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Windkraft:Weichenstellung für Standort Forstenrieder Park

Windrad bei Welshofen, 2020

Der Kreistag steht hinter dem Bau von Windkraftanlagen.

(Foto: Niels Peter Jørgensen)

Nach Hofoldinger und Höhenkirchner Forst unterstützt der Kreis auch Gutachten zu Windrädern im Forstenrieder Park.

Von Martin Mühlfenzl, Pullach

Es ist Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU), der zum leidenschaftlichsten Plädoyer für die Energiewende ansetzt. Ausgerechnet Kern, der im März einen Beschluss seines Gemeinderates umsetzen musste, den er selbst nicht gewollt hatte: den Ausstieg der Gemeinde Brunnthal aus der Arbeitsgemeinschaft Hofoldinger Forst, der zur Folge hat, dass im südöstlichen Landkreis im Bereich der Arge wohl nur drei statt wie geplant vier Windräder entstehen werden.

"Wir müssen die Leute begeistern und mitnehmen", sagte Kern im Aussschuss für Energie, Landwirtschaft und Umwelt des Kreistags am Montag in Pullach. Und das könne der Kreistag nur "gemeinsam und im Konsens".

Dass der Ausschuss ausgerechnet in der Isartalgemeinde tagte, hatte eine gewisse Symbolkraft. Denn die Kreisräte brachten ein weiteres Windkraftprojekt auf den Weg und stimmten, wie von den Gemeinden Pullach und Neuried beantragt, der Gründung einer "Arbeitsgemeinschaft Windenergie Forstenrieder Park" zu. Die Kommunen und der Landkreis wollen gemeinsam prüfen lassen, welche Potenziale Windkraftanlagen in dem gemeindefreien Gebiet haben.

Über den Bau von Windrädern im Landkreis München herrscht im Kreistag fraktionsübergreifend Einigkeit; allerdings nicht darüber, ob sich der Landkreis bei der Planung solcher Projekte überhaupt beteiligen darf. Dass sich der Kreis nicht am Bau von Rotoren beteiligen dürfe, sei unstrittig, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU); die Energieversorgung der Menschen sei ausschließlich Aufgabe der Kommunen und Teil ihrer Daseinsvorsorge. Daher steige der Landkreis bei allen Windkraftprojekten - im Hofoldinger und Höhenkirchner Forst sowie im Forstenrieder Park - nach den Beendigungen der Planungen aus den Arbeitsgemeinschaften aus und trete auch nicht den dann zu gründenden Betreibergesellschaften bei. "Weil der Landkreis keinen unternehmerischen Tätigkeiten nachgehen darf."

Zuvor hatte FDP-Kreisrat Manfred Riederle allerdings Sorgen geäußert, genau dies könne der Fall sein; zudem kritisierte er die finanzielle Beteiligung des Landkreises an der Öffentlichkeitsarbeit in den Arbeitsgemeinschaften sowie der Finanzierung der Windkraftgutachten. Damit überschreite der Landkreis seine Kompetenzen und handle "rechtswidrig", da dieses Engagement Auswirkungen auf den Kreishaushalt habe. Das sahen die anderen Kreisräte nicht so und überstimmten den FDP-Rat.

Einstimmig verständigten sich die Kreisräte darauf, ein Windgutachten für den Forstenrieder Park erstellen zu lassen. Es ist das zweite nach einem ersten Anlauf vor mehr als zehn Jahren; die damalige Untersuchung hatte ergeben, dass die sogenannten Windhöffigkeiten den Bau von Rotoren überhaupt nicht rechtfertigten. Das, sagte Landrat Göbel, könne heute allerdings ganz anders sein. "Dem Fortschritt sei Dank."

Standorte wirtschaftlich und umweltverträglich

Dabei legt der Landrat seine Hoffnungen auch in die zwei Gutachten, die den Kreisräten vorgestellt wurden und sowohl dem Projekt im Hofoldinger Forst als auch im Höhenkirchner Forst die notwendige Wirtschaftlichkeit als auch Umweltverträglichkeit bescheinigten. Die in der Arge Höhenkirchner Forst versammelten Kommunen Sauerlach, Aying und Otterfing - Brunnthal ist zum 31. Mai aus der Arge ausgestiegen - wollen drei Windräder errichten. Der Arge Höhenkirchner Forst gehören die Gemeinden Höhenkirchen-Siegertsbrunn sowie Egmating und Oberpframmern aus dem Landkreis Ebersberg an, auch sie plant den Bau von drei Rotoren - Kostenpunkt laut Gutachten für jedes der beiden Projekte: etwa 20 Millionen Euro bei einer Laufzeit von 20 Jahren.

Sie habe die Hoffnung, sagte ÖDP-Kreisrätin Jolanta Wrobel in der Sitzung in Pullach, dass die Windräder länger als 20 Jahre laufen könnten. "Wenn wir schon so viel Wald opfern und so viele Menschen überzeugen müssen." Kilian Körner (Grüne) und Max Kraus von den Freien Wählern bedauerten den Ausstieg Brunnthals aus der Arge und regten an, andere Nachbarkommunen zum Einstieg in die Arge Hofoldinger Forst zu bewegen. Rechtlich ist dies nach den Worten von Landrat Göbel möglich.

Oliver Seth (Grüne) sagte, bei den Windkraftprojekten könne es nur Gewinner geben - die Umwelt, aber auch Menschen, die in die Projekte investierten. Die Gutachten bescheinigen den Anlagen eine Rendite im oberen einstelligen Bereich.

© SZ vom 08.06.2021/belo
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