IT-Strategie:Digitalisierung oder Ökologie? Kampf um Ressourcen

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Frauentürme München, 2022

Das Rathaus auf dem Münchner Marienplatz, im Hintergrund ist die Frauenkirche zu sehen.

(Foto: Robert Haas)

Der Ausbau digitaler Angebote ist wesentlich für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Wer München auf diesem Feld in die Zukunft führen darf, hat enorme Aufgaben vor sich - und muss sich gegen Themen wie die ökologische Wende behaupten.

Kommentar von Heiner Effern

Wenige Wochen vor seinem Ausscheiden hat der städtische IT-Referent Thomas Bönig eine bemerkenswerte politische Duftmarke gesetzt. In seine Abrechnung vor allem mit der Digital-Politik der Grünen mögen auch persönliche Kränkungen hineingespielt haben, doch sie wirft auch ein Schlaglicht auf ein wichtiges politisches Feld, das in der öffentlichen Aufmerksamkeit gerne mal zu kurz kommt. Die Ausstattung der Verwaltung und der städtischen Schulen mit einer zeitgemäßen Computertechnik, der Ausbau der digitalen Angebote für die Bürger, die Sicherheit von Daten sind zentrale Bestandteile einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

Doch wenn es um die Verteilung von Personal und Geld geht, dominieren Radwege und der öffentliche Nahverkehr, die ökologische Wende, die Wohnungsnot das Denken und Handeln. Den Themen Computertechnik und Digitalisierung ergeht es mitunter wie den geplagten Mitarbeitern der IT-Abteilung in großen Firmen, die nur wahrgenommen werden, wenn etwas nicht läuft. In München allerdings hatte dieser Frust über die IT und mangelnde Digitalisierung dermaßen überhand genommen, dass man eine komplette Neuorganisation anging. Es war richtig, dass 2018 ein eigenes Referat für digitale Themen geschaffen wurde. Genauso nötig waren neue Verantwortlichkeiten für die Computertechnik an den Schulen.

Beim Umbau der Verwaltung und beim Ausbau des digitalen Bürgerservice warten große Aufgaben

Bei den Schulen hat es bis zuletzt ordentlich gerumpelt, die Verantwortung dafür ist nun auch noch im IT-Referat gelandet. Dort wurden in den vergangenen vier Jahren viele Grundlagen geschaffen, die Pandemie hat viele Umsetzungen enorm beschleunigt, wie etwa das W-Lan an den städtischen Schulen. Doch beim Umbau der Verwaltung auf die elektronische Akte, beim Ausbau des digitalen Bürgerservices, beim Aufbau von funktionierenden Apps warten auf die neue Chefin oder den neuen Chef enorm große Aufgaben.

Die Grünen haben das Vorschlagsrecht, schon allein die Suche dürfte sich äußerst schwierig gestalten. Vergleichbare Jobs in der Wirtschaft sind deutlich besser dotiert. Das Arbeiten in der Stadt verlangt auch viel taktisches Geschick und Diplomatie - nicht die Stärken des bisherigen Referenten. Beim Kampf um die Ressourcen in der Stadt muss sich die neue Leitung behaupten können. Am Ende heißt das auch: Die neue Chefin oder der neue Chef darf ruhig ein Freund von Open Source sein, wie es sich die Grünen bestimmt wünschen. Aber sie sollten sich selbst und ihrer Kandidatin oder ihrem Kandidaten bewusst machen: Die Herausforderungen sind nach wie vor groß, und die Hauptbaustellen des künftigen Jobs liegen woanders. Es wird enorm spannend, wer München in die digitale Zukunft führen wird.

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