Bar El Tato:Einmal anstellen por favor!

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Die Plätze an der Bar sind oft schon wenige Minuten nach Einlass besetzt. (Foto: Robert Haas)

Seit der Eröffnung bilden sich vor allem am Wochenende lange Schlangen vor dem El Tato. Ist das nur ein Hype oder lohnt sich das Warten?

Von Sarah Maderer

Ab und zu gibt es Neueröffnungen in der Stadt, für die Münchner Schlange stehen. Die "Giorgia Trattoria" am Rosenheimer Platz ist so ein Beispiel. Seit ihrer Eröffnung vor fast zwei Jahren werden dort die Wartenden jeden Abend mit einem schallenden "Buongiorno" empfangen, sobald die Tür aufgeht. Ähnlich wird in der neuen "El Tato Gastrobar" in der Buttermelcherstraße jeder Gast mit einem gut gelaunten "Hola" begrüßt. Zwei Konzepte, eine Botschaft: "Wir sind authentisch, das Warten lohnt sich."

Dass sich schon vor Einlass eine Schlange vor dem El Tato bildet, liegt auch daran, dass man für weniger als fünf Personen nicht reservieren kann. Das gehöre zum Konzept, erklärt Betreiber Chris Schmidt Sanchez. Der gelernte Barkeeper hat zuvor in renommierten Häusern wie der "M'Uniqo Bar" im Hotel Andaz oder der "Ory Bar" im Mandarin Oriental Hotel gearbeitet. Nun hat er in den Räumlichkeiten der einstigen "Ménage Bar" zusammen mit seiner Frau Ginna Sanchez, einer gebürtigen Kolumbianerin, seine erste eigene Bar eröffnet. Die beiden sind viel durch Lateinamerika gereist und haben erkannt, dass es in München wenige Lokale mit Mezcal, Tacos und Co. gibt.

Auch das gehört für die meisten Gäste zum Besuch: Schlangestehen vor der Bar. (Foto: Robert Haas)

Dass man nicht alles planen kann, sei Teil der südamerikanischen Mentalität, meint Schmidt Sanchez. Wer gerne reserviert, muss sich darauf erst einmal einlassen. Denn besonders am Wochenende sind schon wenige Minuten nach Einlass alle Plätze der kleinen Bar besetzt. Wer keinen ergattert hat, kann sich mit einem Cocktail im Gang einreihen. Durchkommen, Platzieren und Überblick behalten ist für den geduldigen Service damit besonders zur Stoßzeit schwer. Wann der nächste Platz frei wird, wissen wohl nur die Gottheiten in der Dekoration.

Schon mit wenigen Stehtischen um einen zentralen Tresen ist der Raum eng bestuhlt. Die mittelbraune Holzverkleidung des Barbereichs verschmilzt mit dem rotbraunen Terrakotta-Ton an den Wänden. Kitschige Tex-Mex-Läden würden an dieser Stelle ein Wand-Tattoo mit Gecko-Motiv anbringen. Im El Tato hat man sich aber für einen dezenten Stil entschieden, abgesehen von den bunt glitzernden Girlanden an der Decke.

Das Hauptaugenmerk liegt auf den Cocktails, und die suchen ihresgleichen. Vor der Eröffnung Mitte Januar hat sich Schmidt Sanchez etwa ein halbes Jahr für die Entwicklung der Rezepte Zeit genommen. Herausgekommen ist eine originelle Barkarte mit sieben "Signature Drinks" und ausgewählten Cocktail-Klassikern. Daneben gibt es frisch gezapftes Corona mit Limette (0,3 Liter für 4,50 Euro) und einzelne Weine."Agave und Zuckerrohr sind unsere Hauptfelder, dazu kommen Pisco und ein Wodka aus eigener Herstellung", so definiert Schmidt Sanchez sein Sortiment.

Der würzige "Ranchero" (14,50 Euro) mit Whiskey, Ayuuk, Orange Bell Pepper und Chipotle entfaltet mit jedem Schluck mehr Schärfe, während der grasgrüne "La Penca" (15 Euro) aus Tequila, Feigenkaktus und Agave so frisch wie ein Sour schmeckt. Und der "Baracoa" (16 Euro) mit Rum, Kamille, Bergamotte und Guave ist auch ohne übertünchende Säfte fruchtig. Preislich liegen die Cocktails im gehobenen Bereich, sind ihr Geld aber wert.

Die Cocktails - eine echte Stärke des El Tato. (Foto: Robert Haas)
Klein, aber lecker: die Street-Food-Gerichte. (Foto: Robert Haas)

Dagegen sollte man die Street-Food-Gerichte angesichts ihrer Preise nicht wie eine Hauptmahlzeit, sondern wie Begleiter zum Drink behandeln. Empanadas (je 4,50 Euro) und Tacos (je 6 Euro) fallen klein aus, sind aber fein gefüllt. Die zwei Rindfleischspieße "Anticucho" für 14,50 Euro könnten zarter sein und das Ceviche für 18,50 Euro üppiger.

Noch scheint der Hype um die El Tato Bar nicht abzuflachen, Schmidt Sanchez bezeichnet den Andrang seit Februar als "ungebrochen". In nächster Zeit kommt man also am besten unter der Woche oder mindestens zu fünft mit Reservierung. Spätestens Ende April könnte sich die Lage dann entspannen. Der Schanigarten ist nämlich schon genehmigt.

El Tato Gastrobar , Buttermelcherstraße 9, 80469 München, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 18 bis 1 Uhr, Freitag und Samstag 18 bis 2 Uhr.

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