München:Geschäftsführung des Deutschen Theaters abberufen

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München: Carmen Bayer und Werner Steer müssen als Geschäftsführer des Deutschen Theaters aufhören.

Carmen Bayer und Werner Steer müssen als Geschäftsführer des Deutschen Theaters aufhören.

(Foto: Florian Peljak)

Das Haus hatte Geld für eine Zulage für seine Mitarbeiter bekommen - diese Summen aber nicht ausbezahlt. Nun hat der Aufsichtsrat Konsequenzen gezogen.

Von Anna Hoben

Das Bild ist abgedroschen, aber im Musiktheater könnte es an dieser Stelle einen Paukenschlag geben: Der Aufsichtsrat des städtischen Deutschen Theaters München hat die Geschäftsführung des Hauses abberufen. Vorausgegangen war eine Sondersitzung des Kontrollgremiums am Freitagabend. Die Trennung erfolge mit Wirkung zum 1. Februar, teilte das Büro der Zweiten Münchner Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) mit. Der Grund seien nicht erfolgte Auszahlungen von Zulagen an die Beschäftigten des Deutschen Theaters. Der Aufsichtsrat werde die Zahlung in die Wege leiten.

Das Deutsche Theater ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt. Der Aufsichtsrat steht unter der Leitung Habenschadens, darin vertreten sind außerdem Kulturreferent Anton Biebl sowie Stadträtinnen und Stadträte der Fraktionen SPD/Volt, Grüne/Rosa Liste und CSU.

Die SZ hatte Anfang Dezember berichtet, dass das Deutsche Theater die städtische München-Zulage an seine Beschäftigten nicht ausgezahlt hat. Die Stadt fördert das Haus mit einem jährlichen Zuschuss in Höhe von 1,9 Millionen Euro. Darin enthalten sind auch 130 000 Euro pro Jahr für den Gehaltszuschlag und das Jobticket - die Mitarbeiter haben das Geld allerdings nie erhalten. Die Geschäftsführung räumte dies damals ein und erklärte, sie habe mit dem Geld - wohl auch pandemiebedingte - Finanzlöcher gestopft. Kurz vor Weihnachten kam der Aufsichtsrat zu einer ersten Sondersitzung zu den Vorgängen zusammen.

Geschäftsführer Werner Steer, der das Deutsche Theater seit 14 Jahren gemeinsam mit Carmen Bayer leitet, wehrte sich am Sonntag in einer schriftlichen Stellungnahme gegen Vorwürfe, das Geld für die München-Zulage sei "anderweitig beziehungsweise zweckwidrig" verwendet worden. "Der von der Landeshauptstadt überwiesene Zuschuss ist in voller Höhe auf den Konten der Betriebs GmbH vorhanden und es bestand zu keiner Zeit die Absicht, diese Gelder zweckwidrig zu verwenden." Weder Bayer noch er hätten durch ihr Vorgehen einen Vorteil gehabt, sondern sie hätten "im Sinne des Unternehmens und der gesetzlichen Vorgaben" gehandelt.

Im Deutschen Theater, so Steer weiter, seien noch nie eine München-Zulage oder ein Jobticket an die Mitarbeiter bezahlt worden. Nach Beginn der Pandemie und der Einführung der Kurzarbeit sei unklar gewesen, ob diese Zuschüsse überhaupt hätten ausbezahlt werden dürfen - wegen des "Besserstellungsverbots" gegenüber den nach Tarif angestellten Mitarbeitern der Stadt. Deshalb, so schreibt Steer, "wurde die Auszahlung der Zulage einstweilen zurückgestellt".

Tatsächlich hat der Stadtrat erst im Frühjahr 2020 beschlossen, die München-Zulage und das Jobticket auch an Mitarbeiter der 100-prozentigen Stadttöchter zu zahlen. Bereits seit 1990 gewährt die Stadt ihren Beschäftigten mit unterem und mittlerem Einkommen einen solchen Zuschuss für das teure Leben in München, er beläuft sich auf mittlerweile 268 Euro.

Doch Steers Argumentation klingt nun anders als noch im Dezember. Damals hatte die Geschäftsführung den Lockdown in der Kulturszene als Grund dafür angegeben, dass die Zuschüsse der Stadt die Mitarbeiter nicht erreichten. Die Deutsche Theater Betriebs GmbH sei seit März 2020 wegen der fehlenden Einnahmen insolvenzgefährdet gewesen, schrieben sie in einer Stellungnahme. Die Stadt habe die missliche Situation im Jahr 2020 mit "einem Sonderfonds in Höhe von 1,5 Millionen Euro abgefedert". Dennoch befinde sich die Theater-Gesellschaft nach wie vor in einer schwierigen Situation. "Die Thematik der Zulagen wurde daher bislang zurückgestellt, weil es zunächst um existenzsichernde Maßnahmen, zum Beispiel auch durch Beantragung von Kurzarbeitergeld ging."

Über die Entscheidung des Aufsichtsrats sei er "mehr als unglücklich", das Theater sei für ihn immer eine "Herzensangelegenheit" gewesen, schrieb Steer am Sonntag. Gerne hätte er das Theater wieder zurück auf die Erfolgsspur gebracht. "Das ist mir jetzt leider verwehrt."

Die Stadt sucht nun nach einer Interimslösung für die Leitung des Hauses. Klar ist, dass es schnell gehen muss.

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