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Hunderte Fahrzeuge auf der Theresienwiese:Hupen für mehr Geld

Eine Sternfahrt zur Theresienwiese war der Auftakt der IG Metall zum Arbeitskampf.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die IG Metall startet mit einer Sternfahrt in den Tarifkonflikt

Von Catherine Hoffmann

Ein herausforderndes Hupen ist zu hören an diesem Montagnachmittag auf der Theresienwiese - und bestimmt nicht nur dort. Unter das Mööp von rund 250 Pkw mischt sich immer wieder das sonore Trööt von Lkw-Hörnern. Mit einem bundesweiten Aktionstag läutete die IG Metall am 1. März das Ende der Friedenspflicht ein, auch München beteiligte sich an den Aktionen. Und was liegt näher für eine Autogewerkschaft als eine Corona-konforme Sternfahrt zur Theresienwiese zu organisieren? Dort stellt sich Autokino-Feeling ein, in der ersten Reihe parken vor allem BMW mit freiem Blick auf eine Tribüne.

"Die Stimmung in der Belegschaft ist sehr angespannt", sagt Alexander Farrenkopf, BMW-Betriebsrat und Leiter des IG-Metall-Vertrauenskörpers im Unternehmen. "Im Werk arbeiten alle mit Maske, neun Stunden am Tag." Anstrengend sei das. Für den Münchner Autobauer zahlt sich die Anstrengung seiner Mitarbeiter aus, das Unternehmen erzielte 2020 trotz Corona Milliardengewinne. Deshalb ist eine Nullrunde in diesem Jahr für Farrenkopf keine Option - und für seine Mitstreiter bei der IG Metall, die sich an diesem Tag recht kampflustig geben, auch nicht.

Nach vorläufig ergebnislosen Tarifverhandlungen für die Metall-und Elektroindustrie hat die IG Metall nun bundesweit zu Warnstreiks aufgerufen. Diese werden bereits in der Nacht zu Dienstag (2. März) eine Minute nach Mitternacht beginnen. Auch bei BMW wird es Warnstreiks geben, allerdings nicht sofort.

Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit rund 3,8 Millionen Beschäftigten vier Prozent mehr Lohn - und in Unternehmen, wo es schlecht läuft, eine Vier-Tage-Woche bei teilweisem Lohnausgleich. Die Arbeitgeber haben bislang Lohnerhöhungen frühestens für das Jahr 2022 in Aussicht gestellt und Forderungen nach mehr Mitsprache bei strategischen Entscheidungen abgelehnt. Sie fordern, dass Krisenbetriebe bei bestimmten Bilanzzahlen ohne lange Nachverhandlungen mit der Gewerkschaft automatisch vom Tarifvertrag abweichen dürfen. "Angeblich gibt es nichts zu verteilen", sagt Sibylle Wankel, die neue IG-Metall-Chefin in München. "Aber gerade in München und nach einem Jahr in Kurzarbeit brauchen wir höhere Löhne." Zudem verlangt die Gewerkschaft, dass alle Auszubildenden und dual Studierenden unbefristet übernommen werden.

Die Demonstranten in ihren Autos hupen bei jeder Forderung. Die IG Metall ist die mitgliederstärkste Gewerkschaft in Deutschland. Mit BMW, MAN, MTU und Krauss-Maffei gibt es in München zahlreiche große Unternehmen in der Branche. Sie müssen sich nun auf Warnstreiks einstellen.

© SZ vom 02.03.2021/van
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