Neue MVV-Preise für Fahrscheine:Tickets für 18,60 Euro? Zumutung!

MVV-Automat, U-Bahn am Marienplatz

Ist das eine Verschwörung? Der MVV-Automat ist ja blau. Und die Wand auch!

(Foto: Florian Peljak)

Die Tickets im Münchner Nahverkehr werden teurer - für manche Fans des FC Bayern ist das ein Dilemma. Es geht um einen Preis, den sie nicht zahlen wollen. Aus Prinzip. Aus ideellen Gründen. Weil halt.

Glosse von Joachim Mölter

Egal, ob man abstrakt in Prozenten rechnet oder anschaulich mit Münzen, mit Zehnerl, Zwanzgerl, Fuchzgerl, ganzen Euro: Die vom Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) angekündigte Fahrpreiserhöhung ärgert die Leute. Allem Anschein nach regt sie besonders eine Zahl auf, und das ist nicht die 3,7 - der Prozentsatz, um den die Tickets im Durchschnitt teurer werden.

Es geht vielmehr um den Preis, der künftig aufgerufen wird für zwei häufig genutzte Wochenkarten - die für die Zone M, also das ganze Stadtgebiet, beziehungsweise die für zwei beliebige Zonen außerhalb. Diesen Preis erhöht die MVV von aktuell 17,80 Euro auf eine Summe, die nicht genannt werden darf. Zumindest nicht, wenn man Anhänger des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern ist, von denen es in der Stadt sehr viele gibt. Bei ihnen weckt die Zahl, um die's geht, so schreckliche Assoziationen wie der Name des Gegenspielers von Harry Potter in der gleichnamigen Roman-Reihe. Sie wissen schon wer: Der, dessen Name nicht genannt werden darf. Er heißt nicht Lord Waldemar, aber so ähnlich.

Die Zahl in der neuen MVV-Tarifliste hat jedenfalls zu tun mit dem Gründungsjahr eines Erzrivalen des FC Bayern, mit dem er lange und erbittert um die fußballerische Vorherrschaft in der Stadt gekämpft hat. Zumindest früher, jetzt ja nicht mehr so. Der Verein, um den es sich dabei handelt, heißt nicht SV 1880 München, aber so ähnlich.

Wie die tz herausgefunden hat, sind die FC-Bayern-Fans nicht bereit, den neuen Preis zu zahlen. Aus Prinzip. Aus ideellen Gründen. Weil halt. "Das sagt man einfach nicht", sagt einer, der das Gründungsjahr nicht nennen will und mithin auch nicht den geforderten Betrag. Ein anderer sagt, er bezahle in solchen Fällen lieber einen anderen Betrag, 19,00 Euro zum Beispiel. Das hat mit dem Gründungsjahr des FC Bayern zu tun. Wieder ein anderer vermutet, als Bayern-Fan werde man künftig lieber eine Zone mehr kaufen - oder aber gar kein Ticket mehr.

Da hat der MVV einen schönen Schlamassel angerichtet mit seiner Fahrpreisgestaltung. Ein bedeutender Teil der Bevölkerung, der nicht dem Verein anhängt, der so ähnlich heißt wie der SV 1880, steckt nun in einem Dilemma: wegen einer Zahl, die nicht gesagt, und einer Summe, die nicht bezahlt werden darf.

© SZ/infu
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