Autobiografie von Michael Käfer:Voyeure müssen draußen bleiben

Lesezeit: 4 min

Autobiografie von Michael Käfer: Michael Käfer beim Almauftrieb bei Koa Wiesn - a bisserl was geht immer in der Käfer-Schänke.

Michael Käfer beim Almauftrieb bei Koa Wiesn - a bisserl was geht immer in der Käfer-Schänke.

(Foto: Steffi Adam/imago images/Future Image)

Käfers Autobiografie ist keine Baby-Schimmerlos-Version seines Lebens geworden. Auch wenn eine ganze Menge wilder Geschichten vorkommen, bleibt der Gastronom diskret, was seine Kunden angeht. Ihm geht es um etwas Größeres als die Welt der Reichen und Schönen.

Von Franz Kotteder

Was erwartet man sich, wenn Michael Käfer seine Autobiografie vorlegt? Enthüllungen aus der Münchner Schickeria? Zoten und Anekdoten aus der Welt der Reichen und Schönen, die seit jeher gerne im Stammhaus seines Feinkost- und Gastro-Imperiums an der Prinzregentenstraße essen gehen und die Champagnerkorken knallen lassen?

Ja, natürlich erwartet man das. Wird dabei aber, das darf man schon mal vorausschicken, enttäuscht werden. Nicht umsonst trägt das Buch den Titel "Der geliehene Freund". So nennt Michael Käfer den perfekten Gastgeber und Partymacher, der er sein will. Also einen, der ihnen möglichst alle Wünsche erfüllt und dabei stets loyal bleibt. Gleich im Vorwort macht er klar, dass er zwar schon "Episoden und Erlebnisse" ausbreiten werde, die sich in seinem 64 Jahre langen bisherigen Leben so ergeben haben. Das aber stets "in dem Rahmen, der mir als Dienstleister und geliehener Freund erlaubt ist, wohl wissend, dass meine Kunden immer auch ein Höchstmaß an Diskretion von mir erwarten und es selbstverständlich auch bekommen". Es sei, so erklärt er es auch am Telefon, heute eine andere Zeit: "Früher, zur Blütezeit der Klatschreporter, war es beinahe wichtiger, was in der Zeitung stand, als wie die Party wirklich war."

Für Voyeurinnen und Voyeure heißt es also in diesem Buch: Wir müssen leider draußen bleiben. Auch wenn eine ganze Menge wilder Geschichten vorkommen, über die Anfangszeit im P1, das der junge Michael Käfer mitaufgebaut hatte als erste Schicki-Disko Münchens. Oder etwa die, in der sich ein selbstverständlich nicht genannter Auftraggeber für seine Party eine bayerische Oase mitten in der marokkanischen Wüste wünscht und sie auch bekommt. Der Party-Service macht's möglich. Wer der Auftraggeber war? Klingt sehr nach Ludwig II., aber das Käfersche Gastro-Imperium entstand ja erst lange nach dem Tod des bayerischen Märchenkönigs. Wer sein Nachfolger im Geiste war, das verrät Michael Käfer selbstverständlich nicht.

Mit dem Hubschrauber übers Blumenherz: ein Heiratsantrag

Dafür erfährt man ganz genau, wer einmal an einem Hang des Berges Chapütschin bei St. Moritz im tiefsten Winter auf rund 3300 Metern ein riesiges Herz aus Blumen hatte auslegen lassen. Nur, damit er mit seiner Geliebten im Helikopter "über das Flüela Wishorn, das Rosställispitz und die Unghürhörner" dorthin fliegen und ihr einen Heiratsantrag machen konnte. Es war, man ahnt es schon, Michael Käfer höchstselbst, der dort oben in den Schweizer Bergen um die Hand seiner Clarissa anhielt. Mittlerweile sind die beiden seit dem 7. 7. 2007 miteinander verheiratet; vor zehn Jahren wurden sie Eltern der Zwillinge Raphael und Niklas.

Autobiografie von Michael Käfer: Der kleine Käfer - ein Foto aus dem Familienalbum.

Der kleine Käfer - ein Foto aus dem Familienalbum.

(Foto: privat)

So kann man's also auch machen, wenn man über das nötige Kleingeld verfügt. Doch die Episode führt ein wenig in die Irre. Michael Käfers Autobiografie ist keineswegs eine Baby-Schimmerlos-Version seines Lebens geworden. Auch wenn ein ehemaliger Bild-Journalist, Kai Psotta, sie als Ghostwriter verfasst hat. Gleich zu Beginn des Buches wird er eingeführt, und man erfährt, dass er schon ein bisschen mehr ist als nur ein "geliehener Freund". Sondern vielmehr einer, der schon ein bisschen zur Familie gehört. Das ist wohl auch Voraussetzung dafür, dass Käfer ihm so viel erzählt hat aus seinem Leben. Auch Dinge, die er sicher nicht hätte erzählen müssen, die aber das Bild vom Menschen hinter der öffentlichen Person abrunden.

So erzählt er zum Beispiel, wie er einmal vor vielen, vielen Jahren in New York ein großes Gemälde des US-amerikanischen Künstlers Jean-Michel Basquiat gekauft hatte, als der noch weitgehend unbekannt war. Das Bild wurde in München von einer Kunstspedition angeliefert, die dann schnell feststellte, dass es gar nicht in die Wohnung von Käfer passte: Es war schlichtweg zu hoch. Käfer konnte den Kauf dann rückgängig machen. Was er heute wiederum bereut, denn es wäre ein Vielfaches wert von dem, was er damals bezahlt hatte.

Überhaupt ist "Der geliehene Freund" kein großkotziges Heldengemälde, ganz im Gegenteil. Erfrischend sympathisch erzählt Michael Käfer auch von Niederlagen, die schmerzten. Wie etwa, dass er im Bieterwettbewerb um die Stadiongastronomie im Olympiagelände gegen den großen Konkurrenten Do & Co unterlag. Oder auch, wie er vor dem Champions-League-Finale 2013 im Londoner Wembley-Stadion seine Eintrittskarten verschusselt hatte. Es spielte Borussia Dortmund gegen den FC Bayern. Und die Karten waren weg. Auf dem Schwarzmarkt bekamen er und sein Spezl schließlich mit geradezu unverschämtem Glück kurz vor dem Anpfiff noch neue Karten - ausgerechnet aber im Fanblock der Dortmunder Fans...

Manches liest sich wie Beckenbauers "Einer wie ich"

Man erfährt das im Buch erst auf Seite 60, obwohl die ganze Geschichte schon auf Seite 13 beginnt. Die ganzen Seiten dazwischen geht es sehr viel um die Sport- und Fanvergangenheit von Michael Käfer. Das ist durchaus sehr unterhaltsam, auch wenn man sich fragt, ob man nicht versehentlich in eine Sportler-Biografie gerutscht ist. Manches erinnert fast an Franz Beckenbauers frühen Bestseller "Einer wie ich". Da ist mit dem Ghostwriter Psotta die Sportbegeisterung durchgegangen. "Ja", sagt Michael Käfer und lacht, "das ist am Anfang schon ein bisschen viel Sport, ganz so sportbesessen bin ich auch wieder nicht."

Aber er ist auch da offen. Ebenso wie in den berührenden Passagen über das Sterben seines Vaters Gerd, mit dem er sich erst spät versöhnte, zu dem er immer ein zwiespältiges Verhältnis hatte, weil er sich im Stich gelassen fühlte, als es zwischenzeitlich mit der Firma bergab gegangen war. Geld ist immer auch ein Symbol für etwas Anderes, oft Größeres. Dass es letztlich auch Käfer um dieses Andere, Größere geht, das wird in seinem Buch sehr schön deutlich.

Michael Käfer mit Kai Psotta: "Der geliehene Freund - Mein Leben als Gastgeber", Edel Books, 285 Seiten, 24,95 Euro

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