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Freizeit:Technik, die begeistert

Sabine Rojahn im Deutschen Museum in München, 2016

"Wir wollen auch gerade das Tagesgeschäft des Museums unterstützen", sagt Sabine Rojahn.

(Foto: Florian Peljak)

Seit 20 Jahren hilft der Freundeskreis des Deutschen Museums hinter den Kulissen

Von Martina Scherf

Die geplante Party fiel aus, ebenso die gemeinsame Japanreise. Der Freundeskreis des Deutschen Museums wollte sein 20-jähriges Bestehen gebührend feiern, doch die coronabedingten Beschränkungen machten es unmöglich. So fand die Mitgliederversammlung erstmals virtuell statt. An der Erfolgsgeschichte ändert das nichts. Die Museumsfreunde haben vieles erst ermöglicht, was die Besucher längst zu schätzen wissen.

Christiane Kaske, die Witwe des früheren Siemens-Chefs und Museums-Verwaltungsratsvorsitzenden Karlheinz Kaske, hatte den Verein vor 20 Jahren ins Leben gerufen. Große Firmen wie Daimler und Siemens waren dabei, aber auch prominente Personen wie der Astronaut Ulrich Walter. Nach der Pilotin Isolde Wördehoff ist heute die Anwältin Sabine Rojahn Vorsitzende. Unter ihrer Leitung wuchs die Zahl der Mitglieder auf 420.

Mehrere Millionen Euro haben die Freunde gespendet, für die Sanierung, für Ankäufe und Vermittlungsangebote, mehr als hundert Einzelprojekte wurden unterstützt. Objekte wie der legendäre Synthesizer Moog IIIp, den schon die Beatles in den Händen hielten, konnten gekauft werden. Die Lange Nacht der Museen wurde unterstützt, Kinder-Programme wie "Musik zum Anfassen" oder kostenlose Führungen für Geflüchtete. "Wir wollen auch gerade das Tagesgeschäft des Museums unterstützen, nicht nur die großen Dinge", sagt Sabine Rojahn.

Deshalb entwickelten die Freunde in diesem Jahr auf die Schnelle auch digitale Programme. Da trifft es sich gut, dass auch Wieland Holfelder, Münchner Google-Chef, an Bord ist, als stellvertretender Vorsitzender. Das Deutsche Museum soll sichtbar bleiben. Vorstandsmitglied Monika Czernin ist Autorin und Regisseurin, sie hat mit Museumsmitarbeitern und Mitgliedern des Freundeskreises kleine, professionelle Filme gedreht, in denen wichtige Ausstellungsstücke präsentiert werden. Videoführungen durchs Museum - in 360-Grad-Technik gedreht - kamen hinzu. Auch die erfolgreiche Museums-App wurde vom Freundeskreis unterstützt. All diese Dinge wären im festen Etat nicht drin, oder zumindest nicht so schnell umzusetzen, sagt Rojahn - zumal das Museum unter den Kosten seiner Generalsanierung ächzt.

Früher war der Freundeskreis eher ein finanzkräftiger Seniorenclub, es waren vor allem Unternehmer, Ingenieure, Wissenschaftler dabei. Inzwischen hat der Verein aber fast 70 Junioren als Mitglieder. "Das ist wunderbar, denn sie bringen frischen Wind herein", sagt Rojahn. Angebote für jüngeres Publikum und digitale Formate, solche Ideen würden die Jungmitglieder entwickeln. Die Patentanwältin sprüht selbst vor Begeisterung fürs Museum. Sie ist froh, dass das Haus trotz Sanierung geöffnet ist, soweit es die Coronabeschränkungen zulassen. "Wir dürfen die junge Generation nicht verlieren, wir müssen immer wieder neue Ansätze finden, um ihr die Bedeutung von Naturwissenschaft und Technik zu vermitteln."

Es sei schwerer geworden, Sponsoren fürs Museum zu finden, sagt sie. Zumal es in München Konkurrenz gibt, mit Oper, Kunstmuseen, Orchestern. Aber jetzt, da das größte deutsche Technikmuseum sich endlich runderneuert, sei es doch umso wertvoller. "Und wir alle, die es uns leisten können, haben auch eine Verantwortung für die Gesellschaft und ihre Kulturgüter", sagt Rojahn.

© SZ vom 18.11.2020/van
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