bedeckt München

Geflüchtete aus Griechenland:Ein verschmähtes Geschenk

Migranten in Griechenland

Das provisorische Zeltlager für Migranten und Flüchtlinge auf Lesbos ist jüngst bei starken Regenfällen zum Teil überflutet worden.

(Foto: dpa)

München hat angeboten, mehrere Hundert Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen. Bund und Land erlauben aber nur 40. Das demotiviert und bremst bürgerschaftliches Engagement.

Kommentar von Bernd Kastner

Im zwischenmenschlichen Kontakt ist es mindestens unhöflich, wenn einer das Geschenk des anderen nicht wertschätzt oder es nicht mal annimmt. Das verletzt, so was tut man nicht. Auf politischem Feld tun Bund und Freistaat genau das: Sie ignorieren, was München und seine Bürger schenken wollen, und das sind nicht hässliche Socken oder Krawatten. München hat angeboten, mehreren Hundert Flüchtlingen, die bisher auf griechischen Inseln hausen, eine Bleibe zu geben. Kommen werden aber maximal 40, vermutlich deutlich weniger. Bund und Land erlauben nicht mehr.

Nun könnte man sagen, dass es gut sei, wenn nur wenige rein dürfen, da in München schon unzählige Einheimische und seit Jahren hier lebende Geflüchtete keine passende Wohnung finden. Dann noch mehr Aufnahmen, freiwillig? Ja, weil es Nothilfe ist. Und weil der Stadtrat, viele Organisationen und Engagierte klar sagen: Wir wollen jenen das Nötigste geben, die auf Lesbos und den anderen Inseln in Zelten und Baracken leben.

Das ist ein ermutigendes Zeichen in Zeiten, da die Sorge um Flüchtlinge die regierenden Politiker kaum mehr kümmert; da viele still und leise froh sind, dass es viel weniger Flüchtlinge nach Deutschland schaffen als noch vor vier, fünf Jahren. Es gibt sie aber immer noch, die Menschen auf dem Meer und in den Lagern. Ihnen gilt das Geschenk der Stadt. Damit es ankommt, müssten Bund und Land das Präsent annehmen und an die Flüchtlinge weiterreichen.

Dass Deutschland, im Einklang mit den meisten anderen europäischen Ländern, nicht mehr Menschen aus dem Schlamm von Lesbos holt, ist ein Fehler, menschlich und politisch betrachtet. Unter ihm leiden die Flüchtlinge. Zudem ist diese Politik ein Affront gegen viele Bürger. Sie demotiviert, sie bremst kommunale Initiativen und bürgerschaftliches Engagement. Dabei ist gerade dies eines der wertvollsten Geschenke der Bürger an die Gemeinschaft.

© SZ vom 22.10.2020/vewo
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