Das ist nicht schön:Irreführend

Notizen zur Münchner "Banksy"-Schau

Von Evelyn Vogel

Was ist ein gefälschtes Bild anderes als Betrug? Dennoch gelangen manche Fälscher zu einer gewissen Berühmtheit. Man denke nur an die Geschichte mit Beltracchi. Und man könnte vermuten, manchem Besucher ist es egal, ob er Geld zahlt für eine Ausstellung, die nur Fakes zeigt, so lange die Fakes gut gemacht sind? Dann findet man vermutlich auch Bilder aus den Kopistendörfern Chinas oder Souvenirs aus Andenkenshops gut.

Als Damien Hirst in Venedig seine "Treasures from the Wreck of the Unbelievable" als eine Ausstellung angeblich versunkener Schätze verkaufte, war das sehr fragwürdig. Wenn auch der eine oder andere die gigantische Fake-Show als Gesamtkunstwerk interpretieren wollte. Würde man Hirst nicht besser kennen, hätte man es als ironischen Kommentar auf den Kunstmarkt verstehen können.

Wenn nun eine Ausstellung, in der fast kein echter Banksy gezeigt wird, so offensiv mit dem Namen des britischen Künstlers wirbt, dass beim flüchtigen Lesen der Plakate das schon mal falsch verstanden werden kann, was ist das dann? Eine Irreführung? Eine Geldmaschine? Zumindest eine Frechheit. Denn die Macher setzen auf den Pawlowschen Reflex beim Publikum. Banksy, der große Unbekannte. Und nun geht man dem "Mysterium" auf den Grund. Lächerlich. Echte Banksys sind derzeit übrigens im Münchner MUCA zu sehen. Wobei "echte" Banksys abseits der Straße sowieso schwierig sind.

Banksys Ablehnung des Kunstmarkts ist weithin bekannt. Auf seiner Website listet er zig Fakes auf, vor denen er warnt. Über Pest-Control versucht er, Fälschungen seiner Street-Art-Motive zu entlarven. Seine Schredder-Aktion bei einer Auktion 2018 war ein Art Kommentar auf die Mechanismen des Marktes - dessen Resilienz er unterschätzt hatte. Denn das geschredderte Bild wurde ebenfalls als Kunstwerk vom Markt vereinnahmt. Er arbeitet auf der Straße, weil er nicht will, dass seine oft sozialkritischen Werke in einer Privatsammlung verschwinden oder nur von Menschen gesehen werden, die es sich leisten können, ins Museum zu gehen. Diese Teilhabe aber in der Art zu interpretieren, wie es der Kurator der Schau im Isarforum, Quintana, getan hat, ist eine Verdrehung der Tatsachen. Und das ist nicht schön.

© SZ vom 13.03.2021
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