Oper:Es läuft

Barbier von Sevilla

Der Star des Abends: Jennifer O'Loughlin als Rosina ist kokett, munter, reizend und ungeheuer präsent.

(Foto: Christian Pogo Zach)

Josef E. Köpplinger inszeniert am Gärtnerplatztheater Rossinis "Barbier von Sevilla".

Von Egbert Tholl, München

Die Ouvertüre setzt ein, und man bekommt ein bisschen Angst. Der erste Akkord ist keiner, sondern ein Stolpern, so schön die Bassgrundierung dann ist, so porös ist das Ganze und droht auseinander zu fallen. Doch Dirigent Michael Brandstätter kriegt sich und das Orchester schnell in den Griff, und dann wird dieser "Barbier von Sevilla" zu seinem musikalischen Triumph, offenbart die reduzierte Orchesterbesetzung einige interessante Details. Und das Finale des ersten Akts ist die perfekte Umsetzung von Rossinis irrer Nähmaschinenmusik.

Matija Meić schummelt in den Koloraturen - aber das passt zur Rolle

Bringt man, wie nun Josef E. Köpplinger am Gärtnerplatztheater, Rossinis "Barbier" auf die Bühne, dann ist das einzig entscheidende Kriterium: läuft's? Und es läuft. Die Aufführung ist rasant, hängt zu keiner Sekunde durch - nur dort, wo Rossini, im zweiten Akt, selber durchhängt - und alle auf der Bühne vermitteln ungeheuren Spaß an ihrem Tun. Köpplinger verlegt die Handlung in Rossinis Fantasie-Sevilla in die Francozeit, zieht somit unterschwellig eine Folie von prüder Diktatur und dem Zusammenwirken von Macht, Adel und Kirche mit ein, die man nicht überbetonen muss, die aber dem Geschehen im überbordend bunten Bühnenbild von Johannes Leiacker Kontur gibt.

Der Star des Abends der Premiere der A-Besetzung ist Rosina, Jennifer O'Loughlin. Sie ist kokett, munter, reizend, ungeheuer präsent. Sie reiht eine federleichte Koloratur an die andere, in extremer Perfektion, und widmet sie sich dem großen Gefühl, weht ein feiner Hauch von Ironie hindurch. Matija Meić ist Figaro, ein toller Kerl, der in den Koloraturen schummelt, aber das passt zur Figur. Levente Páll verfügt als Bartolo über ein verblüffendes Parlando, Gyula Rab ist ein leichter, lyrischer Almaviva. Auch Partien, die oft eher plump oder unbedeutend besetzt sind, gewinnen hier markante Kontur: Timor Sirlantzis als Basilio, Daniel Gutmann als Fiorillo - der spielt auch noch prima Gitarre.

© SZ/arga/lyn
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