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Prozess um entladene Batterie:Im Museum festgeparkt

Spiel-Raum für neue Energien
Die große Sonderausstellung "energie.wenden" ist ab 15. Februar im Deutschen Museum zu erleben

So still stand er leider auch nach der Ausstellung da: der Tesla Roadster von Rafael de Mestre.

(Foto: Deutsches Museum)

Rafael de Mestre raste mit einem Elektroauto in 80 Tagen um die Welt - und lieh es dem Deutschen Museum für eine Ausstellung. Doch danach sprang der teure Tesla nicht mehr an. Was lief schief?

Von Stephan Handel

Rafael de Mestre hat gewiss in seinem Leben schon größere Schwierigkeiten als die, die ihn am Montag gegen Mittag erwarten: Er veranstaltet Rennen für Elektroautos und ist selbst mit einem Tesla Roadster stromgetrieben zweimal um die Erde gefahren, beim zweiten Mal brauchte er dafür nur die legendären 80 Tage. Aber eine Verhandlung vor dem Landgericht schien ihn dann doch mehr Nerven zu kosten als die Suche nach einer Steckdose in Kirgisistan.

Im Jahr 2017 nämlich veranstaltete das Deutsche Museum eine Sonderausstellung namens "Energiewenden", in der der Wandel in der Energiegewinnung von der Dampfmaschine bis zum Sonnen-Kollektor gezeigt wurde. Bestandteil der Ausstellung: de Mestres Erdumkreisungs-Roadster. Von Februar 2017 bis November 2018 sahen mehr als 680 000 Menschen die Schau und das Auto. Aber als de Mestre sein Fahrzeug wieder abholen wollte - da ging nichts mehr. Die Batterie war total entladen - obwohl doch im Leihvertrag festgelegt war, dass das Museum durch geschultes Personal dafür zu sorgen hat, dass genau das nicht passiert. De Mestre kann sich den Fehler nur so erklären, dass die von ihm eingewiesenen Mitarbeiter später ausgewechselt worden waren - und dass die neuen Betreuer nicht darauf achteten, dass durchs Ladekabel kein Strom mehr floß, warum auch immer.

Eine defekte Batterie beim Tesla - das ist ein teurer Spaß: Eine neue kostet mit Einbau leicht mal mehr las 30 000 Euro. Und weil de Mestre sagt, er habe dem Museum auch ein 5000 Euro teures Hardtop für das Auto übergeben - was dieses bestreitet -, kam es schließlich zu Klage. Doch die ist nicht so einfach, wie der Kläger sich das vielleicht vorgestellt hat.

Denn in dem Leihvertrag steht etwa, dass bei Auseinandersetzungen zunächst eine Schiedsstelle bei der Industrie- und Handelskammer anzurufen ist. Das gilt aber nur, wenn de Mestre dem Deutschen Museum als Verbraucher gegenübertritt - und das wäre er nur, wenn er mit seinen Autorennen kein Geld verdient, diese also als Liebhaberei gelten würden. Sodann könnte es sein, dass die Ansprüche schon verjährt sind. Um das herauszufinden, müsste die gesamte Korrespondenz daraufhin geprüft werden, ob ihr jeweiliger Inhalt darauf Einfluss hat. Und wäre das geklärt, würde erst die eigentliche Suche beginnen: Wer wann und ob überhaupt einen Fehler gemacht hat, da bräuchte es Gutachten und Beweisaufnahmen und Zeugenaussagen - kein Wunder, dass Richter Christian Schupp doch anregt, über eine gütliche Einigung wenigstens zu reden.

Worüber aber soll man sich vergleichen, wenn schon nicht klar ist, worum es überhaupt geht? Das Museum sagt weiterhin, es sei kein Hardtop übergeben worden, also könnten die geforderten 5000 Euro doch auch nicht in eine Summe einfließen, mit der am Ende beide Seiten gleich zufrieden und gleich unzufrieden sind. Und: Wie viel kostet es nun eigentlich, eine neue Batterie einzubauen? 8000 Euro, wie de Mestre sagt? Oder doch nur 1300, wie in irgendeinem Schriftsatz steht?

De Mestre macht einen unkonventionellen Vorschlag: Das Museum solle doch die Reparatur veranlassen und ihm das dann wieder fahrbereite Auto "auf den Hof stellen". Da aber schlägt Richter Schupp die Hände über dem Kopf zusammen: "Bei einem solchen Vorschlag bekommen alle Juristen einen Herzinfarkt." Man stelle sich nur vor, bei der Reparatur gehe erneut was schief, dann hat die Streiterei erst recht kein Ende.

Der Kläger ist nun deutlich auf dem Rückzug: Auf 30 000 Euro hat er seine Forderung mittlerweile heruntergeschraubt, das Museum bietet stur nicht mehr als 10 000. Dann geht's runter auf 15 000, auf 11 000 plus Mehrwertsteuer, also zirka 13 000. Zum Schluss erhöht das Deutsche Museum doch noch einmal auf 12 000 Euro, und de Mestre schlägt ein. Am Dienstagmittag erhält er zudem Zutritt zu den Depots des Deutschen Museums: Da kann er dann sein verschwundenes Hardtop suchen.

© SZ vom 23.02.2021/berk
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