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Nachtleben:München soll ein Frauen-Nacht-Taxi bekommen

Als erste Millionenstadt Deutschlands will München aus dem städtischen Haushalt subventionierte Frauen-Nacht-Taxis testen.

Da es die Frauentaxis bisher nur in kleineren deutschen Städten gibt, lassen sich die Kosten für eine Stadt wie München nur schwer schätzen.

(Foto: dpa)
  • Als erste Millionenstadt Deutschlands will München aus dem städtischen Haushalt subventionierte Frauen-Nacht-Taxis testen.
  • Von 2021 an können sich Frauen über 16 Jahre bei Bürgerbüros, Sozialbürgerhäusern, der Gleichstellungsstelle und der Stadtinformation Gutscheine für Taxifahrten holen.
  • Die Gutscheine sollen einen Wert von fünf Euro haben und von 22 Uhr abends bis sechs Uhr morgens gelten. Sie werden ohne Personalisierung und Registrierung ausgegeben.
  • Der Stadtrat stimmt am Dienstag über das Konzept ab.

Viele Frauen fühlen sich nachts in der Stadt nicht sicher. Doch mit dem Taxi nach Hause zu fahren, können sich bei weitem nicht alle leisten. Und zu später Stunde an einsamen Haltestellen auf den Bus oder die S-Bahn zu warten, ist vielen Frauen, die alleine unterwegs sind, schlicht zu gefährlich. Im Zweifel bleiben sie dann lieber zu Hause. Um solche Einschränkungen in der Mobilität und Lebensqualität zu mindern, will München als erste Millionenstadt Deutschlands nun aus dem städtischen Haushalt subventionierte Frauen-Nacht-Taxis testen. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat dazu ein Konzept erarbeitet, über das am Dienstag im Stadtrat abgestimmt werden soll.

Geht der Beschluss durch, soll das Modell folgendermaßen funktionieren: Von 2021 an sollen sich Frauen über 16 Jahre bei Bürgerbüros, Sozialbürgerhäusern, der Gleichstellungsstelle und der Stadtinformation Gutscheine für Taxifahrten holen können. Das gilt für alle Frauen, auch solche, die keinen Wohnsitz in München haben. Das KVR betont ausdrücklich, dass der Begriff "Frau" auch Transfrauen einschließt sowie Frauen mit dem Geschlechtereintrag "divers" oder mit nicht binärer Geschlechterzugehörigkeit.

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Die Gutscheine sollen einen Wert von fünf Euro haben und von 22 Uhr abends bis sechs Uhr morgens gelten. Sie werden ohne Personalisierung und Registrierung ausgegeben, allerdings werden nur drei Gutscheine auf einmal ausgehändigt. Die Frauen können aber an beliebig vielen Tagen bei den Behörden wegen der Gutscheine vorsprechen, hier will die Stadt kein Limit setzen.

Wer einen dieser Taxi-Bons einlösen will, muss innerhalb der Stadtgrenzen zusteigen, das Ziel kann aber auch außerhalb des Stadtgebietes liegen. Um "Discohopping" zu vermeiden, muss das Ziel eine Wohnadresse sein.

Die Taxiunternehmen haben laut KVR angekündigt, für die Akzeptanz der Gutscheine zu werben, so dass sie möglichst in allen Taxis gültig sind. Pro Fahrt kann ein Fünf-Euro-Bon eingelöst werden, auch wenn mehrere Frauen sich ein Taxi teilen. Der Taxifahrer oder die Fahrerin rechnet dann mit der Stadt ab.

Da es die Frauentaxis bisher nur in kleineren deutschen Städten gibt, lassen sich die Kosten für eine Stadt wie München nur schwer schätzen. München orientiert sich aber am Beispiel Heidelberg, das rund 160 000 Einwohner hat und zirka 10 000 Taxi-Gutscheine pro Jahr aushändigt. Übertragen auf München würde das nach Rechnung des KVR bedeuten, dass etwa 93 750 Tickets in München an Münchnerinnen verteilt würden und ungefähr ebenso viele an Frauen, die nicht in München wohnen. Die Höhe der Subvention schätzt das KVR auf rund eine Million Euro.

Das Angebot mit Gutscheinen aus Papier soll zunächst auf das Jahr 2021 beschränkt bleiben, weil die Stadt während der Testphase auch prüfen will, ob sich das Papiermodell möglicherweise durch eine digitale Lösung, etwa eine App, ersetzen lassen kann. So würde sie schon mal die Druckkosten für die Gutscheine sparen.

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Die Idee des Frauentaxis ist nicht neu. Die Grünen haben sie schon 2015 beantragt. Die Stadtverwaltung hat diese aber bisher aus verschiedenen Gründen als nicht notwendig betrachtet. Unter anderem wurde darauf verwiesen, dass München als sichere Großstadt gilt, in der es noch dazu ein gut ausgebautes Netz an öffentlichen Nachtlinien gibt.

Die SPD, die sich ebenfalls für die Frauen-Taxis eingesetzt hat, unterstützt das nun vorgelegte Konzept. "Umfragen zeigen, dass sich Frauen insbesondere abends oder nachts deutlich unsicherer fühlen als Männer", sagt Christian Vorländer, Sprecher der SPD im Kreisverwaltungsausschuss. Das müsse die Politik berücksichtigen. "Mit dem Frauen-Nacht-Taxi können wir Münchnerinnen, die gerne auf dieses Angebot zurückgreifen wollen, eine verlässliche Fahrgelegenheit mit hohem Sicherheitsgefühl ermöglichen", erklärt Vorländer.

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