Verbesserungen im Fahrplan:U-Bahnen sollen auch nachts fahren

U-Bahn in München, 2009

Länger zusteigen, bitte: Die U-Bahnen sollen künftig am Wochenende auch nachts fahren, an den Wochentagen sei das wegen der notwendigen Wartungsarbeiten nicht möglich, sagt die MVG.

(Foto: Robert Haas)

Von 2023 an könnten die Züge zumindest am Wochenende durchgehend im 30-Minuten-Takt durch den Untergrund rollen. Die Kosten dürften bei etwa zwei Millionen Euro pro Jahr liegen.

Von Andreas Schubert

Nach der Party mit der U-Bahn heimfahren, egal, wie spät es ist: Ein lange gehegter Wunsch nachtaktiver Münchner soll von 2023 an zumindest am Wochenende wahr werden. Künftig sollen die Züge nachts alle 30 Minuten durch den Untergrund rollen. Das hat der Feriensenat des Stadtrats auf Antrag der CSU am Mittwoch einstimmig beschlossen.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) wird nun ein Konzept für das zusätzliche Angebot erstellen. Dass ein nächtlicher Fahrplan nur freitags bis sonntags möglich ist, liegt laut MVG-Chef Ingo Wortmann daran, dass die Nachtzeiten dringend für Wartungsarbeiten im U-Bahn-Netz gebraucht werden. Die Idee ist nicht neu, weshalb die MVG früher bereits ausgerechnet hat, was das Ganze kosten würde. Sie kam auf zwei Millionen Euro pro Jahr. Die Kosten, so Wortmann, müsse man aber natürlich nun neu berechnen. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl erklärte, der Nachtbetrieb sei ein "Meilenstein in der Verkehrspolitik". Die CSU wünsche sich aber, dass das Modell mittelfristig auf alle Wochentage ausgedehnt werde.

Ob die Stadtwerketochter MVG respektive die Stadt selbst sich das neue Angebot leisten können, wird sich zeigen. Pretzl jedenfalls geht davon aus, dass bis 2023 die Corona-Krise überwunden sein wird. Die hat bekanntlich tiefe Löcher sowohl in den städtischen Haushalt als auch in die Kassen der MVG gerissen, die im Falle des öffentlichen Nahverkehrs nur zum Teil durch finanzielle Hilfe von Bund und Freistaat ausgeglichen wurden. Bis heute haben die Fahrgastzahlen noch nicht das Niveau vor der Pandemie erreicht, da viele ehemalige Fahrgäste ihr Mobilitätsverhalten geändert haben und aufs Rad und Auto umgestiegen sind. Dies ist auch der Grund, warum die MVG für den in diesem Dezember anstehenden Fahrplanwechsel nur wenige Verbesserungen anbieten kann.

Solche gibt es immerhin bei den Bussen, manches kommt sogar schon vor dem Fahrplanwechsel. So wird der Metrobus 57 aufgrund steigender Schülerzahlen mit Beginn des kommenden Schuljahrs morgens und mittags im Fünf-Minuten-Takt zum Bildungscampus Freiham fahren, auf der Linie soll ein zusätzlicher Bus-Zug zum Einsatz kommen. Der Stadtbus 157 wird nach Germering verlängert, zwischen Olching und Freiham Bahnhof kommt die neue Regionalbus-Linie 860 und der Takt des Metrobusses 60 wird wegen des Schülerverkehrs zeitweise auf fünf Minuten verdichtet. Gleichzeitig sind auf einigen Linien dünnere Takte vorgesehen.

Bei der Trambahn sind vorerst keine Verdichtungen geplant. Ebenso wollte es die MVG mit der U-Bahn halten. Doch nach zwei Änderungsanträgen von CSU und SPD/Grüne sollen nun doch sobald wie möglich die bereits 2019 vom Stadtrat beschlossenen Taktverdichtungen kommen, finanziert durch die Stadt. Die U 2 soll ganztags zwischen Feldmoching und Harthof im Fünf-Minuten-Takt fahren, die U 4 zusätzlich zur U 5 im Zehn-Minuten-Takt zwischen Theresienwiese und Westendstraße. Laut Wortmann dürften die Maßnahmen auf der U 5 mehr als eine Million pro Jahr kosten, die auf der U 4 knapp 400 000 Euro. Die Maßnahme auf der U 2 im Norden wird jährlich 940 000 Euro kosten.

Auch bei der Anbindung des neuen Interimsstandorts für den Gasteig in Sendling, dem sogenannten HP 8, wird sich etwas verbessern. So wird es einen Shuttlebus zum Parkplatz an der Großmarkthalle und zur U-Bahnstation an der Implerstraße geben, da so auch die U 6 angebunden ist. Die U 3 hält ohnehin an der Brudermühlstraße, die dortige U-Bahnstation ist etwa fünf Minuten zu Fuß vom Interims-Gasteig entfernt. Die Kosten für den Shuttlebus liegen bei einer Million und sollen vom Gasteig übernommen werden. Für Nikolaus Gradl, den verkehrspolitischen Sprecher der SPD/Volt-Fraktion, steht fest, dass die Ausweitung des Angebots trotz der Verluste der MVG nötig ist. "Wir arbeiten weiter daran, den öffentlichen Nahverkehr so attraktiv zu machen, dass die Menschen gerne auf Bus, Tram und U-Bahn umsteigen", sagt er.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mahnte allerdings in der Sitzung an, dass die Kosten, welche die Änderungsanträge nach sich ziehen, durch den aktuellen Haushalt nicht gedeckt seien. Nun sei erst einmal zu klären, ob Geld vorhanden sei oder ob es einen neuen Haushaltsbeschluss brauche. "Mal schauen, was der Kämmerer dazu sagt."

© SZ vom 09.09.2021/syn
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