Hip-Hop:Ästhetik aus dem Äther

Lesezeit: 2 min

Das Trio "Gaddafi Gals" spielt im Import Export.

Von Anna Weiß, München

Hip-Hop: Die drei Bandmitglieder der "Gaddafi Gals" kleiden sich hip und zitieren in ihrem Stil die 1990er-Jahre.

Die drei Bandmitglieder der "Gaddafi Gals" kleiden sich hip und zitieren in ihrem Stil die 1990er-Jahre.

(Foto: Marcel Moos)

Wenn irgendetwas oder irgendjemand aus der bayerischen Landeshauptstadt national oder international Aufmerksamkeit erfährt, haftet das Adjektiv "Münchner" oft untrennbar am Namen. Anders bei der Gruppe Gaddafi Gals und ihren drei Mitgliedern Blaqtea, Slimgirl fat und Walter p99 arke$tra, deren Nimbus als Cool Kids des neuen Hip-Hops sie bis nach Texas zum renommierten South by Southwest Festival führte und die sich lokalen sowie Genre-Zuordnungen zu entziehen scheinen.

Ob es sich um eine R'n'B-Ballade oder einen Cloud-Rap-Track handelt, ist bei den ersten Takten des Stücks "Hit On Me" von der Debüt-LP "Temples" von 2019 etwa nicht eindeutig. Der Text verhandelt eine beendete, am Ego des Gegenübers zerbrochene Beziehung, das Motiv des Vergangenen wird anfangs durch die verhallten wie rückwärts abgespielten Töne musikalisch aufgenommen. Der glasklare, hohe Gesang von Sängerin Nalan Karacagil aka Slimgirl fat und die dunklen, pointierten Rap-Parts von Ebru Düzgün alias Blaqtea - die solo als Ebow erfolgreich Deutsch-Rap macht - fließen ineinander, Jonas Braun aka Walter p99 arke$tra legt Klangschicht über Klangschicht, die wie die besungene Beziehung zu zerfließen scheinen. Das Stück ist beispielhaft für die Musik der Gaddafi Gals: Beats und Samples bilden die ätherische, verästelte Grundlage, auf der sich Karacagils Gesang mal waidwund ("Smoked Out, Loced Out"), mal abgeklärt ("206 Coupé") legt und von Düzgüns Rap- und Gesangsanteilen mal kontrastiert, mal komplettiert wird. Im Hintergrund schweben verfremdete Gesangsfetzen: Das klingt zuweilen flirrend-verträumt ("Killabee"), manchmal bizarr-albtraumhaft ("Temple Of Love"). Zum Gesamtkunstwerk werden die Gaddafi Gals mit ihren Musikvideos, die mit Low-Budget- und Streetstyle-Ästhetiken spielen.

Überhaupt, Style: Die drei Bandmitglieder kleiden sich nicht nur hip und zitieren in ihrem Stil die 1990er-Jahre - etwa mit Baggypants, Anglerhüten und kleinen Sonnenbrillen - sondern benannten in ihrer viel beachteten Debüt-EP "The Death of Papi" von 2017 auch einen Song nach der Modemarke Fila, deren Revival bis heute anhält. Wie auch heute die Neunziger wieder in sind, die in "Fila" auch musikalisch mit einem Part aus "Lovefool" von den Cardigans verarbeitet werden: "Love me, love me, say that you love me, but I got love for the Fila". Die Zeitgeistigkeit, die den Gaddafi Gals seit ihrer Gründung hoch angerechnet wird, lässt sich bei ihrem Konzert am Donnerstag im Import Export live erleben.

Gaddafi Gals, Import Export, Schwere-Reiter-Straße 2h, Abendkasse 15 Euro, mehr Informationen: import-export.cc

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB