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Demonstration gegen Corona-Maßnahmen:Münchner Demo bleibt weitgehend friedlich

Corona-Demo auf der Münchner Theresienwiese.

Begrenzt auf 1000 Teilnehmer: die Demo auf der Theresienwiese.

(Foto: Stephan Rumpf)

Neben der eigentlichen Veranstaltung auf der Theresienwiese versammelten sich etwa 2500 weitere Demonstranten. Die Polizei spricht Platzverweise aus, 200 Personen werden vorübergehend in Gewahrsam genommen.

Von Linus Freymark und Tom Soyer

Die Demonstration gegen Corona-Beschränkungen ist auf der Münchner Theresienwiese am Samstag gegen 17 Uhr weitgehend friedlich zu Ende gegangen. Am Rande der Veranstaltung, so die Polizei, habe es vereinzelt Auseinandersetzungen gegeben.

Weil die vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) genehmigte Obergrenze von 1000 Teilnehmern auf der Theresienwiese selbst bereits um 14.30 Uhr erreicht war, hatte die Polizei alle Zugänge gesperrt. Außerhalb der Absperrungen, vor allem auf dem Bavariaring, versammelten sich nach Schätzungen der Münchner Polizei noch einmal bis zu 2500 Menschen - und beteiligten sich durch Applaus und andere Reaktionen auf das Bühnengeschehen aus der Ferne an der Kundgebung.

Durchsagen der Polizei, den Bereich in der Nähe des Demogeländes zu verlassen, quittierten Demonstranten mit Buhrufen. Die Beamten sprachen Platzverweise aus, nahmen Personalien auf und schrieben mehr als 20 Anzeigen, weil vorgeschriebene Mindestabstände nicht eingehalten wurden. Mehr als 200 Menschen seien außerhalb der eigentlichen Demonstration vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, weil sie den Platzverweisen keine Folge leisten wollten oder sich als Rädelsführer betätigt hatten, um das Publikum aufzuhetzen.

Distanz zu "politischen Extremisten von Rechts und Links"

Dieses Aufhetzen, so Münchens Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins, sei wegen der Besonnenheit des Publikums nicht geglückt. Das überwiegend bürgerliche Publikum sei lieber auf Distanz zu einigen erkennbar agitierenden "politischen Extremisten von Rechts und Links" gegangen. Zudem hätten auch die Polizeibeamten mit großer Gelassenheit agiert und einer Eskalation entgegengewirkt. Einzig bei der vorübergehenden Festnahme einiger rechter Hooligans kam es zu Aufwallungen, als diese die Polizei mit "Gestapo"-Rufen bedachte.

Die rund 1000 Einsatzkräfte traten erkennbar geduldig auf und vermieden direkte Konfrontationen, bei denen die Corona-bedingten Mindestabstände nur noch schwer gewahrt werden können. Das überraschte anfangs, denn die Polizei hatte angekündigt, entschlossen auch gegen jede andere Gruppenbildung auf der Theresienwiese vorzugehen, diese als nicht genehmigte Versammlungen zu bewerten und aufzulösen. Erst nach mehr als einer Stunde begannen die Beamten, an einzelnen Stellen solche Gruppen aufzulösen, obwohl auf einer Länge von vielen hundert Metern Menschen die Demonstration vom Rand der Theresienwiese gleichsam wie Teilnehmer auf Distanz mitverfolgten. Anders als bei der eigentlichen Kundgebung selbst hielten sich viele dieser Zaungäste nicht an die Mindestabstände und standen eng beisammen.

Ursprünglich war die Demonstration für 10 000 Teilnehmer angemeldet worden, die städtischen Behörden begrenzten die Zahl jedoch auf 1000. Das war auch eine Reaktion auf die Situation auf dem Marienplatz am vergangenen Samstag. Dort hatten - unter Missachtung der Abstandsregeln - etwa 3000 Teilnehmer gegen die Corona-Beschränkungen demonstriert, obwohl nur 80 angemeldet worden waren. Die auf dem Platz postierten Beamten griffen, wie es später zur Begründung hieß, "aus Gründen der Verhältnismäßigkeit" nicht ein, was Kritik an der Einsatztaktik der Polizei ausgelöst hatte.

An diesem Samstag nun hatte die Münchner Polizei ihr wiederum zurückhaltendes Einsatzkonzept aber von Haus aus anders angelegt. "Frühzeitigkeit und Weiträumigkeit" seien die Säulen der Einsatztaktik gewesen, erläuterte Sprecher Marcus da Gloria Martins: Schon weit vor der Theresienwiese seien Menschen abgefangen worden, als klar war, dass die genehmigte Anzahl von 1000 Demonstranten erreicht worden sei. Und auf der riesigen Oktoberfestwiese war es letztlich für die Demonstration auch nicht entscheidend, dass es außerhalb noch eine große Zahl von Zaungästen in weitem Abstand gegeben hat.

Die Zahl der vorübergehenden Festnahmen ist mit 200 zwar hoch, das Geplänkel zwischen Demonstranten und Polizei verlief aber relativ undramatisch, weshalb die Polizei insgesamt mit dem Sicherheitskonzept am Ende zufrieden war. Die Frage, was diese Demonstration mit dem Einsatz von 1000 Polizeikräften - einige davon hoch zu Pferd - insgesamt gekostet hat, wollte der Polizeisprecher nach der Demo aus dem Stand lieber nicht beantworten.

© SZ.de/lfr/ghe
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