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Unterföhring:Lebensgefährliche Abkürzung über die Gleise

Unterföhring S-Bahn

Seit ein Großteil der Grundschüler den neuen Schulcampus auf der anderen Seite der S-Bahn besucht, fürchten Eltern, dass ihre Kinder eine Abkürzung über die Gleise nehmen könnten – zumal sich die Notfall-Tore öffnen lassen.

(Foto: Catherina Hess)

Eltern sind alarmiert, weil Kinder auf dem Weg zum neuen Schulcampus die Notfall-Tore des S-Bahn-Zauns öffnen und auf die Gleise gelangen könnten.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Bei den Unterföhringer Eltern geht die Angst um: Seitdem nach den Pfingstferien ein Großteil der Grundschüler auf dem neuen Schulcampus jenseits der S-Bahn unterrichtet wird, müssen sich die Buben und Mädchen auf eine gefährliche Route machen. Den Schulweg und die Gleise trennt zwar ein von der Gemeinde in Abstimmung mit der Bahn eigens aufgestellter Zaun. Weil dieser aber vier Notfall-Tore hat, die etwa bei einer Evakuierung der S-Bahn geöffnet werden müssen, könnten die Kinder auf dumme Gedanken kommen - und verbotenerweise per Knopfdruck eine der Pforten öffnen, um den Weg nach Hause abzukürzen. Eine tödliche Gefahr.

SPD-Gemeinderätin Sabine Fister berichtete in der jüngsten Sitzung von den Sorgen in der Elternschaft und bat darum, diese Gefahrenstellen umgehend zu beseitigen. Es seien bereits Kinder über die Gleise gelaufen, weil sich die Tore auch von der Schulseite aus öffnen ließen. Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) räumte ein, dass dem Rathaus die Problematik bekannt sei; bei einer Ortsbegehung mit Vertretern von Polizei, Schule und Elternbeirat Ende Mai habe man festgestellt, dass es dort Nachbesserungsbedarf gebe. Man habe Eltern und Lehrer gebeten, mit den Buben und Mädchen zu sprechen und diese davor zu warnen, diese Abkürzungen zu nehmen.

Die Tore seien zwar zum Campus hin versperrt, Kinder, aber auch Erwachsene könnten durch das Gitter langen, die Entriegelung auslösen und so das Tor öffnen. Man werde in der Sache bei der Bahn vorstellig werden, um eine Möglichkeit zu finden, versprach der Bürgermeister in der Sitzung, wies allerdings darauf hin, dass sich dies als nicht so einfach gestalten könnte. Denn dort mahlten die Mühlen bekanntlich langsam, sagte Kemmelmeyer.

Der SPD im Gemeinderat reicht das nicht. Wie Fraktionsvorsitzender Philipp Schwarz in einer Anfrage an das Rathaus und seine Kollegen aus dem Gemeinderat schreibt, muss sich die Kommune zügig eine Lösung einfallen lassen, denn: "Hier ist Gefahr in Verzug." Es könne nicht sein, dass sich bislang noch nichts getan habe, um Abhilfe zu schaffen, und der Schulweg nicht ausreichend gesichert sei, so Schwarz. Die Nöte in der Elternschaft seien groß, er und seine Kolleginnen und Kollegen aus der Fraktion seien mehrfach angesprochen worden, warum die Gemeinde nicht imstande sei, die Absperrung ausreichend zu sichern. "Diese Frage kann ich absolut nachvollziehen", versichert der SPD-Mann in seiner Anfrage.

Selbstverständlich müsse die Sache mit der Bahn abgeklärt werden, schreibt Schwarz, aber: "Als Gemeinderat will ich mich nicht hinter den ewig langen Abstimmungsprozessen verstecken, wenn Lebensgefahr in Verzug für unsere Kinder ist." Diese müssten geschützt werden, und da reiche es nicht, auf Paragrafen und Rechtsnormen zu verweisen. Die SPD sehe "dringenden und nicht aufzuschiebenden Handlungsbedarf", so Schwarz. Seinen Worten zufolge muss der Schulweg der Unterföhringer Kinder wirksam abgesichert werden, und das schnellstmöglich.

Um zu verhindern, dass die Tore verbotswidrig geöffnet werden, könnte zum Beispiel eine mobile und rückbaubare Lösung einer Absperrung östlich und westlich der Gleise zwischen Tunneleinfahrt-Süd und Mitterfeldallee auf der Seite des Schulweges angebracht werden. "Wenn hierzu Abstimmung mit der Bahn notwendig seien, mag das sein, aber es muss hier abgewogen werden, denn die Situation ist lebensgefährlich", so Schwarz. Keinesfalls dürfe erst etwas passieren, bevor die Verantwortlichen handelten. In Unterföhring ist vor Jahren ein Schüler von der S-Bahn, die damals noch oberirdisch verkehrte, erfasst und getötet worden, im September 2020 starb zwischen Ottobrunn und Hohenbrunn ein 15-Jähriger, als er auf den Gleisen von einem Zug überfahren wurde.

Unterdessen hat auch die für Bahnhofs- und Gleisbereiche zuständige Bundespolizei angekündigt, in Unterföhring mehr nach dem Rechten zu sehen.

© SZ vom 19.06.2021
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