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Prozess:Endlos-Streit um teures Dressurpferd geht in die nächste Runde

Rennbahn in München Riem, 2011

Um das wertvolle Pferd wird schon seit vielen Jahren gestritten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein Berufsreiter verkauft ein Dressurpferd für eine halbe Million Euro an einen Grafen in Bayern. Der will den Kaufvertrag rückabwickeln, weil das Tier angeblich verletzt war. Doch es gibt auch Vorwürfe gegen den neuen Besitzer.

Tiere sind Sachen - zumindest für Juristen und dann, wenn sie verkauft werden. Dass diese Festlegung nicht immer praktikabel ist, zeigt ein Streit, der bereits acht Jahre währt und in vier Gerichtsprozessen verhandelt wurde: Vom Landgericht zum Oberlandesgericht (OLG), zum Bundesgerichtshof (BGH) und wieder zurück. Seit mehr als einem Jahr verhandelt nun erneut der 15. Senat des OLG über den Verkauf eines wertvollen Pferdes.

Es geht um den Wallach "Donero 2", ein Dressurpferd, mittlerweile 19 Jahre alt. Er wurde im Jahr 2010 von seinem damaligen Besitzer, einem Berufsreiter aus Norddeutschland, für 500 000 Euro an einen Grafen aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verkauft, der ihn einer professionellen Dressurreiterin für ihren Sport zur Verfügung stellen wollte. Kurze Zeit aber, nachdem Donero in Bayern angekommen war, zeigte er Auffälligkeiten: Nach der Darstellung der neuen Eigentümer lahme er, habe offensichtlich Schmerzen und widersetze sich den Einwirkungen seiner Reiterin. Deshalb forderte der Graf die Rückabwicklung des Kaufvertrags: Die Ursache für Doneros Verhalten sei eine Verletzung an der Halswirbelsäule, die der Verkäufer verschwiegen habe.

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In der ersten Instanz und in der Berufung bekam der Kläger recht. Der BGH allerdings kassierte das Urteil: Der Röntgenbefund über den Schaden an der Halswirbelsäule reiche noch nicht aus für die Feststellung, das Pferd sei "mangelhaft". Denn auch bei hochpreisigen Dressurpferden müsse herausgefunden werden, ob die medizinische Diagnose etwas mit den "Rittigkeits-Problemen" zu tun habe. Mit dieser Vorgabe schickte der BGH den Fall zurück ans Münchner OLG.

Das beschäftigte sich nun am Freitag mit Zeuginnen, die die Argumentation des Verkäufers stützen sollten: Dass nämlich die neue Reiterin das Pferd falsch behandelt habe. Sie habe versucht, es zu unterwerfen, erst dadurch seien Verspannungen und schließlich Schmerzen aufgetreten. Als Donero seinen Stall verließ, sei er kerngesund gewesen.

Die erste Zeugin war die Ex-Frau des Verkäufers. Sie sagte, sie kenne das Tier seit seinem ersten Lebensjahr, es sei ein ganz besonderes Pferd. Es sei immer gesund gewesen, habe die behaupteten Auffälligkeiten nie gezeigt und habe auch nie Schmerzmittel bekommen.

Eine zweite Zeugin hatte ihre eigenen Pferde im selben Stall wie Doneros neue Reiterin stehen und erlebte deshalb mit, wie diese mit ihrem Pferd umging. Die Frau sagte, wenn sie mit ihrem eigenen Pferd in der Halle war, in der auch Donero trainiert wurde, dann habe sie bei ihrem Hengst gespürt, wie er auf die Behandlung seines Artgenossen reagierte: "Der hat den Druck gespürt, der auf Donero ausgeübt wurde." So habe die Reiterin dem Wallach sogenannte Schlaufzügel angelegt; dadurch wird der Kopf des Pferdes gegen seine Brust gezogen und dort mehr oder weniger fixiert. "Das Pferd ist dann praktisch wehrlos", sagte die Zeugin.

Einer Mitarbeiterin aus dem Stall habe sie manchmal beim Putzen von Donero geholfen - und dabei immer wieder Wunden am Bauch entdeckt, sogenannte Sporenlöcher, außerdem aufgerissene Maulwinkel, wohl vom scharfen Einsatz der Kandare. Es sei unter Reitern nicht üblich, sagte die Zeugin, anderen Ratschläge für deren Umgang mit den Tieren zu geben. Wenn sie doch einmal etwas gesagt habe, dann habe Doneros Reiterin ihr erklärt, warum das so sein müsse. Sie selbst habe Donero gelegentlich longiert, also an einem Seil im Kreis geführt, und da habe sie schon gemerkt: "Da war keine Lebensfreude und kein Stolz mehr da."

Für das Gericht wird es nun vor allem auf das Gutachten eines tierärztlichen Sachverständigen ankommen, der wohl zu beurteilen hat, ob Doneros Behandlung ursächlich für sein Verhalten war. Der Nachmittag am OLG hat aber eines schon deutlich gemacht: Tiere sind keine Sachen - auch wenn sie manchmal so behandelt werden.