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Corona-Pandemie:"Wir befinden uns aktuell in einer entscheidenden Phase"

Corona-Tests am Arbeitsplatz

Jeder Patient erhält drei bis zwei Tage vor oder bei der stationären Aufnahme einen PCR-Test und zusätzlich am Tag selbst noch mal einen Antigen-Schnelltest (Symbolbild).

(Foto: Robert Michael/dpa)

Die München Klinik reagiert auf ansteckendere Virusvarianten und erweitert ihr Sicherheitskonzept - das greift schon vor der Aufnahme.

Von Ekaterina Kel

Die meisten Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen der München Klinik haben die Diagnose Covid-19. Rund 60 Prozent seien es und damit "deutlich mehr als noch im Vorjahr", sagt Axel Fischer, Geschäftsführer der München Klinik. Außerdem seien die Patienten jünger, so Fischer in einer Mitteilung des kommunalen Klinikunternehmens. Die ansteckenderen Virusvarianten bereiten den Medizinern zusätzlich Sorgen. Deshalb erweitert die München Klinik nun ihr Sicherheitskonzept, um dieser dritten Welle "mit dem Maximum an Mitteln zu begegnen", sagt Fischer.

So sollen alle Patientinnen und Patienten häufiger getestet werden. Jeder Patient erhält drei bis zwei Tage vor oder bei der stationären Aufnahme einen PCR-Test und zusätzlich am Tag selbst noch mal einen Antigen-Schnelltest. Außerdem werden nun alle stationären Patienten im Fünf-Tage-Rhythmus getestet - um unerkannte Infektionen nicht zu übersehen, wie die Klinik mitteilt. Die Patienten werden anschließend in einen Covid- und einen Non-Covid-Bereich aufgeteilt. Bei Verdacht wird der Patient in einem Einzelzimmer isoliert. Auch die Beschäftigten erhalten einmal pro Woche einen Antigen-Schnelltest, selbst wenn sie keinen Kontakt zu Patienten haben, etwa in der Verwaltung. Darüber hinaus habe man interne Strukturen geschaffen, um alle positiven PCR-Proben auf die drei häufigsten Virusvarianten möglichst schnell zu untersuchen. Die britische Mutante mache derzeit 80 bis 90 Prozent aus. Mitarbeiter, die Symptome einer Sars-CoV-2 Infektion entwickeln, sollen ihren Dienst umgehend abbrechen und sich testen lassen. "Wir befinden uns aktuell in einer entscheidenden Phase der Pandemie, in der wir Infektionen so schnell und gut wie möglich eindämmen müssen, bis die Impfungen vorangeschritten sind", sagt Fischer.

Man könne bis zu 2000 PCR-Tests täglich im hauseigenen Labor durchführen. Zusätzlich komme man auf mehr als 10 000 Schnelltests pro Woche. Insgesamt schätzt die München Klinik die Mehrkosten für die pandemiebedingten Maßnahmen auf rund 30 Millionen Euro, refinanziert würden sie "nur teilweise".

Auch Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten und Reinigungskräfte werden regelmäßig getestet und tragen komplette Schutzausrüstungen, selbst wenn sie gegen Covid-19 geimpft sind. In vielen Bereichen sei die Herdenimmunität erreicht, heißt es. Es infizierten sich deutlich weniger Mitarbeiter als noch in der zweiten oder ersten Welle. Fast alle Ärztinnen und Ärzte und zwei Drittel der Pflegekräfte aus der höchstpriorisierten Gruppe seien geimpft. Rund 4400 Beschäftigte von 7000 hätten die Erstimpfung erhalten, 3800 seien vollständig geschützt. Seit Kurzem können sich auch Patienten mit Priorisierung an der München Klinik impfen lassen.

© SZ vom 20.04.2021/syn
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