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Altstadt/Lehel:Die Wanderbühne kann kommen

Vorreiter in Obergiesing: So ähnlich wie 2019 am Alpenplatz könnte auch die St.-Anna-Straße im Lehel zur verkehrsberuhigten Zone werden.

(Foto: Green City/oh)

Mit knapper Mehrheit schlägt der Bezirksausschuss die St.-Anna-Straße für die Ferienzeit als verkehrsberuhigte Zone vor

Von Julian Raff, Altstadt/Lehel

Mit der Westenriederstraße bekommt die City heuer zwar keine echte "Sommerstraße", sprich saisonale Fußgängerzone, aber eine mit Pflanzkübeln und Mobiliar verkehrsberuhigte Zone. Ähnliches schlägt der örtliche Bezirksausschuss (BA 1) nun auch für die St.-Anna-Straße vor. Auch im Herzen des Lehels, zwischen der Gewürzmühlstraße und der Einfahrt zum St.-Anna-Gymnasium, sollen sich im August und September alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt und entschleunigt begegnen. Allerdings fallen auch hier Pkw-Stellplätze weg, was im Gremium altbekannte Grundsatzdiskussionen aufleben ließ.

Bereits die Rückschau auf einen Ortstermin zur Westenriederstraße hatte gewisse Spannungen aufgezeigt: Einige Gremiumsvertreter fühlten sich durch die coronabedingte Bitte der Verwaltung um ein straffes, schmal besetztes Arbeitstreffen um ihre Mitspracherechte gebracht, darunter Elke Fett (CSU), die hier als Händlersprecherin des Viktualienmarktes natürlich einiges beizusteuern hat. In der Sache zeigt sich der BA einverstanden mit dem Konzept, das vorsieht, die Westenriederstraße im Bereich des Markts, also zwischen Radlsteg und Frauenstraße, für Fußgänger attraktiver zu machen und dafür elf Stellplätze zu streichen.

Eine echte Sommer-Fußgängerzone wäre hier wegen des Lieferverkehrs und der Hotelzufahrten frühestens 2021 möglich. Der Kompromiss einer Verkehrsberuhigung mit Schritttempo für Pkw scheint einer knappen BA-Mehrheit auch fürs Lehel kurzfristig umsetzbar zu sein. Die Vorsitzende Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne) bezeichnet in ihrem Antrag eine Durchfahrt in Nord-Süd-Richtung dabei ausdrücklich als "nicht zwingend nötig", da die Schulzufahrt am Nordende des Bereichs eine Wendemöglichkeit bietet.

Jörg Hoffmann (FDP) wittert daher "Salamitaktik" und warnt vor dem dauerhaften Verlust von etwa 20 Parkplätzen. Er tat dies auch unter sozialen Gesichtspunkten, immerhin sei ein Tiefgaragenplatz im Lehel längst nicht mehr unter 200 Euro Monatsmiete zu haben. Für BA-Vize Wolfgang Püschel (SPD), selbst im Lehel daheim, lösen auch dicke Geldbeutel das Problem nicht, wenn ebenso dicke SUVs die Straßen verstopfen, weil sich ihre Fahrer nicht in die Enge ihrer Tiefgaragen hinunter trauen. Er wolle jedenfalls keine "Entmotorisierung" des Viertels, so Püschel. Das bisherige Parkmanagement hat sich aus seiner Sicht bewährt, da weniger Anwohnerlizenzen vergeben wurden, als Parkplätze existieren. Entsprechend gelassen hätten Anwohner bisher auf die temporäre Streichung von Stellflächen für die Freiluft-Gastronomie reagiert.

Grundsätzlich kritisch äußerten sich hingegen Karin Schnebel und Bernhard Wittek (CSU) für die der Parkplatzverlust in keinem Verhältnis zum Nutzen steht, schließlich würde nur eine komplett gesperrte Straße wirklich den Fußgängern gehören.

Mit acht Grünen- und SPD-Stimmen beschloss der BA das Konzept gegen sechs Stimmen von CSU, FDP und Freien Wählern. Da die Querparkplätze im südwestlichen Bereich bereits zur Freischankfläche umgewandelt sind, würden nun vor allem Längsparker am U-Bahn-Abgang, an der Klosterkirche und nördlich davon wegfallen. Ersatz sollen Anwohner finden, indem bestehende Mischparkplätze in der Liebigstraße für sie reserviert werden.

Mehr als bisher soll der Platz im restlichen Stadt-Sommer auch als Veranstaltungsort dienen. Soweit es nach dem Bezirksausschuss geht, könnte hier Mitte September die vom Kulturreferat bereitgestellte Wanderbühne gastieren für ein lokales Musik- und Kulturfestival mit einem Dutzend Auftritten, dessen Gagen mit 6500 Euro aus dem Bezirksbudget finanziert werden. Außerdem plant das Haus für Kinder "St. Anna im Lehel" ein Ferienprogramm von Ende Juli bis Ende August.

Ausdrücklich erwünscht wären auch Aufführungen des Hofspielhauses im Rahmen seines Freiluft-Programms "Theater für Alle". Gerne verzichten können die Anwohner dagegen auf nächtliche Belebung in Form von Straßenpartys, die Lärm, Dreck, teils auch Schlägereien mit sich bringen und seit dem vergangenen Jahr verstärkt Lokalpolitiker, Streetworker und Polizei beschäftigen.

© SZ vom 10.07.2020

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