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Tourismus:Wie lockt man den Niederbayern nach München?

Coronavirus - Innengastronomie in Bayern öffnet wieder

Im Klosterwirt sorgt die Queen für Abstand, während man bei der Stadt darüber nachdenkt, wie man den darbenden Gastronomen helfen kann.

(Foto: dpa)

Der Stadtrat will künftig um mehr Touristen werben - denn selbst Tagesausflügler scheinen derzeit die dicht bevölkerte Großstadt zu meiden. Von welchen Maßnahmen nun die Rede ist.

Von Dominik Hutter

Das wirklich zündende Konzept für die aktuell komplett brachliegende Bar- und Clubszene steht noch aus. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl tat sich ein wenig schwer bei der Vorstellung von wild zuckenden Partygästen mit Kopfhörern in dem von Kliniken umgebenen Nußbaumpark - das Prinzip der Silent-Discos im Freien hatten Grüne und SPD vorgeschlagen. Grundsätzlich aber sehen es alle im Stadtrat gleich: nichts ausschließen, vielleicht einfach mal ausprobieren.

Willens ist das Rathaus jedenfalls, dem Münchner Nachtleben unter die Arme zu greifen. Denn das, so äußerte ein Vertreter der Szene am Dienstag im Wirtschaftsausschuss, blicke "äußerst sorgenvoll in die Zukunft". Noch einmal sechs bis neun Monate ausharren, sei nicht drin. Immerhin: Das Kommunalreferat soll nun prüfen, ob man den Clubbesitzern ein paar Einnahmen zukommen lässt. Indem man deren Räumlichkeiten für anderweitige Nutzungen anmietet.

Im Wirtschaftsreferat wird derzeit intensiv darüber nachgedacht, wie sich der besonders betroffenen Tourismuswirtschaft, der Gastronomie und Kulturwirtschaft helfen lässt. Denn so richtig rund läuft es auch nach der Öffnung der Restaurant-Innenräume noch nicht, wie Christian Schottenhamel berichtet. Der Münchner Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands hat bei einem Spaziergang durch die Stadt am Montagabend noch jede Menge freie Plätze in den Innenstadt-Lokalen ausgemacht.

Das Problem: Selbst Tagesausflügler scheinen derzeit die dicht bevölkerten Großstädte zu meiden, weichen lieber aufs platte Land aus. "Wir machen gerade Service am Kunden", berichtet Schottenhamel. Denn der überschaubare Andrang und das stark reduzierte Platzkontingent machten einen wirtschaftlichen Betrieb eigentlich unmöglich. Wolfgang Fischer von der Innenstadt-Initiative "City-Partner" warnt davor, aus den Schlangen vor den Läden in der Fußgängerzone auf starken Andrang zu schließen. Drinnen sei es nahezu leer - das Abstandsgebot macht es nötig.

Weshalb die Stadt nun gezielt um Touristen werben will - eine eher neue Erfahrung, denn Bayerns Landeshauptstadt galt bislang touristisch eher als Selbstläufer. Die wichtige Frage laute nun, so SPD-Stadträtin Simone Burger: "Wie schafft man es, jemanden aus Niederbayern zu überzeugen, seinen Wochenendurlaub in München zu verbringen?" - "Ihn mit dem Auto reinfahren lassen", frotzelte prompt CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl.

Tatsächlich aber entspricht Burgers Zielgruppe dem Tourismuskonzept von Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner, der ganz langsam anfangen will mit dem Werben: erst in der Region, dann in Deutschland, im deutschsprachigen Ausland und schließlich auch wieder europa- und weltweit. Alles der Reihe nach. Was das alles kostet, muss Baumgärtner noch nachliefern. Der Stadtrat beschloss aber schon einmal, entsprechende Schritte zugunsten der darbenden Tourismusbranche zu unternehmen.

Aber auch den Münchnern soll Urlaub in der eigenen Stadt leicht gemacht werden. Auf Vorschlag der grün-roten Koalition beschloss der Stadtrat, dass die Verwaltung ausreichend Ferienangebote zur Verfügung stellt - für jedermann und möglichst preisgünstig bis gratis. Das Konzept dafür muss allerdings erst noch erarbeitet werden.

© SZ vom 27.05.2020
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