bedeckt München 26°

Lebensmittel:Wie Medikamente in Biobetrieben eingesetzt werden

Und so sieht es aus im Antibiotika-Kühlschrank von Herrmannsdorfer.

Selbst wenn viele Verbraucher das in ihrer Sehnsucht nach einer heilen Landwirtschaft nicht wahrhaben wollten. Gleichwohl, und das ist zentral für Brunnbauer, sind die Unterschiede zur konventionellen Landwirtschaft gravierend.

Gerade bei den Antibiotika. "Ganz klar: Alle amtlich zugelassenen Antibiotika sind auch in Bio-Betrieben erlaubt", sagt der Tierarzt und Ingolstädter Umweltreferent Rupert Ebner. "Aber es steht fest, dass sie auf ihnen ungleich seltener eingesetzt werden als in der konventionellen Haltung." Und erst, wenn alle alternativen Methoden versagt haben. Außerdem dürfen Biobauern immer nur einzelne erkrankte Schweine gezielt behandeln und nicht - wie ihre konventionellen Kollegen - präventiv ganze Gruppen.

Der wohl gravierendste Punkt aber ist für den Tierarzt, dass Antibiotika auf Biohöfen "zu 99 Prozent bei ganz jungen Ferkeln eingesetzt werden, die starke Durchfälle haben oder an Atemwegserkrankungen leiden und denen sonst nichts mehr hilft". In der konventionellen Schweinehaltung hingegen würden vor allem Masttiere damit behandelt.

Mehr Platz für Schweine in Biobetrieben

Ähnlich sind die Unterschiede bei den Haltungsbedingungen. Natürlich sind die Schweine-Bestände von Biobauern sehr viel kleiner als die ihrer konventionellen Kollegen. Selbst ein großer Bio-Betrieb wie Herrmannsdorfer liegt im Zahlen-Vergleich zu konventionellen Mästern mit seinen 600 Tieren an der untersten Grenze. Außerdem haben die Tiere in der Biohaltung deutlich mehr Platz, sie dürfen raus an die frische Luft, sich suhlen und herumwühlen - alles also, was Schweine lieben. Die Anbindehaltung - also dass ein Tier im Stall fixiert wird - ist tabu.

Einzige Ausnahme ist die Zeit rund um die Geburt der Ferkel. "Ganz klar: Da ist die Haltung der Muttersauen in Kastenständen auch auf Biohöfen erlaubt", sagt Hubert Heigl, Vizechef der Landesvereinigung ökologischer Landbau (LVÖ) und selbst Ferkelerzeuger. "Wenn auch nur wenige Tage rund um die Geburt der Ferkel."

Auch Heigl hat auf seinem Hof sogenannte Abferkel-Boxen eingerichtet, in denen die Sauen viel mehr Platz haben. Heigls Erfahrung: Es geht ohne Kastenstände, "und zwar richtig gut".

Bio-Lebensmittel Münchner behaupten, Bio zu kaufen

Studie

Münchner behaupten, Bio zu kaufen

93 Prozent der Bewohner Münchens und seines Umlands kaufen mindestens gelegentlich Bio-Produkte - angeblich.   Von Franz Kotteder