Kritik von Kunstschaffenden:Was passiert nach der Sanierung im Kreativquartier?

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Kritik von Kunstschaffenden: Unter anderem um die Halle 23 im Kreativquartier gibt es immer wieder Streit.

Unter anderem um die Halle 23 im Kreativquartier gibt es immer wieder Streit.

(Foto: Robert Haas)

Während einige Künstler mit der Entwicklung und den Vermietungsverhältnissen zufrieden sind, fürchten andere eine ungewisse Zukunft.

Von Christina Seipel

Jedes Haus auf dem Areal des Kreativquartiers nahe dem Leonrodplatz hat andere Mietverträge, eine andere Geschichte. Diese spiegelt sich auch in der Zufriedenheit der Künstler und Kulturschaffenden wider, die zum Kulturgespräch, das der Bezirksausschuss (BA) Neuhausen-Nymphenburg seit 2015 einmal im Jahr veranstaltet, gekommen sind. Während die einen die Entwicklungen und den Austausch mit dem städtischen Vermieter loben, fürchten andere eine ungewisse Zukunft.

Thomas Biburger, der Geschäftsführer des Munich Center of Community Arts (Mucca), etwa kritisiert die fehlende Transparenz. Vieles, was die Sanierung des Gebäudes an der Schwere-Reiter-Straße 2 betreffe, sei weiterhin im Unklaren. "Die Verwaltung hält sich bedeckt", berichtet Biburger. Dem Vernehmen nach sollen die Räume nach der Sanierung des Mucca-Gebäudes sowie des Atelierhauses neu ausgeschrieben werden. Biburger befürchtet, dass es dann auch "eine andere Betriebsstruktur" geben könne.

Wie ihn treibt viele Künstler die Sorge um, "was während und nach der Sanierung passiert", weiß Ulrich Gläß, Gründer des Kunst- und Berufsqualifizierungsprojekts International Munich Art Lab (Imal). Eine klare Linie gebe es nicht. Während manche wie das Mucca nie vernünftige Verträge bekommen hätten, sei das Imal-Gebäude über die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrumsgesellschaft (MGH), eine Tochtergesellschaft der Stadt München, vermietet worden, die auch für die Sanierung auf dem Gelände an der Grenze zwischen Neuhausen und Schwabing zuständig sei.

Wie andere Mieter auf dem Kreativquartier wünscht sich Gläß eine Gebäudesanierung unter Einbeziehung der Künstler: "Die Nutzer haben diese Kompetenz." In den vergangen zehn Jahren habe sich auf dem Areal eine künstlerische Vielfalt entwickelt. Unterschiedliche Nutzungsformen sind entstanden. Die Künstler selbst wüssten daher am besten, welche Bedarfe bestehen, sagt auch Biburger: "Wir sind die Experten des eigenen Tuns."

"Es muss eine gerechte Mischung gefunden werden zwischen denen, die bleiben, und neuen Nutzern."

Die Meinung, das Gelände gemeinsam zu entwickeln, teilen auch Wilhelm Wermelt (SPD), der Vorsitzende im Kulturausschuss des Stadtteilgremiums und Marcus Streck vom Kulturreferat. Seit rund einem Jahr begleitet er die Kreativen vor Ort und ist "begeistert": "Die Kommunikation und das offene Ohr finde ich super." Sein Anliegen ist es, die Künstler in weitere Planungen einzubeziehen und ihnen für ihr kreatives Schaffen den notwendigen Raum bereitzustellen: "Es muss eine gerechte Mischung gefunden werden zwischen denen, die bleiben, und neuen Nutzern." Eine mögliche Ausschreibung soll mit den Kulturschaffenden gemeinsam erfolgen.

Seit Marcus Streck 2021 seine Arbeit aufgenommen hat, blicken auch einige Künstler wieder positiv auf die Entwicklung des Kreativquartiers. "Da hat sich der Himmel aufgetan", lobt Oliver Kaye von Import Export Streck für sein Engagement, sein offenes Ohr und seine Wertschätzung. Nun seien Kräfte am Wirken, die das Gleiche wollten: "Es geht voran."

Wenn es nach Ulrich Gläß ginge, müssten jedoch erst einmal passende Bedingungen für die kreativen Mieter geschaffen werden. Er fordert: "Klare Ansprechpartner, eine klare Struktur und eine klare Definition, was die MGH leisten soll."

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