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Wohnen:Schiwy sorgt sich um die Münchner Mieter

Dorothee Schiwy, 2019

"Unser größtes Ziel ist, Räumungen zu verhindern", sagt Sozialreferentin Dorothee Schiwy.

(Foto: Florian Peljak)

Wer wegen Corona nicht zahlen kann, dem droht bald eine Kündigung. Die Sozialreferentin appelliert an Vermieter und bietet Hilfe an

Von Sven Loerzer

Die Zeit ist knapp: Wer seine Miete für Juli und dann auch für August nicht bezahlen kann, weil ihm wegen der Corona-Pandemie ausreichende Einkünfte fehlen, muss postwendend mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Denn dann ist er mit zwei Monatsmieten im Rückstand. Die gesetzliche Ausnahmeregelung, die für die Monate April bis einschließlich Juni zur Abmilderung der Corona-Pandemie-Auswirkungen galt und die Kündigung bei Nachweis Corona-bedingter Einkommensausfälle ausschloss, ist nicht verlängert worden. Mietrückstände, die in diesen drei Monaten aufgelaufen sind, müssen bis Ende Juni 2022 beglichen werden.

Doch für Mietrückstände, die von Juli dieses Jahres an entstehen, gilt die Ausnahmeregelung nicht mehr. Trotz dringender Appelle von OB Dieter Reiter (SPD), die Regelung zumindest bis zum 30. September zu verlängern, sei es darüber in der Berliner Koalition zu keiner Einigung gekommen, klagt Sozialreferentin Dorothee Schiwy. Nach Schätzungen des Mietervereins könnten zwischen 300 000 und 400 000 Mietverhältnisse von Zahlungsschwierigkeiten infolge von Einkommensausfällen wegen Corona bedroht sein. Angesichts der hohen Zahl von Menschen, die in Kurzarbeit oder arbeitslos sind, geht Schiwy davon aus, dass viele Münchner schon bald ihre Miete nicht mehr bezahlen können, weil ihre Rücklagen aufgebraucht sind.

Nun gelte es, schnell Hilfe zu suchen. "Ich appelliere dringend an alle, die ihre Miete im Moment nicht selbst tragen können, sich so früh wie möglich beraten zu lassen", sagte Schiwy. Sie rechnet damit, dass durch Kurzarbeit und Jobverlust viele Menschen Hilfe benötigen, die bislang noch nie auf Unterstützungsangebote angewiesen waren und deshalb gar nicht wissen, wie und wo sie Hilfe erhalten können. Schiwy riet dazu, bei Problemen rasch den Kontakt zum Vermieter zu suchen, um eine Lösung zu finden, wie etwa eine schriftlich vereinbarte Ratenzahlung. An die Vermieter appellierte Schiwy, Entgegenkommen zu zeigen, warb aber gleichzeitig um Verständnis dafür, dass einzelne Vermieter durch Mietausfälle selbst in Schwierigkeiten bei der Wohnungsfinanzierung geraten könnten.

Ist eine Einigung nicht möglich, sollten sich Mieter an die Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit im örtlich zuständigen Sozialbürgerhaus wenden. "Jeder Tag zählt", sagte Schiwy. "Unser größtes Ziel ist, Räumungen zu verhindern - sonst bleibt nur noch eine Notunterkunft. Außerdem kommt eine Räumung sehr, sehr teuer." Auf diese Weise könne selbst ein kleiner Mietrückstand eine große Belastung nach sich ziehen.

Durch den Einsatz der Fachstelle konnten im Jahr 2018 insgesamt 2271 Mietverhältnisse erhalten werden, 666 davon mit finanzieller Unterstützung. Die Fachstelle kann Mietrückstände übernehmen, wenn danach die dauerhafte Zahlung der Miete gesichert ist, etwa durch Hartz-IV-Leistungen oder Wohngeld, sagt Karin Opel vom Wohnungsamt. Das gelingt bei sehr hohen Mieten freilich nicht immer: "Es gibt auch Fälle, wo sich ein Haushalt umsehen muss, seine laufenden Kosten zu reduzieren."

Unter www.muenchen.de/corona und beim städtischen Servicetelefon 233-96833 gibt es Informationen über Hilfs- und Unterstützungsangebote.

© SZ vom 09.07.2020
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