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Einsatz in der Fußgängerzone:Gewalt-Vorwurf gegen Münchner Polizisten

Bei einer Schlägerei wird ein 18 Jahre alter Schwarzer festgenommen. Die Beamten hätten ihn schwer verletzt und kaum atmen lassen, sagt er. Diese entgegen, der Jugendliche habe sie gezielt attackiert.

Von Ekaterina Kel

Nach einem Einsatz der Polizei in der Kaufingerstraße am Samstag wirft ein 18-Jähriger aus Maisach den Beamten vor, gewalttätig und unrechtmäßig gegen ihn vorgegangen zu sein. In einem Video, das er am Sonntag bei Instagram gepostet hatte und das seit Montag von zahlreichen Medien aufgegriffen wurde, schilderte der 18-jährige Schwarze die gewaltsame Festnahme aus seiner Sicht. Er sei unschuldig und wollte eigentlich nur einen Streit schlichten, der unter anderen Jugendlichen bereits im Gange gewesen sei. Die Polizisten hätten ihn überwältigt und ihm auf den Hals gedrückt.

Zwar benutzte er in dem Video nicht das Wort "rassistisch", aber er stellte den Einsatz in den Kontext von Polizeigewalt gegen Schwarze. "Ich hab' das bei George Floyd gesehen", sagte der 18-Jährige in dem Video, "und ich hatte in diesem Moment Panik. Ich hab' wirklich um mein Leben gekämpft." Am Dienstag distanzierte er sich jedoch in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk vom Rassismusvorwurf. "Ich würde nicht sagen, dass sie deshalb so mit mir vorgegangen sind, weil ich schwarz bin", zitierte ihn der BR.

Eine Gruppe von 20 Jugendlichen war am Samstagabend nach Angaben der Polizei in Streit geraten. Die Beamten berichten von einer "unübersichtlichen Situation" und Jugendlichen, "die beim Eintreffen der Polizei flüchten wollten". Ein 18-jähriger Schüler wurde "nach zwei gezielten Faustschlägen in das Gesicht eines 33-jährigen Polizeibeamten zu Boden gebracht und festgenommen", meldete die Polizei. Dabei hätten Schaulustige den Festgenommenen teilweise angefeuert.

Nach Medienberichten über das selbstgedrehte Video des 18-Jährigen äußerte sich Polizeipräsident Hubertus Andrä: Die Angriffe auf seine Kollegen und das Verhalten einiger Umstehender seien "inakzeptabel". Es befremde ihn, dass Tatbeteiligte die Sozialen Medien nutzten, um "sich als friedfertig und passiv darzustellen". Zu dem Vorwurf des Schülers sagte er: "Dass dabei auch ein Bezug zu den schlimmen Ereignissen rund um George Floyd geschaffen wird, um sich in einer vergleichbaren Rolle darzustellen, schadet dem berechtigten Anliegen vieler People of Colour."

Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins kritisierte zudem die mediale Berichterstattung, die suggeriere, dass die Polizei von ihrer ursprünglichen Darstellung zurückrudere. Dies sei nicht der Fall. "Der Ermittlungsstand ist unverändert." Die Kollegen hätten "vollkommen korrekt reagiert". Der geschlagene Beamte habe ein Hämatom im Brustbereich und sei nicht dienstfähig.

Der 18-Jährige schildert indes, "nicht gezielt einen Polizisten geschlagen" zu haben, ein Beamter sei aber "halb gesprungen" auf seinen Hals, als ihn Passanten zu Boden gedrückt hätten. Er berichtet, keine Luft mehr bekommen zu haben. Zudem habe er eine Rippenprellung und eine Gehirnerschütterung davongetragen. "Es war Gewalt gegen einen deutschen Bürger", so der Maisacher. Er kündigte rechtliche Schritte an.

© SZ vom 15.07.2020/kast
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