Protestaktion:Taufkirchen ist achtsam

Protestaktion: So wie in München, wo Menschen vor dem Circus Krone demonstriert haben, wollen in Taufkirchen Grüne, SPD und FDP gegen den Auftritt des umstrittenen Historikers Daniele Ganser protestieren.

So wie in München, wo Menschen vor dem Circus Krone demonstriert haben, wollen in Taufkirchen Grüne, SPD und FDP gegen den Auftritt des umstrittenen Historikers Daniele Ganser protestieren.

(Foto: Mark Siaulys Pfeiffer)

Parteien rufen zu Demonstration gegen einen Auftritt des Verschwörungstheoretikers Daniele Ganser im Kultur- und Kongresszentrum auf.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Drinnen im Kultur- und Kongresszentrum soll es um "Begegnung", "inneren Frieden" und die "Menschheitsfamilie" gehen, draußen auf dem Rathausplatz dagegen um Protest. Vor dem sogenannten Achtsamkeits-Workshop des umstrittenen Schweizer Historikers Daniele Ganser am 3. März im Taufkirchner Ritter-Hilprand-Hof rufen Grüne, SPD und FDP zu einer Demonstration für Demokratie und Vielfalt sowie gegen Rechtsextremismus auf. Um 14 Uhr werden die Bundestagsabgeordneten Carmen Wegge (SPD) und Daniel Föst (FDP) sowie die Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Köhler aus Unterhaching erwartet; Hauptredner bei der Protestaktion wird jedoch der Münchner Kabarettist Christian Springer sein.

"Der Auftritt des Verschwörungstheoretikers Daniele Ganser ist für uns nur der Auslöser", sagt der Taufkirchner Grünen-Gemeinderat Rudi Schwab. "Vor allem richtet sich unser Protest gegen Rechtsextremismus, besonders durch Politiker der AfD. Wir schließen uns damit den vielen Demonstrationen an, die seit einiger Zeit im ganzen Land stattfinden." Bedenken, dass die Aktion dem Veranstalter zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen könnte, hat Schwab keine. "Ich denke nicht, dass die Veranstaltung dadurch eine besondere Aufwertung erhält."

Dass Daniele Ganser überhaupt die Räume im Kulturzentrum anmieten konnte, hatten die Grünen im Vorfeld scharf kritisiert. "Eine kurze Internetrecherche hätte genügt, um herauszufinden, um wen es sich handelt", sagte Jutta Henkel im Gemeinderat. Ihr zufolge wäre es ein Leichtes gewesen, den Auftritt zu verhindern. "Indem man zum Beispiel sagt: Das Kultur- und Kongresszentrum ist zu den angefragten Terminen ausgebucht", so Henkel.

Demgegenüber sagte Fabian Sass, der Ordnungsamtsleiter der Gemeinde, dass es schon im Vorjahr eine Veranstaltung mit Daniele Ganser in Taufkirchen gegeben habe. "Der Kunde war damals zufrieden, und wir waren auch zufrieden." Deshalb sei man für einen erneuten Auftritt offen gewesen, so Sass, der im Rathaus den Bereich Öffentliche Sicherheit, Bürgerservice und Kultur leitet und damit für das Kultur- und Kongresszentrum zuständig ist.

Satte 180 Euro müssen die Teilnehmenden für den Achtsamkeits-Workshop hinblättern. Bei dem "Tag mit Daniele Ganser", wie das Plakat für die Veranstaltung wirbt, werden diese nun also nicht nur den Historiker zu Gesicht bekommen und seine mitunter kruden Thesen zu hören, sondern vermutlich in der Mittagspause auch verfolgen können, wie sich vor dem Ritter-Hilprand-Hof Menschen zu einer Kundgebung versammeln. Bei der jüngsten Demonstration gegen Rechtsextremismus fanden sich vor knapp einem Jahr circa 50 Personen auf dem Platz vor dem Rathaus ein, um dort gegen eine AfD-Veranstaltung im Kultur- und Kongresszentrum zu protestieren. Damals sei der Aufruf jedoch sehr kurzfristig gewesen, sagt Grünen-Gemeindeart Schwab. Er hofft daher, dass dieses Mal deutlich mehr Menschen kommen.

Mit Blick auf die 800 Teilnehmenden bei einer Demo vor wenigen Tagen in Unterschleißheim sagt Schwab: "Wenn es bei uns auch so viele würden, wäre das natürlich toll. Allerdings ist das in Taufkirchen ziemlich sportlich." Unabhängig von der Teilnehmerzahl sei den Veranstaltenden aber vor allem eines wichtig: "Wir wollen ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und die AfD setzen."

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