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Standort München:Googles Toiletten haben ein Programmierproblem

Google baut Standort München massiv aus

Google betreibt in München ein Entwicklungszentrum und will den Standort demnächst weiter ausbauen.

(Foto: Marc Müller/dpa)

Der Internetkonzern ist wirklich mächtig, am Standort im Arnulfpark plagt die Mitarbeiter aber ein recht triviales Problem - mit dem WC-Wasser.

Ohne blasphemisch sein zu wollen: Die Firma Google ist der Allmächtige unserer Tage. Sie weiß alles, sie kann alles, sie beherrscht alles - und als Normalsterblicher glaubt man an sie und ihre Suchergebnisse. Doch zugleich verzweifelt man regelmäßig an ihr und ihren Ratschlüssen, sprich: an ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Aber auch Google kann nichts ausrichten gegen den mächtigsten unter den heimlichen Herrschern: den Hausmeister. Der natürlich Senior Facility Operating Manager oder etwas in dieser Art ist und tatsächlich längst nicht mehr so sehr mit Rasenmähen und Heckenschneiden beschäftigt ist, sondern die komplexe Technik im Bürohaus am Laufen hält.

Das Problem am Standort München ist: Dort läuft zurzeit nichts. Oder jedenfalls viel zu wenig. Weil es nämlich zuletzt viel zu unregelmäßig geregnet hat. Und wenn Google sich grundsätzlich auch selbst keine Grenzen setzt: Zur Profession des Regengottes fehlt ihr offenbar das Händchen beziehungsweise hat noch kein Angestellter einen tauglichen Algorithmus programmiert.

Und so sitzen die hochbezahlten Mitarbeiter derzeit häufig auf dem Trockenen und leiden an der Rat- und Hilflosigkeit der Haustechniker, die das Problem nicht in den Griff bekommen - welches für die Angestellten durchaus entwürdigende Folgen mit sich bringt. Dabei war alles so gut gemeint. Das Gebäude im Arnulfpark, in das Google sich eingemietet hat, an der Einfahrtsschneise der Züge in den Münchner Hauptbahnhof gelegen, ist ein Neubau. Der soll im Kleinen so sein, wie es der Mieter im Weltmaßstab ist: progressiv und darauf bauend, mittels technischer Lösungen die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

In diesem Fall bedeutet das, dass die Münchner Google-Toiletten mit Regenwasser gespült werden. Und nur, wenn dieses aufgebraucht ist, auf Frischwasser zurückgegriffen wird. Geregelt wird der Zufluss theoretisch automatisch - nur versagt die Technik. Und so kommt es, wenn es schon nicht ums Kerngeschäft, so aber doch um dringende kleine und große Geschäfte geht, zu einem analogen Notbehelf im Nabel der Digitalisierung: Münchner Google-Mitarbeiter nehmen derzeit häufig einen gefüllten Eimer Wasser mit auf die Toilette und erledigen eigenhändig, was eigentlich längst an eine künstliche Viertelintelligenz delegiert ist. Weil es den Mitarbeitern an ihrem Arbeitsplatz an wenig Annehmlichkeiten fehlt, bekommt natürlich jeder seinen persönlichen Eimer zum Nachschwappen. Er sei ihnen vergönnt. Schon weil die Geschichte tröstlich ist für einen selbst, der die eigene Wohnung nach wie vor nicht zum Smart Home umgerüstet hat.

© SZ vom 01.02.2020/pvn
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