Münchner Stadtteile Freiham wird noch größer

Erster Streich: Das Gymnasium Freiham auf dem Bildungscampus, Teil des ersten Realisierungsabschnitts, wird gerade gebaut.

(Foto: Robert Haas)
  • Im ersten rund 85 Hektar umfassenden Realisierungsabschnitt Freiham-Nord entstehen in den kommenden acht bis zehn Jahren rund 4400 Wohnungen.
  • Der zweite 55 Hektar große Abschnitt soll nun, aufgeteilt in zwei Bauphasen, weitere 7000 Wohnungen beinhalten.
  • Das sind bis zu 2000 Wohnungen mehr als ursprünglich geplant.
Von Ellen Draxel, Freiham

Freiham wird noch größer als bisher geplant. Stadtbaurätin Elisabeth Merk will dafür den zweiten Realisierungsabschnitt des Neubaugebiets im äußersten Münchner Westen nutzen. Schon im ersten, rund 85 Hektar umfassenden Realisierungsabschnitt Freiham-Nord, zu dem auch der Bildungscampus und der Sportpark gehören und der bereits im Bau ist, entstehen in den kommenden acht bis zehn Jahren rund 4400 Wohnungen. Der zweite, 55 Hektar große Realisierungsabschnitt, soll nun, aufgeteilt in zwei Bauphasen, weitere 7000 Wohnungen beinhalten - tausend bis zweitausend mehr, als noch vor drei Jahren im Grund- und Eckdatenbeschluss angekündigt worden waren.

Das Planungsreferat stuft diese Mehrung aufgrund des Wettbewerbsergebnisses als "verträglich" ein - zumal der Wohnraum in München "dringend benötigt" werde. "Die bauliche Dichte hier", hatte der Vorsitzende der Wettbewerbsjury, Thomas Jocher, beim Bürgerdialog vor einem Jahr gesagt, "ist sehr moderat gegenüber der Innenstadt, in Schwabing oder der Maxvorstadt ist sie doppelt so hoch". Das Konzept des ersten Preisträgers zeichne gerade der überlegte Umgang mit den Freiflächen aus. Der zweite Realisierungsabschnitt hat zwei Bauphasen. Für den jetzt in der politischen Diskussion befindlichen 26 Hektar umfassenden ersten Bauabschnitt sind 3000 von diesen 7000 Wohnungen vorgesehen.

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Allerdings stoßen die städtischen Planer, nicht nur wegen der vorgesehenen Dichte-Mehrung, für deren Dimension aus lokalpolitischer Sicht "die Infrastruktur nicht vorhanden ist", auf politischen Gegenwind im Viertel. Denn Aubings Stadtteilvertreter hadern generell mit ihrer Zustimmung zum zweiten Realisierungsabschnitt des Wohngebiets Freiham-Nord. Dem Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied fehlen "zielorientierte, konkrete Planungen" zur verkehrlichen Erschließung des neuen Stadtteils. Zwar seien "viele Machbarkeitsstudien" vorgenommen und Absichtserklärungen formuliert worden, so die Bürgervertreter. Immer wieder geforderte Ergebnisse aber, wie etwa ein endgültiger Finanzierungsbeschluss zur Weiterführung der U5 von Pasing nach Freiham, exakte Termine zur Erweiterung der Autobahn A99 West oder Taktungen der S-Bahnlinien, lägen dem BA bis heute nicht vor.

Bauchschmerzen hatte der Bezirksausschuss bereits beim ersten Realisierungsabschnitt geäußert. Dennoch stimmte das Gremium damals dem Satzungsbeschluss zu, unter der Voraussetzung, dass die Fragen zur Verkehrserschließung geklärt werden. Nun aber bekommen die Lokalpolitiker den Entwurf eines Aufstellungsbeschlusses für den zweiten Realisierungsabschnitt zur Anhörung vorgelegt - ohne dass sie zwischenzeitlich die geforderten konkreten Aussagen erhalten hätten. Das Papier, zu dem das Stadtteilgremium Stellung nehmen soll, ist der erste Schritt zur Aufstellung eines Bebauungsplans für den Bereich zwischen dem Hörweg im Norden, der Aubinger Allee auf der Ostseite, dem ersten Realisierungsabschnitt im Süden nördlich der Annemarie-Renger-Straße und dem künftigen Landschaftspark Freiham an der Westgrenze.

Mitten durch das neue Planungsgebiet soll außerdem der Autobahnzubringer zur A 99 verlaufen, auf Höhe des Quartierszentrums. Die Architekturbüros Hild und K aus München, Sergison Bates aus London und Ballmoos Krucker aus Zürich, die gemeinsam mit den Studio Vulkan Landschaftsarchitekten aus Zürich den städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb für sich hatten entscheiden können, sind jetzt dazu aufgerufen, eine Rahmenplanung für diesen Bauabschnitt zu entwerfen. Dabei soll es nicht nur um "Wohnraum für Menschen aller Altersgruppen und für alle Lebenssituationen" gehen und darum, die "Stadt weiter zu bauen" und Nachbarschaften zu vernetzen. Wichtig ist dem Planungsreferat auch ein "zukunftsweisendes Nahmobilitätskonzept".

Mobilitätskonzepte, hatte Stadtbaurätin Elisabeth Merk schon beim Bürgerdialog erklärt, müssten im Quartier anfangen. "Damit die Leute erst gar nicht ins Auto steigen." Der Siegerentwurf setzt deshalb auf eine Buslinie, die von Nord nach Süd verläuft. Auf Radwege entlang dieser ansonsten autofreien Achse. Und auf viele öffentliche Plätze mit Mobilitätsstationen. Läden, soziale Einrichtungen, Schulen und Kindertagesstätten innerhalb des Stadtteils sollen helfen, weite Wege zu vermeiden: Für den ersten Bauabschnitt sind allein zehn Häuser für Kinder mit insgesamt 29 Krippen- und 37 Kindergartengruppen, eine fünfzügige Grund- und eine fünfzügige Mittelschule, beide mit Sporthallen und einem gemeinsamen Schulschwimmbad, ein Nachbarschaftstreff, ein Familienzentrum sowie eine Jugendfreizeitstätte vorgesehen. Außerdem, so Merk beim Bürgerdialog vergangenes Jahr, bekomme Freiham eine U-Bahn und vermutlich Ringbus-Trassen als Tangentialverbindungen.

Ob der Bezirksausschuss den Aufstellungsbeschluss ablehnt oder ihm doch unter bestimmten Bedingungen zustimmt - diese Entscheidung haben die Stadtteilvertreter zunächst vertagt. Auch mit Verweis auf den Willen der Menschen vor Ort: Denn die Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing, hinter der zahlreiche Aubinger stehen, hält den Beschluss für "verfrüht" - weil die Grundlagen in Form eines Verkehrskonzepts und der Anbindung der umliegenden Quartiere, speziell Aubings, fehlten. "Wir wollen, dass der Stadtrat der Verwaltung auf die Füße tritt, damit diese Grundlagen endlich hergestellt werden", meinte die Bürgervereinigungs-Vorsitzende Karin Binsteiner, die auch dem Unterausschuss Verkehr im Stadtteilgremium vorsteht, in der jüngsten Sitzung der Aubinger Lokalpolitiker.

SPD-Stadtrat Christian Müller hingegen plädierte für ein positives Votum: "Es macht schon Sinn, den Aufstellungsbeschluss zu fassen, weil er der Startschuss für genau das ist, was Sie fordern." Denn das Ganze müsse schließlich finanziert werden, auch die U-Bahn. Nur, wenn die Bebauung klar sei, könnten Gelder fließen. "Dafür müssen wir aber erst mal in ein Verfahren eintreten."

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