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Mieten in München:Sicher wohnen, aber wie?

Mieterprotest in München, 2020

In der Corona-Krise gestaltet es sich für viele Münchner schwierig, ihre Mieten weiterhin zu bezahlen. Der Mieterverein liefert nun Lösungsansätze.

(Foto: Robert Haas)

Der Mieterverein befürchtet, dass bis zu 400 000 Münchner "ein schlimmeres Problem" bekommen könnten, wenn sich die Wirtschaft nicht schnell genug von der Corona-Krise erholt.

Von Sebastian Krass

Wie viele Menschen können sich wegen der Corona-Krise ihre Miete nicht mehr leisten, ob für ihre Wohnung oder ihr Geschäft? Es ist eine Frage, auf die es keine Antwort gibt, weil niemand zentral Zahlen erhebt und die einzelnen Fälle zudem sehr unterschiedlich sind. Aber eine kleine Umfrage beim Mieterverein, dem Haus- und Grundbesitzerverein (kurz: Haus und Grund) und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag liefert zumindest ein paar Hinweise.

"Wir bekommen seit Beginn der Coronakrise sehr viele Anfragen von Mitgliedern, die sich Sorgen machen, weil sie - etwa wegen Kurzarbeit oder ausbleibender Aufträge als Freiberufler - ihre Mieten nicht mehr bezahlen können", sagt Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins München. Problematisch sei insbesondere, dass Mieter zwar ihre Mieten bis Ende Juni nicht oder nur teilweise bezahlen können, ohne eine Kündigung befürchten zu müssen, aber dass sie bis Ende Juni 2022 nachbezahlen müssen, unter Umständen mit Verzugszinsen. "Die Mietschulden stauen sich also nur an."

Deshalb fordert der Mieterverein vom Bund einen "Sicher-Wohnen-Fonds", mit dem Mieter ein zinsloses Darlehen bekommen, um laufende Mieten zahlen zu können. Sollten Betroffene die Rückzahlung bis 2022 nicht leisten können, werde das Darlehen in einen Zuschuss umgewandelt. Rastätter geht davon aus, dass das Problem nicht mit den sinkenden Infektionszahlen verschwinde. Er schätzt, dass 300 000 bis 400 000 Mieter in München "ein schlimmeres Problem bekommen könnten, wenn die Wirtschaft sich nicht schnell erholt". Das seien die Menschen, die mehr als die empfohlenen 30 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete ausgeben müssen - und bei denen sich die Lage durch Kurzarbeit weiter verschärfe.

Bei der Gewofag gibt es derzeit für 1,7 Prozent des Bestandes Anträge auf Mietstundungen. "Im Verhältnis betrifft das stärker gewerbliche Mietverträge", sagt ein Sprecher, die aber bei der Gewofag insgesamt eine untergeordnete Rolle spielen. Das Unternehmen hat 36 000 Wohnungen und 590 Gewerbeeinheiten. "Der Trend ist in den letzten Wochen sinkend im Vergleich zur Spitze Ende März/Anfang April, wenngleich ein Ende der Stundungsanfragen aktuell nicht erkennbar ist." Abwarten müsse man, inwieweit Stundungen auch zu dauerhaften Mietausfällen führen. Dabei werde man stets "die besonderen Umstände der jeweiligen Mietpartei" berücksichtigen. Auch das Thema Verzinsung beschäftigt die Gewofag: Sie sei bei Stundungen "grundsätzlich" vom Gesetz vorgegeben, erklärt der Sprecher, "wir prüfen derzeit, inwieweit auch hier eine kulante Handhabung möglich ist".

Ein hohes Interesse am Thema Stundungen hat auch der Verband Haus und Grund München, der private Vermieter vertritt, festgestellt: Die Download-Zahlen für eine Stundungsvereinbarung seien "sehr hoch, und die Nachfrage lässt nicht nach", sagt der Vorsitzende Rudolf Stürzer. Seit Ende März hätten die Juristinnen und Juristen in seinem Haus mehr als 10 000 Rechtsanfragen gehabt, etwa 30 Prozent davon hätten mit der Corona-Krise zu tun gehabt, berichtet Stürzer. Bei den Zahlen müsse man aber beachten, dass hinter einer Anfrage in der Regel ein Mitglied stecke, "egal, ob es eine Einheit vermietet oder ob es eine Hausverwaltung mit 5000 Wohnungen ist, beides zählt als eine Anfrage".

Auffallend sei, dass es bei den coronabedingten Anfragen meist um Gewerbemieten gehe, normalerweise hingegen seien Wohnungsmieten das Hauptthema bei der Rechtsberatung. Anders als der Mieterverein geht Stürzer bislang davon aus, dass nur ein geringer Teil der Wohnungsmieter in Zahlungsschwierigkeiten kommen wird.

© SZ vom 09.06.2020/kafe
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