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Christkindlmarkt :Neuer Zoff um den Budenzauber

Christkindlmarkt in München, 2013

Nicht nur schnell konsumierbare Massenware soll es auf dem Weihnachtsmarkt am Harras geben, fordern Lokalpolitiker.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Nach dem Aus des alten Christkindlmarkts auf dem Harras gibt es große Befürchtungen, dass die Neuauflage wieder zu einer Trink-, Fress- und Trash-Meile wird. Die Lokalpolitiker stimmen deshalb nur unter Bedingungen zu

Von Birgit Lotze, Sendling

Eigentlich sollten Trink-, Fress- und Trash-Buden zur Weihnachtszeit keine Chance mehr bekommen, sich auf dem Harras breitzumachen. Deshalb hatte der Sendlinger Bezirksausschuss (BA) die Trennung vom damaligen Generalunternehmer nach dem letztjährigen Christkindlmarkt provoziert. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) wollte einen neuen Kandidaten suchen, einen, der möglichst auf Bio, Fairtrade sowie auf Waren aus Behindertenwerkstätten und Integrationsprojekten setzt. So ganz erfolgreich war die Suche wohl nicht. Jedenfalls zeigten sich die Mitglieder des Bezirksausschusses, die einmal ohne, einmal mit dem ausgewählten Kandidaten in einem Unterausschuss tagten, nach dem Kennenlernen keinesfalls überzeugt. Am Montagabend folgte nun ein Beschluss: Sofern der neue Marktbetreiber die Bedingungen der Lokalpolitiker anerkennt, soll er den Weihnachtsmarkt auf dem Harras mit BA-Zustimmung organisieren. Falls nicht, will der BA nicht, dass er dort tätig wird.

Es war schon in den vergangenen Wochen durchgesickert, dass der vom KVR präsentierte neue Betreiber den Vorstellungen der Sendlinger nicht entspricht und der Weihnachtsmarkt, den es seit 2013 gibt, in diesem Jahr sogar ausfallen könnte. "Falls das Gerücht stimmt, sind wir maßlos enttäuscht", protestierte ein Sendlinger in der Bürgersprechstunde. Doch sogar die CSU, die in früheren Jahren die Probleme mit dem ehemaligen Marktbetreiber zwar angesprochen, doch nie den Weihnachtsmarkt an sich in Frage gestellt hatte, wollte diesmal ein klares Signal setzen. "Wir wollen den Christkindlmarkt, aber nicht um jeden Preis", sagte CSU-Fraktionssprecher Thomas Kaiser. So, wie das Verfahren bislang geführt und wie die Vorstellung des Betreibers abgelaufen sei, "müssen wir ablehnen und damit auch ein Zeichen setzen - auch an das KVR".

Würstl statt Plätzchen, eher Jahrmarkt denn Weihnachtsmarkt - so war das Urteil über den Harras-Budenzauber der vergangenen Jahre ausgefallen. Der BA-Vorsitzende Markus Lutz (SPD) sagte am Montag, dass der von der Behörde bestimmte neue Kandidat im Unterausschuss zwar gesagt habe, er wolle die Vorstellungen des BA umsetzen. Er habe aber nicht den Eindruck gemacht, dass er die Forderungen und Wünsche auch umsetzen werde. Elisabeth Robles-Salgado (Grüne) erwähnte, dass er nicht einmal mitgeschrieben habe. Auch habe der vorgestellte Organisator bereits Budenbetreiber zur Teilnahme aufgefordert, mit denen es in den vergangenen Jahren Probleme gegeben habe. Der BA hatte gefordert, früheren Anbietern wieder eine Chance zu geben, hatte dabei allerdings eher nachhaltig arbeitende Produzenten, Kunsthandwerker und Sendlinger Teilnehmer im Blick gehabt als Fress- und Saufstände. Sie stelle sich eher so etwas wie die "Gans am Wasser" im Westpark als Vorlage für den Weihnachtsmarkt auf dem Harras vor, fasste Robles-Salgado zusammen.

Doch Marktangelegenheiten sind KVR-Sache: Der BA wird gehört, kann aber nur Wünsche äußern. Markus Lutz erinnerte daran, dass das KVR als Behörde wohl den Weihnachtsmarkt ermöglichen werde, ohne schwerwiegende Gründe könne die Verwaltung den Kandidaten kaum ablehnen, die Stadt verdiene schließlich auch daran. Elisabeth Robles-Salgado (Grüne) sprach von einer "Kröte", die man schlucken müsse. "Wir sind insgesamt sehr skeptisch, aber es ist offenbar so, dass wir nicht viel sagen können." Der BA habe in den Christkindlmarkt in den vergangenen Jahren viel Aufwand gesteckt, das werde einfach ignoriert, klagte sie. "Wir möchten ja einen Weihnachtsmarkt, doch einen schönen und romantischen. Einen, wo man auch mit den Enkelkindern hingehen kann."

Der Regelkatalog des BA für den Harras-Weihnachtsmarkt ist lang nach den Erfahrungen mit dem ehemaligen Betreiber. So sollen die Auf- und Abbauzeiten kurz gehalten werden, die Abstände der Buden zur langen Bank so groß sein, dass man dort noch sitzen kann. Es soll keine lebende Krippe und keine Lager, Bauzäune oder Kabelhaufen geben. Auch sollen Toiletten aufgestellt werden. Und dann soll der Betreiber seine Ideen mit dem BA abstimmen und in der zweiten Dezember-Woche für Sendlinger Vereine, Institutionen und Kirchen eine Bude kostenfrei zur Verfügung stellen. "Wir stimmen nur unter den Bedingungen zu", erklärte SPD-Sprecher Ernst Dill, der den Antrag formulierte. "Die weiß der Betreiber doch gar nicht mehr", befürchtet Robles-Salgado. "Er kriegt sie schwarz auf weiß", bestimmte Lutz.

In den vergangenen Jahren war auch die laute Musik mit oft primitiven Texten auf dem Christkindlmarkt am Harras kritisiert worden, der Gestank, der herumliegende Müll. Ein Dorn im Auge waren auch Stauräume von Händlern, die damit angeblich den Harras zum Lagerplatz gemacht hätten. Auch sollen ausschließlich Hütten und Buden aufgestellt werden - also keine Wagen oder übergroße Stände. Kritisiert wurde auch, dass viele Stände von Gewerbetreibenden aus anderen Bundesländern organisiert worden seien.

© SZ vom 09.10.2019

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