bedeckt München 10°

Vorurteile abbauen:München bekommt Beauftragten für interreligiösen Dialog

Marian Offman, 2020

Marian Offman ist seit Jahren in der Israelitischen Kultusgemeinde aktiv und dort auch im Vorstand.

(Foto: Florian Peljak)

Der ehemalige Stadtrat Marian Offman soll das Amt übernehmen. Im vergangenen Jahr lehnten die Grünen ihn als Antisemitismusbeauftragten ab.

Von Bernd Kastner

Die Stadt München bekommt einen Beauftragten für den interreligiösen Dialog. Übernehmen soll die neue, ehrenamtliche Aufgabe der frühere Stadtrat Marian Offman. Vorgeschlagen hat ihn die Fraktion von SPD und Volt im Rathaus, der er selbst bis zur Kommunalwahl 2020 angehörte. Die Grünen als Koalitionspartner kündigten an, den Vorschlag zu unterstützen.

"Marian Offman kann die verschiedenen Religionsgemeinschaften im Dialog mit Politik und Gesellschaft zusammenbringen", sagt SPD-Stadtrat Christian Vorländer. "Er verfügt über eine große Erfahrung und ist gut vernetzt." Von dieser Vernetzung zwischen den Religionen wünsche sich die SPD/Volt-Fraktion mehr als bisher. Offman sei eine "hervorragend geeignete Persönlichkeit", er habe sich schon bisher für ein Miteinander von Angehörigen der großen Religionen eingesetzt, von Christen, Juden und Muslimen.

Offman selbst zeigt sich zufrieden angesichts der Aussicht auf die neue Aufgabe, sie sei ihm ein "Herzensanliegen", sagt er. "Ich bin wirklich froh, dass ich das weitermachen kann." In den vergangenen Jahren engagierte sich Offman im Stadtrat - früher in der CSU, seit 2019 in der SPD - für die Kooperation unterschiedlicher Religionsgemeinschaften und ethnischer Gruppen. Er wolle sich bemühen, in allen Gemeinschaften die Vorurteile über die jeweils anderen abzubauen. Und natürlich werde er sich dabei auch mit Antisemitismus beschäftigen.

Für Offman, der seit Jahrzehnten in der Israelitischen Kultusgemeinde aktiv ist und dort im Vorstand sitzt, ist Antisemitismus ein wichtiges Thema, aufgrund eigener Erfahrungen, und auch politisch. Seine künftige Aufgabe könnte bei ihm eine schmerzende Wunde schließen. Nachdem er wegen seiner schlechten Platzierung auf der SPD-Liste die Wiederwahl ins Rathaus knapp verpasst hat, war er verärgert darüber, dass die Grünen ihn als Juden nicht als Antisemitismusbeauftragten haben wollten. Das Nein empfand er als Affront: "Ich verstehe es nicht und bin wirklich sprachlos", sagte er Ende November vergangenen Jahres. Nun, sagt Offman, sei er versöhnt.

Für die Rathaus-Grünen versichert deren Vize Dominik Krause, dass man den Ex-SPD-Stadtrat unterstütze, "wir schätzen Herrn Offman sehr". Die Position des Antisemitismusbeauftragten wiederum solle als hauptamtliche Stelle im Rathaus Teil eines "Aktionsplanes" sein, den man nach Ostern auf den Weg bringe. Man wolle nicht einfach nur einen neuen Posten schaffen und dort Probleme abladen, sondern mit einem Gesamtkonzept gegen Antisemitismus vorgehen. Eine konkrete Person, die diese Aufgabe übernehmen soll, habe man aber noch nicht im Auge, betont Krause.

© SZ vom 31.03.2021/wean
Zur SZ-Startseite
Wer wusste was wann und trägt welche Verantwortung im Münchner Bistum? Klaus und Rosi Mittermeier (vorne) wollen die Wahrheit wissen, ebenso ihre Mitstreiter in der Initiative "Sauerteig" (hinten, von links) Katharina Schrankl, Georg Langschartner, Thomas Maier und Stefan Tiefenthaler.

SZ PlusSexualisierte Gewalt in der Kirche
:Wenn ein Pfarrer seine Pfarrei verwundet

Als die Münchner Diözese 1987 einen Priester nach Garching an der Alz schickt, verschweigt sie, dass er Missbrauchstäter ist. Die Initiative "Sauerteig" will alte Wunden heilen und hofft auf Hilfe durch den Kardinal.

Von Bernd Kastner

Lesen Sie mehr zum Thema