Diskussion zur Stadtplanung:Bäume statt Bentleys auf der Maximilianstraße

Lesezeit: 3 min

Diskussion zur Stadtplanung: Statt der Parkplätze wünscht sich Stadtbaurätin Elisabeth Merk mehr Grün auf der Maximilianstraße.

Statt der Parkplätze wünscht sich Stadtbaurätin Elisabeth Merk mehr Grün auf der Maximilianstraße.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wie soll die Münchner Innenstadt in Zukunft aussehen? Für ein Kursbuch sammelt die Stadt Meinungen und Ideen - von der Begrünung grauer Prachtstraßen bis zu bezahlbaren Wohnungen und Open-Air-Ausstellungen.

Von Alfred Dürr

Bäume statt Parkplätze - Münchens Prachtmeile, die Maximilianstraße, soll nach den Vorstellungen von Stadtbaurätin Elisabeth Merk zumindest in Teilen grün werden. Noch deutlicher könnte die ökologische Umgestaltung in der Herzog-Wilhelm-Straße ausfallen, die parallel zur Sonnenstraße verläuft. Eigentlich waren hier seit vielen Jahren auch große Neubau-Komplexe vorgesehen. Nun eine klare Wende. "Ich wünsche mir, dass der gesamte Raum grün wird", sagte Merk bei einer Veranstaltung zur Zukunft der Innenstadt. Noch in diesem Jahr soll sich der Stadtrat mit beiden Maßnahmen befassen und Entscheidungen treffen.

Corona-Pandemie, Klimawandel, Digitalisierung des Handels und Veränderungen bei der Verkehrspolitik: Es geht nicht nur um einzelne Projekte, sondern um die grundsätzliche Frage, in welche Richtung sich das Zentrum der Stadt entwickeln soll. "Wir wollen diesen einzigartigen Ort mit seinen typischen Gebäuden und Ensembles fit für die Zukunft machen und an neue Trends anpassen", sagt der Chefplaner bei der Stadt, Arne Lorz. In zwei Jahren soll ein entsprechendes "Kursbuch" vorliegen, an dem jeder mitschreiben und Ideen einbringen kann. Alle Informationen dazu gibt es im Internet auf muenchen.de/innenstadt. Die Online-Beteiligung läuft noch bis zum 18. November.

Zum Auftakt des Prozesses legten nun verschiedene Akteure des Stadtlebens ihre Analysen und Visionen für eine moderne City dar. Moderiert wurde die digitale Veranstaltung von der Stadtentwicklungsexpertin Sonja Rube. Dass mehr Grün und Freiflächen nötig sind - dass scheint bei Investoren angekommen zu sein. 70 größere und kleinere Bauprojekte gebe es zur Zeit in der Innenstadt, berichtete der Stadtplaner Andreas Uhmann, der viele Jahre für Genehmigungsverfahren im Zentrum zuständig war: "Der Druck auf die Innenstadt ist enorm." Zum Beispiel zeige aber der riesige Komplex, der in der ehemaligen Postbank am Hauptbahnhof entsteht, dass man nachhaltige Immobilien schaffen kann. Das Projekt wird auf den Rohbau zurückgeführt und durch neue Elemente ergänzt. Die Gebäude im Hof kommen weg, dafür entsteht eine Grünzone.

Wolfgang Fischer, der die Interessen des Einzelhandels vertritt, gab optimistische Signale. Die Corona-Jahre hätten das Stadtleben nicht zum Erliegen gebracht. "Dass nach zwei Jahren Online-Shopping und Gastro-to-go keiner mehr die Innenstadt braucht, kann man bestimmt nicht behaupten", sagte er. Die Fußgängerzone sei wieder gut besucht, und im August seien so viele Touristen gekommen wie niemals zuvor. Fischer plädierte für mehr Kunst im öffentlichen Raum. Das Fotoprojekt über "Die Deutschen des 21. Jahrhunderts" am Wittelsbacherplatz sei ein gutes Beispiel für eine höhere Attraktivität der City. Solche Open-Air-Ausstellungen sollten auch an anderen Orten stattfinden.

"Sicher und sauber, aber leider oft auch langweilig"

Kunst, Kultur, Gastronomie, das müssten nach wie vor neben dem Shoppen Garanten für eine belebte Innenstadt sein. Freischankflächen gehörten dazu. Dallmayr-Chef Florian Randlkofer, der in seinem Delikatessengeschäft nach eigenen Angaben jährlich drei Millionen Besucher hat, zog eine positive Bilanz. Die Stadt müsse es Gastronomen aber leichter machen, Außenzonen zu "bespielen".

Einkaufsstraßen sind nicht nur in München in der Kritik. "Sie sind sicher und sauber, aber leider oft auch langweilig", meinte Marco Eisenack, Betreiber von Medien und Zwischennutzungen. Beispielsweise könnten kreative Zwischennutzungen leer stehender Büroräume wichtige Impulse für einen Wandel zum Positiven in der City sein. Wichtig seien auch Orte "jenseits des Kommerzes", an denen man sich treffen und austauschen könne.

An alle Schichten der Bevölkerung denken, das Stadtzentrum "auch durch die soziale Brille sehen", das war ebenfalls ein zentraler Punkt der Diskussion. Die Verkäufer der Straßenzeitung Biss sind fester Bestandteil des Stadtbildes. "Es läuft jetzt wieder ganz gut mit dem Verkauf", sagte Karin Lohr, Geschäftsführerin von Biss. Zur Attraktivität einer Stadt gehöre auch, dass hier alle gut unterwegs sein könnten: "Die mit mehr Geld und auch die mit weniger."

Wohnen ist in München vielerorts zum Luxus geworden, besonders in der Innenstadt. Ziel sei, bezahlbares Wohnen zu stärken, sagte Planer Arne Lorz. Leicht dürfte das nicht werden. Das trifft auch auf die Verkehrspolitik zu. Flächen werden umverteilt zugunsten von Radlern und Fußgängern, sagte Verkehrsplanerin Petra Wurdack. Das sorgt nicht selten für massive Interessenkonflikte. Die könne man lösen, "aber es ist eine riesige Arbeit nötig". Forderungen nach Grün- und Freiflächen sowie nach mehr Klimaschutz waren im Chat ein Schwerpunktthema. "Wann kommt endlich der Isarboulevard?", fragte ein Teilnehmer. Konkret beantworten konnte das an diesem Abend niemand.

Zur SZ-Startseite
Online-/Digital-Grafik

SZ PlusHistorisch belastete Straßennamen
:Was bleibt?

45 Straßennamen stehen in München zur Diskussion. Wer über die Umbenennung entscheidet, welche Lösungen noch infrage kommen - und wo die kritischen Namen zu finden sind.

Lesen Sie mehr zum Thema