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Fußball-Europameisterschaft 2021:Söder kommt ins Spiel

Sonderbeleuchtung der ALLIANZ ARENA. Der FC Bayern Muenchen und die Bundesliga unterstuetzen die Bewerbung um die Ausri

Die Stadt München und der Freistaat hoffen, dass in der Allianz-Arena im Juni wie geplant drei Gruppenspiele der deutschen Mannschaft sowie ein Viertelfinale ausgetragen werden.

(Foto: Sven Simon/imago)

Bleibt München EM-Spielort? Uefa-Chef Aleksander Ceferin will weiter Zuschauer in den Arenen und trifft dafür den Ministerpräsidenten - der bleibt zurückhaltend.

Von René Hofmann

Die Frage, ob München wie geplant ein Spielort bei der am 11. Juni beginnenden Fußball-Europameisterschaft sein wird, ist eine hochpolitische. Dies zeigt, dass es hierzu nun ein Treffen gab zwischen Aleksander Ceferin, dem Präsidenten des EM-Veranstalters Uefa, und dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU).

Am Mittwochabend berichtete der Chef der Europäischen Fußball-Union (Uefa) dies am Rande des Champions-League-Spiels FC Bayern gegen Paris Saint-Germain dem TV-Sender Sky in der verwaisten Münchner Arena: "Es war ein gutes Treffen", so der Uefa-Chef, "ich bin mir sicher, dass der Ministerpräsident darum bemüht ist, dass die Spiele hier stattfinden werden." Kurz darauf tippte Ceferin aber erneut den Knackpunkt an: "Wenn die Gesundheitssituation es erlaubt, erwarten wir natürlich Zuschauer."

Die Frage, ob in zwei Monaten vor Fans gekickt werden kann, ist eine womöglich entscheidende. Ceferin wünscht sich dies so sehr, dass einige seiner Äußerungen als Bedingung für die Zulassung als Spielort verstanden werden konnten. Eine Haltung, die Söder nicht gefällt: Live-Publikum als Voraussetzung für EM-Spiele würde "auf erbitterten Widerstand stoßen, ich hoffe auch der deutschen Bundesregierung", hatte er vor dem Treffen bei einer Schalte mit RTL/ntv gesagt.

Trotz der offensichtlichen Dissonanzen hieß es aus Kreisen der Staatsregierung, die Zusammenkunft mit Ceferin sei eine "konstruktive" gewesen. Bayern wolle, dass München als Spielort erhalten bleibe. Hierzu wolle man mit der Uefa im Dialog bleiben. Dieser soll über Florian Herrmann (CSU) weiterlaufen, den Chef der Staatskanzlei.

Am Mittwoch war eine Frist abgelaufen, innerhalb derer sich die zwölf Städte, in denen die EM gespielt werden soll, bei der Uefa mit Konzepten zurückmelden mussten, wie die Spiele angesichts der Pandemie über die Bühne gehen sollen. Wie München, wo bisher drei Gruppenspiele der deutschen Mannschaft (15./19./23. Juni) sowie ein Viertelfinale (2. Juli) ausgetragen werden sollen, hatten dies alle Kandidaten getan - allerdings mit deutlich unterschiedlichen Werten zur Stadionauslastung.

München hatte verschiedene Szenarien in Aussicht gestellt und mitgeteilt: Welches Szenario letztlich umgesetzt werde, hinge vom Pandemie-Geschehen im Juni beziehungsweise Juli ab. Bei der Frage, ob Zuschauer ins Stadion dürften, sei man abhängig von der zum Zeitpunkt der EM geltenden Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, die der Freistaat Bayern vorgebe und die dann vom örtlichen Gesundheitsamt in konkrete Maßnahmen umgesetzt werde.

Andere Bewerber versprechen mehr. In St. Petersburg sollen 50 Prozent der möglichen Zuschauer Eintritt gewährt werden, was bei den 68 134 Plätzen, über die das Krestowski-Stadion verfügt, die stolze Zahl von 34 067 ergäbe. Der englische Fußballverband schickt das Wembley-Stadion ins Rennen und will dort bei den Gruppenspielen 20 000 Zuschauer zulassen, später dann mehr. Aus Amsterdam, Kopenhagen, Glasgow und Bukarest wurden zwischen 12 000 und 13 000 angemeldet.

Aus Rom sind bislang keine offiziellen Angaben bekannt, aber es gibt Andeutungen, dass die Erwartungen der Uefa auf eine Stadionauslastung von 20 bis 25 Prozent erfüllt werden könnten. Mit Blick auf Baku und Budapest zweifelt niemand an Zuschauer-Zusagen, da die EM-Gastgeberrolle dort als politisches Prestigeobjekt gilt.

Während Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch sagte, er könne es sich "im Moment nicht vorstellen, mit großartigen Zuschauerzahlen zu operieren", hält Hygiene-Experte Florian Kainzinger Spiele mit begrenzter Besucherzahl für möglich. Der Gesundheitsökonom, der Mitglied der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb im Profifußball" ist, sagte der dpa: "Es geht unter anderem um die Frage: Können Geimpfte auch ohne Tests rein - was ich sehr unterstütze. Dazu kommt ja, dass wir bis Sommer noch mal etwa 20 bis 30 weitere Prozent in der Bevölkerung geimpft haben werden."

Dass das Thema Zuschauer nicht nur in München kontrovers diskutiert wird, belegt eine Meldung aus Spanien. Zunächst war für Bilbao eine Kulisse mit 13 000 Fans in Aussicht gestellt worden, inzwischen aber hat der spanische Fußballverband mitgeteilt: Angesichts der Bedingungen der Regionalregierung des Baskenlandes seien Spiele vor Publikum in Bilbao doch undenkbar. Die Forderungen der Behörden seien bis Juni "unmöglich zu erfüllen". Zu diesen gehört, dass bis zum 14. Juni mindestens 60 Prozent der Bevölkerung des Baskenlandes sowie auch ganz Spaniens gegen das Coronavirus geimpft sein müssen und höchstens zwei Prozent aller Intensivbetten mit Covid-Patienten besetzt sein dürfen. Wo wann welche Spiele stattfinden, will die Uefa am 19. April entscheiden. Für Ende dieser Woche hat sie eine Information bezüglich der erworbenen Tickets in Aussicht gestellt.

© SZ vom 09.04.2021/infu
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