Waldbrände: Feuerwehr im Dauereinsatz:"Schön langsam geht uns das an die Substanz"

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Waldbrände: Feuerwehr im Dauereinsatz: Kreisbrandrat Josef Vielhuber sagt, die Alarmpläne hätten sich bewährt.

Kreisbrandrat Josef Vielhuber sagt, die Alarmpläne hätten sich bewährt.

(Foto: Claus Schunk)

Seit Anfang April legt ein Unbekannter Waldbrände im Münchner Südosten. Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute kämpfen nicht nur gegen die Feuer, sondern auch gegen böse Spekulationen.

Von Michael Morosow, Grasbrunn

Die Schnee- und Regenfälle der vergangenen Tage mögen den Freizeitwert für Urlauber und Ferienkinder arg gemindert haben, den Einsatzkräften der Feuerwehren im südöstlichen Landkreis München verschaffen sie eine dringend notwendige Verschnaufpause.

So lange die Wälder durchfeuchtet sind, wird der Feuerteufel kein weiteres Mal zuschlagen können. "Wir gehen davon aus, dass inzwischen auch mit einem Brandbeschleuniger im Wald kein Feuer mehr gelegt werden kann", sagt Kreisbrandrat Josef Vielhuber.

Der unbekannte Täter hat seit 1. April im Münchner Südosten zwölf Mal in Waldstücken Brände entfacht, und jedes Mal musste ein Großaufgebot der örtlichen Feuerwehren ausrücken, das Feuer löschen und Brandwache halten, zuletzt sogar drei Tage hintereinander - am Donnerstag, 13. April, in einem Waldstück bei Brunnthal-Kirchstockach, am Karfreitag zwischen Solalinden und Schwedensteinstraße sowie am Karsamstag in einem Waldstück zwischen Perlach und Oedenstockach.

"Schön langsam geht uns das an die Substanz", sagt Johannes Bußjäger, Kommandant der Grasbrunner Feuerwehr, der neben der Überlastung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte eine weitere Unannehmlichkeit beklagt: Den latenten Verdacht von außen, der Brandstifter könnte ein Feuerwehrler sein. "Weil es halt schon mal so war." Immer noch ist in den Kommandaturen der Fall eines Haarer Serienbrandstifters präsent, obwohl dieser bereits 14 Jahre zurückliegt.

35 Brände in eineinhalb Jahren

Damals waren die Ermittler einem gebürtigen Oldenburger auf die Spur gekommen, der innerhalb von eineinhalb Jahren 35 Brände unter anderem in München, Rosenheim und Haar gelegt hatte. Der Mann war für ein halbes Jahr Mitglied der Haarer Feuerwehr, rückte zwar zu keinen Einsätzen aus, war aber in der Ausbildungsgruppe aktiv.

"Zum Glück bin ich damals nicht bei jedem Einsatz mitausgerückt", sagt Bußjäger. Jedenfalls würden sich Ermittler von allen Einsätzen die Namenslisten der daran beteiligten Aktiven geben lassen. "Und wenn einer jedes Mal mitgelöscht hat, kommt er gleich in Verdacht. Das ist schon eine bittere Geschichte, aber man muss auch die Polizei verstehen, denn so abwegig ist das ja nicht", sagt der Grasbrunner Kommandant, der selbst Waldbesitzer ist und sich nach eigenen Worten mächtig ärgert, wenn Außenstehende lapidar sagten: "Das ist doch nur ein Wald." Wenn ein Waldbauer mit 40 Jahren Bäume pflanze, dann habe er selbst zu Lebzeiten nichts mehr davon, sondern sein Sohn oder Enkel. "Und wenn mit 40 dein Wald brennt, hast du auch nichts davon, sagt der 46-Jährige.

Bei allen Mühen für die Einsatzkräfte und bei allen Schäden für die Waldbauern - eine positive Erkenntnis lässt sich offenbar aus der Serienbrandstiftung ziehen: "Die Alarmpläne haben sich bewährt", sagt Kreisbrandrat Josef Vielhuber. Dabei werde zwischen Alarmstufe "klein" (Brandfläche kleiner als 40 mal 40 Meter) und "groß" unterschieden, die zuletzt am Gründonnerstag gegeben war, als nordwestlich der Gudrunsiedlung im Bereich Brunnthal-Kirchstockach ein etwa 25 000 Quadratmeter großes Waldstück in Flammen stand, oder am Samstag, 8. April, als bei Grasbrunn auf 20 000 Quadratmetern trockenes Gras und Jungpflanzen brannten.

Dann rücken laut Alarmierungsplan auch die umliegenden Feuerwehren mit aus. Bei letzterem Feuer hat sich laut Vielhuber auch eine weitere Maßnahme als sehr hilfreich erwiesen, die Vorhaltung von Wasserfässern durch Bauhof und Landwirte in Waldnähe, durch die ein schneller Löscheinsatz möglich ist. 5000 bis 10 000 Liter fassen solche Fässer.

Wachsame Spaziergänger

Der Kreisbrandrat wünscht sich nach diesen Vorfällen Spaziergänger, die "mit offenen Augen" durch den Wald gehen und verdächtige Wahrnehmungen melden. Wer jedoch zu einem der insgesamt zwölf bisherigen Waldbränden seit 1. April Angaben machen kann, der soll sich an das Polizeipräsidium München, Kommissariat 13, Telefon 089/2910-0, oder an jede andere Polizeidienststelle wenden. Das Bayerische Landeskriminalamt hat für Hinweise, die zur Klärung der Tat oder zur Ergreifung des Täters führen, eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro ausgesetzt.

Dass der Täter bald überführt werden kann, hoffen neben den Waldbauern vor allem die Feuerwehrleute, die laut Vielhuber zuletzt ziemlich strapaziert worden sind. Sie müssten unter der Woche Arbeitszeit, am Wochenende Freizeit opfern, und man könne froh sein, dass die Arbeitgeber Verständnis für deren Aktivitäten zeigten. "Das ist nicht in einer halben Stunde erledigt, drei bis vier Stunden pro Mann gehen da schon jedes Mal drauf. Und an Ostern hätten sie die Zeit sicher besser nutzen können, als einen Waldbrand zu löschen."

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