabarettbühnen wären so gut wie leer ohne Niederbayern wie Sigi Zimmerschied (Passau), Django Asül (Hengersberg), Luise Kinseher (Geiselhöring) oder Bruno Jonas (Passau). Und wem verdankt München die Stuck-Villa, das sonderbare Gebäude, das die städtischen Feinschmecker passieren, wenn sie vom Dallmayr zum Feinkost Käfer fahren? Natürlich einem Niederbayern, dem Maler Franz von Stuck aus Tettenweis.

Auch die Fraunhoferstraße wäre noch heute ein namenloser Radlweg, hätte nicht der Straubinger Optiker Joseph Fraunhofer in München Fernrohre erfunden, die die Ofenrohre ablösten, mit denen die Münchner bis dahin ins Gebirge schauten. Längst pfeifen es die Spatzen vom Arber: Ohne Niederbayern wäre München ein kulturloses, ödes, mieses Nest. Richtig, auch ein paar Oberpfälzer haben sich um die Stadt verdient gemacht. Den Münchnern selbst ist hingegen nichts Bedeutendes gelungen.

© SZ vom 11.02.2020/mmo
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