Das erbitterte Ringen um die Kosten hat eine grundsätzliche Entscheidung für die Gesamtsanierung des Gasteig vorerst verhindert. Eigentlich wollten der Wirtschafts- und Kulturausschuss am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung die Weichen für die vollumfängliche Rundumerneuerung des größten Kulturzentrums Europas endgültig stellen. Diese stand wegen der hohen Kosten bis zuletzt infrage, die SPD hatte lange eine deutlich billigere Basislösung favorisiert.
Die dramatische Haushaltskrise infolge von Corona verschärfte die Situation - ebenso wie die 85 Millionen Euro für die Erstausstattung, die der Gasteig nun zusätzlich zur 450 Millionen Euro teuren Bausumme haben will. Das akzeptierte Grün-Rot nicht und forderte ein Sparkonzept - das in der Sitzung am Dienstag jedoch nicht vorgelegt wurde. Deshalb vertagten die Ausschüsse den Zukunftsbeschluss.

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Für die Kultur wäre eigentlich ein Budget von 251 Millionen Euro vorgesehen gewesen. Nun muss gespart werden - vor allem bei den großen Institutionen.
Gasteig-Chef Max Wagner gerät zunehmend unter Druck. Die Sozialdemokraten sind schon länger nicht sehr glücklich mit seinem Vorgehen bei der Sanierung. Nun sollen in der Sitzung auch die Grünen ernsthaft verstimmt gewesen sein. Denn die Koalition hatte ihm ausdrücklich schon vor Wochen zu verstehen gegeben, dass es die große Lösung gebe, wenn er die 85 Millionen deutlich abspeckt und in den Kostenrahmen von 450 Millionen Euro packt.
Die nun vom zuständigen Wirtschaftsreferat vorgelegte Beschlussvorlage legte über viele Seiten aber wortreich und fast ausschließlich dar, dass man schon sehr viel gespart habe und mehr nicht mehr drin sei. Pro Forma kam der Vorschlag, man könne ja noch viele Millionen bei der Sanierung des Konzertsaals streichen. Dass dies nicht zur Debatte steht und stand, weiß selbstverständlich auch der Gasteig. Von den 85 Millionen rückte er keinen Euro ab.
Dass Grüne und SPD sich weigern, die Kosten noch einmal nach oben zu setzen, liegt nicht nur an der Haushaltslage. Die Kämmerei hat für die Stadträte zusammengerechnet, was die Sanierung inklusive Umzug, Bau und Betrieb des Interimsgebäudes in Sendling derzeit ausmacht: 820 Millionen Euro. In Anbetracht dieser stolzen Summe sollen wenigstens die 85 Millionen Erstausstattung noch deutlich reduziert werden. Das Ziel sei nach wie vor, auf die geplanten 450 Millionen Euro für die Sanierung des Gasteig zu kommen, sagte Grünen-Fraktionschef Florian Roth nach der Sitzung. Die SPD steht nun ebenfalls zur großen Lösung, hält aber den Kostendeckel "für richtig", sagte Stadtrat Klaus-Peter Rupp.
Ob der aktuelle Zeitplan jetzt noch eingehalten werden kann, ist offen
Das Wirtschaftsreferat und der Gasteig bekommen deshalb nun Aufpasser zur Seite gestellt. Das Baureferat und die Kämmerei sollen die Kostenrechnungen nochmals überprüfen und in der Vollversammlung am 16. Dezember soll dann über das weitere Vorgehen entschieden werden. Die CSU steht in dem Streit an der Seite ihres Wirtschaftsreferenten Clemens Baumgärtner und des Gasteig. Das Kulturreferat wird nochmals mit den Nutzern sprechen, ob bei der Erstausstattung nicht auch ein dezenterer Preis erreicht werden könne.
Die großzügigere Haltung der CSU rührt auch daher, dass die Sanierung ohnehin externe Investoren übernehmen sollen. CSU und Grüne haben sich schon länger dafür ausgesprochen, die SPD zeigt sich offen. Auch dafür sollten am Dienstag eigentlich die Weichen gestellt werden. Der offizielle Beschluss sollte spätestens in einem Jahr fallen. Ob der aktuelle Zeitplan jetzt noch eingehalten werden kann, ist offen. Die Ausschreibung für die Investoren soll im Frühjahr 2022 starten, die Ausschreibung für das Bauvorhaben ein Jahr danach. Mit dem Beginn des Probebetriebs des komplett sanierten Kulturzentrums rechnet die Gasteig GmbH etwa Ende 2027.
Welches Modell die Stadt für die private Finanzierung wählt, ist noch nicht festgelegt. Auch der Bau des Gasteig in den 1980er-Jahren wurde mit einem Investorenmodell umgesetzt. Die Leasingraten wurden bis zuletzt gezahlt. Unabhängig vom Konstrukt will die CSU gerade wegen der privaten Finanzierung dem Gasteig bei den Kosten nicht so strenge Ketten anlegen. Es sei reine Verhandlungssache, ob man etwa auch die Erstausstattung in einen solchen Vertrag packe, heißt es aus der CSU. Bei einer jährlichen Miete oder Rückzahlung würde das die Stadt gut stemmen können.
Die erhoffte Planungssicherheit ist durch die jüngste Volte immer noch nicht gegeben, weder für die Finanzen der Stadt noch für die Gasteig GmbH. Die Sanierung kommt wegen vieler politischer Streitigkeiten und Planungspannen nur schleppend voran. Dafür wächst das Interimsgebäude in Sendling sichtlich heran. Dort soll der Betrieb Ende 2021 beginnen, also wohl deutlich vor dem Baubeginn am Gasteig. Sollte sich dort die Planung weiter verzögern, wird München aller Voraussicht nach für eine Übergangszeit über zwei sehr prominente Kulturzentren verfügen.
