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Ergebnisse in den Stadtvierteln:Münchens verwandelte Landkarte

Sonniger Wintertag im Westpark in München, 2020

Im Westpark geht es viel entspannter zu als im Englischen Garten. Die Grünen holten im Bezirk Sendling-Westpark 28,8 Prozent.

(Foto: Catherina Hess)

In der Mitte öko, außen konservativ - und nur ein roter Fleck bleibt nach dieser Kommunalwahl übrig. Wie die Parteien in den Stadtvierteln abgeschnitten haben und welche Besonderheiten es gibt.

Von Andreas Schubert und Melanie Staudinger

Bei der Kommunalwahl gelten eigene Regeln, so hat es früher immer geheißen. Heute trifft das nicht mehr uneingeschränkt zu. Zwar schneidet die SPD bei Oberbürgermeister- und Stadtratswahlen immer noch besser ab als auf Landes- oder Bundesebene, doch die Landkarte Münchens verändert sich. 2014 haben die Grünen kein einziges Stadtviertel gewonnen, am Sonntag ist es ihnen gelungen, eine Schneise quer durch die Münchner Innenstadt zu schlagen. Die SPD hingegen verliert kräftig, ihr bleibt nur mehr eine Hochburg. Und die CSU? Die punktet vor allem da, wo sie schon immer gepunktet hat, in den Außenbezirken. Doch auch abseits der großen drei Parteien gibt es Besonderheiten in den Stadtvierteln. Eine - zugegebenermaßen subjektive - Auswahl.

Als letzte rote Insel hat sich der weitgehend glamourfreie Bezirk Milbertshofen-Am Hart gehalten. Hier liegt die SPD mit 25,4 Prozent sehr knapp vor den Grünen (25,0) und der CSU (22,5). Ist das Viertel mit dem hohen Migranten- und Arbeiteranteil noch immer eine SPD-Hochburg? Schwer zu sagen, bei der Europawahl vergangenes Jahr waren die Genossen mit 12,7 Prozent schwer untergegangen. Ach ja: Hier ist übrigens der höchste prozentuale Anteil an ungültigen Stimmzetteln (2,9 Prozent) zu verzeichnen.

Die Wähler in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt haben in ihren Altbauwohnungen meistens keine Gärten aber offenbar einen dunkelgrünen Daumen. 39,6 Prozent hat die Ökopartei eingefahren, die SPD 18,2 und die CSU 15,9 Prozent. Bei der hohen Dichte an Lastenrädern überrascht das eigentlich nicht. Hier wohnen auch einige überzeugte Europäer (Volt: drei Prozent) und viele Wähler aus der LGBTQ*-Community (Rosa Liste: 3,5). Das dürfte die wenigen AfD-Freunde (zwei Prozent) kaum freuen.

In Au-Haidhausen sind die Parkplätze rar. Vielleicht wirkt sich das ja auch aufs Wahlergebnis aus. Viele haben hier gar kein Auto mehr, dafür wählen sie gerne die Radfahrerpartei: Die Grünen haben hier mit 39,6 Prozent den höchsten Anteil der Stimmen. Für die Sozialdemokraten entschieden sich noch 21,1 Prozent. Der Autofahrer-Wahlkampf der CSU überzeugte hier lediglich 15,9 Prozent.

Die Maxvorstadt: Hort der Bildung, der Museen, der Künste - und des teils überbordenden Verkehrs (auch wenn Letzteres auf viele Stadtbezirke zutrifft). Hier sahen 36,9 Prozent grün, 19,7 Prozent schwarz und 18,8 Prozent rot. Die FDP riss in diesem wohlhabenden Stadtteil die gedachte Fünf-Prozent-Hürde.

Gar hip ist's in manchen Straßenzügen der Schwanthalerhöhe. Und im Schatten begrünter Parklets dürfte im eng besiedelten Bezirk so manchen Wählerinnen und Wählern der Wunsch nach einer saubereren Zukunft gekommen sein. Grün: 38,7 Prozent, CSU: 13,5 Prozent; SPD: 20,6 Prozent. Die Linke: 7,3 Prozent.

Im Bezirk Sendling-Westpark, dessen Ostgrenze von Eisenbahnschienen definiert ist, gibt es so tolle Sachen wie den Luise-Kiesselbach-Platz, das ADAC-Hochhaus und - na klar - den Westpark natürlich, den einige für entspannter als den Englischen Garten halten, nicht zuletzt weil dort auch gegrillt werden darf. Grüne: 28,9 Prozent, SPD: 23,9, CSU: 23,5.

Neuhausen-Nymphenburg ist relativ divers. Ein bisschen vornehm, manchmal ein bisschen langweilig, aber insgesamt ein lebenswerter Bezirk. Viele Menschen, die hier wohnen, verdienen auch relativ gut. Grün liegt hier bei 32,6 Prozent, die SPD bei 22,7 und die CSU bei 21,4 Prozent.

In Pasing-Obermenzing dominiert die CSU (28,8 Prozent) knappt vor den Grünen (27,9). Die SPD folgt mit 21,4 Prozent. So ausgewogen wie das Ergebnis ist auch die Bevölkerung des Bezirks. Vor allem in der ehemals eigenständigen Stadt Pasing ist das noch zu spüren.

Allach-Untermenzing ist von der Innenstadt gefühlt ziemlich weit weg, hier fährt man noch gerne Auto, nicht nur, wenn die S-Bahn mal wieder zickt. Die CSU hat hier mit 35,2 Prozent ihr bestes Ergebnis geholt. Die Grünen schafften 23,4 und die SPD 20,4 Prozent. Die AfD liegt hier übrigens mit 4,5 Prozent über ihrem Ergebnis für die gesamte Stadt.

Im eher ländlichen Aubing-Lochhausen-Langwied - für Innenstadtbewohner tiefstes Outback - hat die CSU 32,7 Prozent geholt, die Grünen 21,9 und die SPD 20,6. Auch in diesem eher konservativ geprägten Bezirk liegt die AfD (5,3) über ihrem Durchschnitt. Eines der markantesten Bauwerke ist auch von der Autobahn aus zu sehen: die neue Paulaner-Brauerei.

Im Bezirk Feldmoching-Hasenbergl sind die Wachstumskritiker der München Liste (sieben Prozent) besonders stark vertreten. Kein Wunder, stemmen sie sich doch gerade gegen das Siedlungsprojekt im Norden der Stadt. Ansonsten ist auch hier die CSU stärkste Partei (30,9 Prozent), gefolgt von der SPD (21,2) und den Grünen (18,0).

Denkbar knapp ist das vorläufige Ergebnis in Moosach. Die CSU führt mit 26 Prozent vor der SPD (25,9). Die Grünen sind auch hier mit 23,2 Prozent unterdurchschnittlich vertreten. Hier leben viele Angestellte und Beamte; Einpersonenhaushalte sind dafür in diesem Teil der Single-Hauptstadt München vergleichsweise wenige zu finden.

Hadern liegt zwar im Westen, aber wild ist dieser gerade nicht. Hier leben laut Demografiebericht der Stadt viele ältere Menschen, in 20 Jahren soll der Bezirk den höchsten Altersquotienten haben. 31,8 Prozent wählten die CSU, 23,7 Prozent die Grünen und 22,9 Prozent die SPD.

Giesing ist blau, das behauptet so mancher Löwenfan. Beim Blick auf die Wahlergebnisse bestätigt sich diese Behauptung allerdings nicht: 31,9 Prozent der Menschen im Bezirk Obergiesing-Fasangarten wählten die Grünen, 22,6 die SPD und 18,1 die CSU. Das Ergebnis überrascht im Vergleich zur Kommunalwahl 2014, als die SPD noch fast elf Prozentpunkte mehr holte. Doch schon bei der Landtagswahl 2018 deutete sich der Siegeszug an, als die Grünen-Politikerin Gülseren Demirel den bisherigen Wahlkreisabgeordneten Andreas Lorenz aus dem Maximilianeum kegelte.

Schwabing-Freimann vereint so ziemlich alle Münchner Lebenswelten in sich. Im Süden das innerstädtische Altschwabing, eine hohe Bevölkerungsdichte mit hohem Akademikeranteil und geprägt durch den Mittelstand. Und im Norden die riesigen Gewerbegebiete und die vielen Wohnungen für Arbeiter und Angestellte in eher schlecht bezahlten Jobs. Vielleicht ist diese Vielfalt dafür verantwortlich, dass Schwabing-Freimann sich künftig als das typische München bezeichnen darf, zumindest was das Wahlverhalten der Bewohnerinnen und Bewohner anbelangt. 29,3 Prozent wählten grün, 24,1 schwarz und 21,8 SPD - das entspricht fast exakt dem münchenweiten Ergebnis der Parteien: In der ganzen Stadt holten die Grünen 29,1 Prozent, die CSU 24,7 und die SPD 22,0. Nur die FDP schert aus diesem Trend in größerem Stil aus: 5,0 Prozent der Wahlberechtigten in Schwabing und Freimann votierten für die Liberalen, auf Stadtebene holten sie lediglich 3,5 Prozent.

© SZ vom 18.03.2020
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