bedeckt München

Kultur in München:"Ein echter Coup für die Musikstadt"

Der neue Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters: Sir Simon Rattle bei einem Konzert des London Symphony Orchestra.

(Foto: AFP)

Die Berufung von Sir Simon Rattle zum neuen Chefdirigenten des BR-Symphonieorchesters begeistert Kulturschaffende und Politiker. Sie hoffen auf Rat für den Bau des neuen Konzerthauses.

Protokolle von SZ-Autorinnen und SZ-Autoren

Lange war es ein Gerücht, nun ist es offiziell: Sir Simon Rattle, 65, übernimmt von der Konzertsaison 2023/24 an die Leitung von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks (BR). Der britische Stardirigent tritt damit die Nachfolge des 2019 gestorbenen Mariss Jansons an. Die Reaktionen aus Kultur und Politik fallen durchweg positiv bis überschwänglich aus.

Bernd Sibler, Kunstminister: "Mit Sir Simon Rattle steht künftig einer der größten Musiker und Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit an der Spitze des Symphonieorchesters des BR. Ich freue mich außerordentlich - ein echter Coup für die Musikstadt München und den Kulturstaat Bayern! Sir Simon Rattle steht nicht nur für mitreißende Konzerte. Er setzt sich auch leidenschaftlich dafür ein, dass klassische Musik Menschen jeder Herkunft und jeden Alters erreicht. Die Vermittlung von Musik gerade an junge Menschen ist ihm ein Herzensanliegen. Er hat auch früh auf die neuen Möglichkeiten der digitalen Kulturvermittlung gesetzt und diese maßgeblich vorangebracht. Für sein Wirken in München als neuer Chefdirigent des BRSO sind das beste Voraussetzungen: Die leidenschaftliche Vermittlung von Musik - live und digital - und die Verbindung von höchstem künstlerischen Anspruch mit niedriger Hemmschwelle für das Publikum sind auch für das geplante neue Konzerthaus München wesentliche Ziele."

Dieter Reiter, Oberbürgermeister: "Simon Rattle ist eine sehr gute Wahl - für das BR-Symphonieorchester und für München! Die Reihe herausragender Dirigenten für die Orchester in unserer Stadt setzt sich mit der Wahl Rattles auf beeindruckende Weise fort. Ich gratuliere dem Symphonieorchester zu dieser Entscheidung und wünsche Orchester, Chor und Chefdirigent eine prägende Zusammenarbeit."

Anne-Sophie Mutter, Geigerin: "Meine musikalische Freundschaft mit Sir Simon begann in den Achtzigerjahren in Birmingham. Ganz besonders bewundere ich an diesem Ausnahmemusiker die Bandbreite seines Repertoires - von Haydn bis Adès. Sein Verdienst um die permanente Erweiterung des zeitgenössischen Repertoires kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Welt der Oper ist ihm ebenso leidenschaftlich vertraut wie beispielsweise historisches Instrumentarium oder Filmmusik. Wer erinnert sich nicht an seine hinreißenden Aufnahmen für die Verfilmung von Patrick Süßkinds "Das Parfum"? Es ist wohl aber seine - trotz aller Mühen - ansteckende Freude am Musizieren, die eine breite Zuhörerschaft mitreißt. Unvergesslich die 200 jungen Tänzer bei Igor Stravinskys "Le sacre du printemps" für das Projekt Zukunft@BPhil. Ekstase und Disziplin in Perfektion! All das und noch viel mehr wollen wir nun mit dem unbremsbaren Meister und seinem neuen Instrument - dem wunderbaren BR-Symphonieorchester - erleben. Die Sehnsucht ist riesig; möge 2023 schnell kommen!"

Georg Randlkofer, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Neues Konzerthaus: "Es ist eine große Freude, dass es zu dieser doch sehr schnellen Ernennung gekommen ist. Was ich so besonders gut finde: Simon Rattle hat sowohl bei den Berliner Philharmonikern wie beim London Symphony Orchestra gezeigt, dass er großartige Education-Programme aufstellen kann. Dieses Thema ist für uns als Stiftung eine sehr wichtige Aufgabe: Wir werden Gelder sammeln, um dann, wenn das Konzerthaus steht, Education-Programme zu fördern - und wenn wir da jemanden wie Simon Rattle an der Seite haben, ist das für uns eine ganz große Bereicherung. Außerdem wird Simon Rattle sicher auch für die Zukunftsfähigkeit des Konzerthaus-Projektes große Beiträge leisten können. Wir haben in diesen zwölf Monaten gemerkt, dass jemand gefehlt hat, der genau sagt, was man als Künstler in der heutigen Zeit von einem Konzerthaus verlangen muss - und dass man nicht einfach ein Konzerthaus bauen darf, wie man es immer schon gebaut hat. Da wird er sicher ein großer Unterstützer sein."

Konzerthaus München Neubau Siegerentwurf

Künftige Heimat des BR-Symphonieorchesters: Der Entwurf für das Konzerthaus im Werksviertel stammt vom Bregenzer Team Cukrowicz Nachbaur.

Anton Biebl, Kulturreferent: "Mit Sir Simon Rattle gewinnen der BR und die Stadt München eine großartige Künstlerpersönlichkeit und das Symphonieorchester eine klare Perspektive, die gerade in den jetzigen Zeiten so wichtig ist. Damit übernimmt die Nachfolge Mariss Jansons ein überaus charismatischer Dirigent, der für innovative Konzeptionen und Musikvermittlung steht. Ich heiße Simon Rattle in München wärmstens willkommen und freue mich auf spannende und neue Impulse für die Musikstadt München."

Sol Gabetta, Cellistin: "Welch fantastische Nachricht, dass Sir Simon Rattle zum neuen Chefdirigenten des BRSO benannt worden ist! Sowohl für das Publikum, als vor allem auch für das Orchester und sämtliche Solisten, die das Glück haben werden, unter seiner Leitung spielen zu können. Er ist nicht nur einer der größten Dirigenten unserer Zeit, sondern auch ein sehr großzügiger und visionärer Musiker."

Max Wagner, Gasteig-Chef: "Simon Rattle ist ein Glücksfall für das Symphonieorchester des BR und für München. Ich bin nicht nur großer Fan des Dirigenten Simon Rattle, sondern auch des Kulturvermittlers. Mit seinem Einsatz, seiner Offenheit und Fähigkeit Menschen für die klassische Musik zu begeistern, setzt er Standards in der Vermittlungsarbeit. Da uns das Thema auch sehr am Herzen liegt, bin ich umso gespannter auf die zukünftige Zusammenarbeit. Und natürlich freue ich mich darauf, wenn er das erste Mal im Gasteig Sendling am Dirigentenpult stehen wird."

Paul Müller, Intendant der Münchner Philharmoniker: "Mit Simon Rattle als Nachfolger von Mariss Jansons hat der BR für sein Symphonieorchester eine herausragende und richtungsweisende Wahl getroffen. Simon Rattle gehört zu den herausragenden Dirigenten, die wichtige Tugenden miteinander verbinden: natürlich an erster Stelle seine musikalische und dirigentische Klasse, seine Energie und Passion und faszinierende Ausstrahlung, seine internationale Bedeutung und Vernetzung und last but not least sein hohes Interesse, jüngere Generationen mit unserer Musik in Verbindung zu bringen uns diese zu begeistern. Herzlichen Glückwunsch, das bringt einen weiteren major player in die Musikstadt München und das ist gut so!"

Juliane Banse, Sopranistin: "Ich bin begeistert über die Entscheidung, dass Sir Simon nach München kommen wird. Was für ein Glück für das BRSO, für München, für das Publikum. Ich freue mich auf inspirierende, beglückende und mitreißende Musikerlebnisse in dieser neuen fantastischen Konstellation."

Christian Gerhaher, Bariton: Christian Gerhaher, Bariton: "Ich liebe Simon Rattle. Von drei Dirigenten - Herbert Blomstedt, Daniel Harding und Simon Rattle -, die das BRSO, dieses großartige Orchester, wie ich finde, besonders gut verstehen und als Dirigenten animieren, wird jetzt einer der neue Chef! Das macht mich glücklich und ist für München unglaublich wichtig, auch in Hinblick auf den Bau des neuen Konzerthauses. Simon repräsentiert das Orchester ästhetisch ideal, er ist vielseitig und, für das BRSO sehr wichtig, der musikalischen Avantgarde aufgeschlossen. Ein Charismatiker und ein unglaublicher Techniker, zweifellos einer der wichtigsten Dirigenten unserer Zeit. Zuletzt sind wir zusammen 2018 in New York aufgetreten, mit Mahlers "Das Lied von der Erde", bald also wird es hoffentlich ein Wiedersehen auf der Bühne beim BRSO geben. Ein kleines weinendes Auge dennoch für Daniel Harding, der das Amt auch verdient hätte (in meinen Augen)."

© SZ vom 12.01.2021
Zur SZ-Startseite
Sir Simon Rattle

SZ PlusSir Simon Rattle
:Endlich kommt der Meister

Sir Simon Rattle wird Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters und Nachfolger des verstorbenen Mariss Jansons. Die Position des Münchner Orchesters an der Weltspitze ist damit unangefochten.

Von Reinhard J. Brembeck

Lesen Sie mehr zum Thema